Marktüberwachung für sichere Maschinen

Marktüberwachung: Warum der VDMA Alarm schlägt

Der VDMA fordert eine deutlich schärfere Marktüberwachung für Maschinen. Eine Blitzumfrage zeigt Sicherheitsmängel, Auftragsverluste und Defizite bei der Durchsetzung bestehender Vorschriften.

Eine defekte Maschine kann nicht nur zum Produktionsausfall führen: Mangelhafte Schutzeinrichtungen oder fehlende Sicherheitsfunktionen bergen auch erhebliche Risiken für Beschäftigte.

  • Mehr als 400 VDMA-Mitgliedsunternehmen aus knapp 20 Fachzweigen nahmen an der Blitzumfrage zur Marktüberwachung teil.

  • Zwei von drei Maschinenbaufirmen treffen demnach im Wettbewerb auf Produkte, die wesentliche gesetzliche Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen.

  • Mehr als die Hälfte berichtet von Auftragsverlusten gegenüber Anbietern, die durch geringere Sicherheitsstandards Preisvorteile erzielen.

  • Der VDMA fordert Importverbote, eine Marktüberwachung aus einer Hand, mehr Kontrollen bei der Einfuhr und eine verpflichtende EU-Repräsentanz.

Warum der VDMA die Marktüberwachung verschärfen will

Unsichere Maschinen und Anlagen aus Drittstaaten werden nach Einschätzung des VDMA zunehmend zu einem Problem für Sicherheit und fairen Wettbewerb in Europa. Das geht aus einer Blitzumfrage des Verbands hervor, an der mehr als 400 Mitgliedsunternehmen aus knapp 20 Fachzweigen des Maschinen- und Anlagenbaus teilgenommen haben.

Zwei von drei Maschinenbaufirmen kämpfen demnach im Tagesgeschäft gegen Wettbewerbsprodukte, die wesentliche gesetzliche Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen berichtet zugleich von Auftragsverlusten gegenüber Anbietern, die durch geringere Sicherheitsstandards Preisvorteile erzielen. Viele dieser Produkte stammen laut VDMA ursprünglich aus China, aber auch aus anderen Ländern.

„Sicherheit darf kein Wettbewerbsnachteil sein. Unsere Unternehmen halten europäische Sicherheitsvorschriften ein und stecken erhebliche Ressourcen in sichere Maschinen. Sie dürfen nicht gegenüber Anbietern benachteiligt werden, die gesetzliche Anforderungen missachten und dadurch Kostenvorteile erzielen“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. „Hier geht es auch um die Sicherheit von Menschen, die in den Fabriken mit diesen Maschinen täglich arbeiten müssen“, ergänzt er.

Fehlende CE-Konformität bei Maschinen

Die befragten Unternehmen berichten laut der Mitteilung von zahlreichen Fällen mutmaßlich nicht konformer Maschinen. Genannt werden unter anderem fehlende Notabschaltungen, unzureichende elektrische Sicherheit und mangelhafte Schutzeinrichtungen. Nach Angaben des VDMA entstehen daraus konkrete Sicherheitsrisiken für Anwender, Betreiber und Beschäftigte.

Aus Sicht des Verbands zeigen die Umfrageergebnisse, dass die bestehenden Strukturen der Marktüberwachung nicht ausreichen, um unsichere Produkte wirksam vom europäischen Markt fernzuhalten.

Besonders kritisch bewertet der VDMA die Durchsetzung bestehender Vorschriften. Die meisten Unternehmen verzichten laut Umfrage inzwischen darauf, bekannte Fälle unsicherer Maschinen bei den zuständigen Stellen zu melden. Wo Meldungen erfolgten, seien die eingeleiteten Maßnahmen häufig als wenig wirksam bewertet worden. Auch gerichtlich werde nur in sehr wenigen Fällen gegen diese Form des unfairen Wettbewerbs vorgegangen.

Was der VDMA bei Importen fordert

Der Verband leitet aus den Ergebnissen mehrere Forderungen ab. Hersteller unsicherer Maschinen aus Drittländern sollen auf eine Schwarze Liste gesetzt werden. Dies soll unmittelbar ein Importverbot nach sich ziehen und weitere Lieferungen solcher Maschinen nach Europa unterbinden. Der VDMA verweist dabei auf Vorgehensweisen in den USA und Indien.

