Wettbewerbsfähigkeit in Europa

Appell vor EU-Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit

Kurz vor dem informellen EU-Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit verschärft sich der Ton aus der Industrie. Das Bündnis „Made for Germany“ warnt vor einem schleichenden Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und fordert tiefgreifende Reformen.

Veröffentlicht Geändert
Konkurrenz aus China, Umbruch der Welt mit US-Präsident Trump: Kurz vor dem informellen EU-Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit dringt die Wirtschaftsinitiative 'Made for Germany' auf Bürokratieabbau und tiefe Reformen in Europa.
Konkurrenz aus China, Umbruch der Welt mit US-Präsident Trump: Kurz vor dem informellen EU-Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit dringt die Wirtschaftsinitiative "Made for Germany" auf Bürokratieabbau und tiefe Reformen in Europa.

Industrielle Basis unter Druck

Die industrielle Basis Europas steht unter immensem Druck. Darauf verweist die Wirtschaftsinitiative „Made for Germany“, wie sie vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU mitteilt. Hinter dem Bündnis stehen 123 Unternehmen und Investoren.

Konkurrenz aus China und der geopolitische Umbruch mit US-Präsident Trump verschärften die Lage zusätzlich, heißt es. Europa sehe sich Staaten gegenüber, die industriepolitisch strategisch steuerten, gezielt deregulierten und Schlüsseltechnologien mit hoher Geschwindigkeit skalierten. „Viele europäische Unternehmen verlieren täglich an Wettbewerbsfähigkeit“, schreibt die Initiative.

Wachstum als Voraussetzung für Souveränität

Nach Auffassung des Bündnisses muss Wachstum zur obersten Priorität werden – als Grundlage europäischer Souveränität. Gefordert wird ein klarer Kurswechsel „weg von Überregulierung“. Sämtliche Reformen seien konsequent auf technologische Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum auszurichten.

Konkret verlangt „Made for Germany“, Regulierungs- und Bürokratieabbau „als zentrales politisches Ziel“ zu verankern. Zudem müsse der Kapitalmarkt gestärkt werden. Auch die zügige Umsetzung von Freihandelsabkommen mit Indien sowie den südamerikanischen Mercosur-Staaten zählt zu den Kernforderungen. Die Initiative geht unter anderem auf einen Anstoß von Siemens und der Deutschen Bank zurück.

„Europa fällt im globalen Wettbewerb zurück“

Siemens-CEO Roland Busch
Siemens-CEO Roland Busch

Deutliche Worte kommen aus den Führungsetagen. „Europa fällt im globalen Wettbewerb zurück“, sagte Siemens-Chef Roland Busch. „Europa muss die kritischen Technologien beherrschen, die Industrie, Energieversorgung und Sicherheit tragen“, forderte er. „Wir haben dafür alles: eine starke industrielle Basis, erstklassige Talente und tiefes technologisches Know-how.“

Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sieht Handlungsbedarf. Europa spiele unter seinen Möglichkeiten. Investoren sähen erhebliches Aufholpotenzial. „Das Interesse, wieder in Europa zu investieren ist bereits groß, und es wird noch deutlich größer, wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen.“

800 Milliarden Euro als Signal

Gegründet wurde die Initiative „Made for Germany“ im vergangenen Sommer. Sie stellte in Aussicht, über 800 Milliarden Euro am Standort Deutschland zu investieren – verknüpft mit der Forderung nach strukturellen Reformen für die schwächelnde Wirtschaft.

Unklar bleibt jedoch, welcher Anteil dieser Summe tatsächlich auf Neuinvestitionen entfällt. Gleichwohl versteht sich die Ankündigung als Signal an die Politik: Ohne tiefgreifende Reformen droht Europa im globalen Wettbewerb weiter an Boden zu verlieren – so die Botschaft des Bündnisses.

Mit Material der dpa

FAQ zur Wettbewerbsfähigkeit

  • Was fordert das Bündnis „Made for Germany“ zur Wettbewerbsfähigkeit? – Gefordert werden Bürokratie- und Regulierungsabbau, eine Stärkung des Kapitalmarkts sowie eine klare Ausrichtung aller Reformen auf technologische Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum.
  • Warum sieht das Bündnis die Wettbewerbsfähigkeit Europas gefährdet? – Europa treffe auf Staaten, die industriepolitisch strategisch handelten, gezielt deregulierten und Schlüsseltechnologien schnell skalierten. Viele Unternehmen verlören täglich an Wettbewerbsfähigkeit.
  • Welche Rolle spielen Investitionen für die Wettbewerbsfähigkeit? – Die Initiative stellte Investitionen von über 800 Milliarden Euro am Standort Deutschland in Aussicht, knüpft diese jedoch an tiefgreifende Reformen.
  • Wer steht hinter der Initiative zur Wettbewerbsfähigkeit? – Hinter „Made for Germany“ stehen 123 Unternehmen und Investoren, darunter Impulsgeber wie Siemens und die Deutsche Bank.