Zudem fordert der Verband eine Marktüberwachung aus einer Hand. Die derzeit auf die einzelnen Bundesländer verteilten Zuständigkeiten verursachen nach Ansicht des VDMA Reibungsverluste, erschweren ein einheitliches Vorgehen und binden Ressourcen.

„Für eine wirksame Durchsetzung braucht es klare Verantwortlichkeiten, koordinierte Verfahren und handlungsfähige Strukturen“, fordert Brodtmann.

Darüber hinaus verlangt der VDMA mehr Produktkontrollen bereits bei der Einfuhr. Unternehmen beobachteten regelmäßig Maschinen, die zentrale Sicherheitsanforderungen nicht erfüllten. Den zuständigen Behörden fehlten jedoch häufig personelle und fachliche Kapazitäten, um Hinweise zeitnah zu prüfen und wirksame Maßnahmen einzuleiten.

EU-Repräsentanz soll Verantwortlichkeit sichern

Eine weitere Forderung betrifft Hersteller aus Drittstaaten. Nach Vorstellung des VDMA soll gelten: Wer in Europa verkauft, muss in Europa erreichbar und haftbar sein. Vorgesehen werden soll deshalb eine verpflichtende und validierte EU-Repräsentanz mit klar definierten Verantwortlichkeiten.

Diese Repräsentanz soll den Behörden als belastbarer Ansprechpartner zur Verfügung stehen, Informationen zum Konformitätsbewertungsverfahren bereitstellen und für behördliche Maßnahmen sowie entstehende Kosten einstehen. Ergänzend schlägt der Verband eine Sicherheitsleistung für Hersteller aus Drittstaaten vor. Damit soll die Nutzung von Briefkastenfirmen unterbunden werden.

Der Verband verbindet die Forderungen nach einer stärkeren Marktüberwachung mit dem Schutz von Beschäftigten und der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller.

„Maschinensicherheit ist eine Erfolgsgeschichte. Europäische Sicherheitsvorschriften haben maßgeblich dazu beigetragen, Beschäftigte vor Unfällen zu schützen und Folgekosten für Unternehmen und Sozialversicherungssysteme zu verringern. Diese Erfolgsgeschichte muss durch eine wirksame Marktüberwachung abgesichert werden“, resümiert der VDMA-Hauptgeschäftsführer.

Auch mehrere VDMA-Mitgliedsunternehmen äußern sich in der Mitteilung zur bestehenden Marktüberwachung. Lars Brzoska, CEO der Jungheinrich AG, erklärt: „Europäische Sicherheits- und Konformitätsstandards sind ein zentraler Pfeiler für Sicherheit, Vertrauen und fairen Wettbewerb. Diese Standards müssen für alle Anbieter gleichermaßen gelten, unabhängig davon, wo Produkte entwickelt oder hergestellt werden. Nicht konforme Maschinen sind ein Risiko für Anwender und schaffen Wettbewerbsnachteile für diejenigen Unternehmen, die ihre Verantwortung ernst nehmen und die geltenden Anforderungen erfüllen. Deshalb braucht es eine wirksame und konsequente Marktüberwachung, die die Einhaltung der Vorschriften sicherstellt und faire Wettbewerbsbedingungen gewährleistet.“

Industrieunternehmen fordern konsequente Durchsetzung

Dr. Stephan Mayer, Vorstandsmitglied Trumpf SE & Co. KG, stellt insbesondere die Wettbewerbsbedingungen in den Mittelpunkt: „Europa darf nicht zulassen, dass Unternehmen, die in Innovation, Qualität und nachhaltige Produktion investieren, im Wettbewerb systematisch benachteiligt werden. Wer nach unseren Regeln produziert, Arbeitsplätze sichert und Verantwortung für Produkte übernimmt, muss auf faire Marktbedingungen vertrauen können. Eine starke Industriepolitik bedeutet deshalb nicht mehr Bürokratie, sondern die konsequente Durchsetzung bestehender Regeln. Nur so können wir unsere technologische Führungsfähigkeit, unsere industrielle Wertschöpfung und die Wettbewerbsfähigkeit Europas langfristig sichern.“

Dr. Daniel Schmitt, CEO der Homag Group AG, verweist auf konkrete Risiken im Maschinenbetrieb: „Wir sehen zunehmend Maschinen auf dem europäischen Markt, bei denen erhebliche Zweifel bestehen, ob die geltenden Sicherheits- und Konformitätsanforderungen tatsächlich erfüllt werden. Das ist nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch des fairen Wettbewerbs. Europäische Hersteller investieren erhebliche Mittel, um gesetzliche Anforderungen einzuhalten und sichere Maschinen auf den Markt zu bringen. Werden Produkte angeboten, bei denen diese Anforderungen nicht oder nur unzureichend nachgewiesen sind, entsteht ein klarer Wettbewerbsnachteil für diejenigen, die sich an die Regeln halten. Gerade bei Holzbearbeitungsmaschinen geht es dabei nicht um Theorie. Besonders beim Einsatz von schnell laufenden Säge- und Fräswerkzeuge bedarf es wirksamer Schutzsysteme. Fehlen diese oder funktionieren sie nicht zuverlässig, entsteht ein reales Verletzungsrisiko für die Menschen, die täglich mit diesen Maschinen arbeiten. Ein funktionierender Binnenmarkt braucht deshalb nicht mehr Regeln, sondern eine konsequentere Kontrolle und Durchsetzung der bestehenden.“

Wie Unternehmen die Sicherheitsrisiken beschreiben

Robert Terzer, Geschäftsführer der HOLZ-HER GmbH, hebt die Situation kleinerer Betriebe hervor: „Ein Handwerksbetrieb muss sich darauf verlassen können, dass eine Maschine, die auf dem europäischen Markt angeboten wird, die geltenden Sicherheitsanforderungen erfüllt. Gerade kleinere Betriebe verfügen oft weder über die technischen Möglichkeiten noch über die Ressourcen, um verdeckte Sicherheitsmängel oder eine nur scheinbare CE-Konformität selbst zu erkennen. Dieses Vertrauen darf nicht enttäuscht werden. Deshalb müssen nicht konforme Maschinen durch eine wirksame Marktüberwachung konsequent vom europäischen Markt ferngehalten werden – zum Schutz der Anwender und für einen fairen Wettbewerb.“

Peter Schaeidt, Geschäftsführer Baljer & Zembrod, verweist auf mögliche Folgen sicherheitstechnischer Mängel: „Wo tonnenschwere Baumstämme bewegt und bearbeitet werden, können schon kleine konstruktive oder sicherheitstechnische Mängel gravierende Folgen haben. Deshalb müssen sich Betreiber darauf verlassen können, dass jede in Europa angebotene Maschine die geltenden Sicherheitsanforderungen tatsächlich erfüllt. Nicht konforme Anlagen dürfen nicht erst nach einem Unfall auffallen – sie müssen durch eine wirksame Marktüberwachung frühzeitig erkannt und konsequent aus dem Verkehr gezogen werden.“

mit Material des VDMA

Was Sie zum Thema Marktüberwachung wissen müssen

  • Warum fordert der VDMA eine schärfere Marktüberwachung? – Laut VDMA-Umfrage treffen zwei von drei Maschinenbaufirmen auf Wettbewerbsprodukte, die wesentliche gesetzliche Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen.

  • Welche Mängel soll die Marktüberwachung erfassen? – Genannt werden fehlende Notabschaltungen, unzureichende elektrische Sicherheit und mangelhafte Schutzeinrichtungen.

  • Welche Importregeln fordert der VDMA für die Marktüberwachung? – Hersteller unsicherer Maschinen aus Drittländern sollen auf eine Schwarze Liste gesetzt werden, die unmittelbar ein Importverbot nach sich zieht.

  • Wie soll die Marktüberwachung organisiert werden? – Der VDMA fordert eine Marktüberwachung aus einer Hand mit klaren Verantwortlichkeiten, koordinierten Verfahren und handlungsfähigen Strukturen.

  • Welche Rolle sollen EU-Repräsentanzen bei der Marktüberwachung spielen? – Hersteller aus Drittstaaten sollen eine verpflichtende und validierte EU-Repräsentanz mit klar definierten Verantwortlichkeiten vorweisen.