Automatisieren und Digitalisieren – das ist auch für mittelständische CNC-Lohnfertiger das Mittel, um in Zukunft in Deutschland erfolgreich zu sein. Ein Beispiel wie das funktionieren kann, ist die Maschinenbau Strunk GmbH.
Wolfgang KlingaufWolfgangKlingauf
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Strunk nutzt das Werkzeugvoreinstellgerät Haimer Microset UNO automatic drive 20/40, um Längen und Durchmesser der Werkzeuge vollautomatisch zu messen. Die Soll-Werte erhält das Gerät aus der WinTool-Software. Über die bidirektionale Schnittstelle werden die Ist-Daten anschließend zurückgeschrieben.Haimer)
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Die Strunk GmbH
ist ein CNC-Lohnfertiger mit rund 45 Mitarbeitern, spezialisiert auf schwer
zerspanbare Werkstoffe und komplexe Bauteile. Geschäftsführer Patrick Panthel
betont: „Unsere Aufträge beginnen häufig da, wo sich andere Zerspaner
zurückhalten. Dementsprechend ist unsere Fertigung mit modernsten Maschinen zum
5-Achs-Fräsen und Drehfräsen ausgestattet. Die meisten davon sind automatisiert,
so dass wir sehr flexibel und in der dritten Schicht mannlos fertigen können.“
Der Hightech-Maschinenpark
besteht aus über 30 CNC-Dreh-, -Fräs-, -Bohr- und -Schleifmaschinen, mit denen
das nach DIN ISO 9001 zertifizierte Unternehmen Bauteile aus Aluminium, Stahl,
Titan und anderen schwer zerspanbaren Werkstoffen produziert – in Stückzahlen
vom Prototyp bis zur Großserie. „Die Qualität unserer Bauteile spielt eine
wichtige Rolle“, betont Patrick Panthel. „Wir gewährleisten sie über unsere
eigene Qualitätssicherung mit hochwertigen 3D-Messmaschinen. Um sie zu
erzeugen, sind jedoch die Maschinen und nicht zuletzt die Werkzeuge
ausschlaggebend.“
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Moritz Panthel,
Sohn des Geschäftsführers, ist für Werkzeugeinkauf und -verwaltung zuständig. Mit
Begeisterung berichtet er davon, wie Strunk das gesamte Werkzeugmanagement neu
aufgestellt und nahezu durchgängig digitalisiert hat: „Wir sind damit auf dem
Weg zu Industrie 4.0 ein gutes Stück vorangekommen und profitieren vielfältig
von diesem Projekt. Wir wissen jetzt genau, wo sich welches Werkzeug befindet,
sparen Rüstzeiten ein und haben die Prozesssicherheit deutlich erhöht.“
Eine neue Struktur
fürs Werkzeugmanagement
Die auf dem Haimer Microset UNO automatic drive gemessenen Werkzeugdaten lassen sich von WinTool direkt ins CAD/CAM-System importieren, so dass die Programmierer mit Ist-Daten arbeiten können.Haimer)
Den Anfang machte
schon vor rund zehn Jahren die Einführung des Werkzeugausgabesystems Toolbase,
mit dem Strunk seine Werkzeuge lagermäßig verwaltet, Bestände abfragt und Nachbestellungen
einleitet. Angesichts des Unternehmenswachstums stand 2024 im Werkzeugbereich eine
Kapazitätserweiterung an. Moritz Panthel erklärt: „Wir haben bei uns inzwischen
etwa 2200 Werkzeuge in den Magazinen an den Maschinen. Außerdem befinden sich noch
zirka 3000 Artikel in den Toolbase-Automaten. Ohne digitale Unterstützung ist
es schwer, den Überblick zu behalten, wo sich welches Werkzeug befindet und
wann es auf welcher Maschine gebraucht wird. Insofern bot es sich an, mit der
Erweiterung des Ausgabesystems das gesamte Werkzeugmanagement neu zu
strukturieren.“
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Bei der Suche nach
einem geeigneten Partner, war für Moritz Panthel schnell klar, dass er mit Haimer
zusammenarbeiten möchte. „Zum einen kennen wir das Unternehmen und die Qualität
seiner Produkte von zahlreichen, bei uns im Umlauf befindlichen
Werkzeugaufnahmen. Zum andern wollten wir auf jeden Fall ein Microset-Werkzeugvoreinstellgerät
von Haimer, da wir diesen Hersteller für technisch führend erachten.“
Ein weiteres
Entscheidungskriterium war, dass Haimer zum Microset-Voreinstellgerät UNO 20/40
auch die Daten- und Werkzeugverwaltungssoftware WinTool anbietet. „Dieses
System ist genau das, was wir brauchen“, sagt Moritz Panthel. „Damit können wir
die digitalen Zwillinge unserer Werkzeuge, aber auch Betriebsmittel,
Maschinenprogramme, Prozesse, Stammdaten etc. übersichtlich verwalten.“ Dass Haimer
mit 25 Prozent an der WinTool AG beteiligt ist, war für den
Werkzeugverantwortlichen ein zusätzlicher Pluspunkt: „Das gibt uns die Sicherheit,
dass Haimer auch im Softwarebereich Entwicklungen vorantreibt.“ Und nicht
zuletzt sei es von Vorteil, dass das vorhandene Ausgabesystem Toolbase ebenfalls
zum Haimer Lieferprogramm gehört. „Somit haben wir das komplette
Digitalisierungspaket für den Werkzeugbereich aus einer Hand“, freut sich
Moritz Panthel.
WinTool –
zentrales Element der Fertigung
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Inzwischen ist WinTool
bei Strunk zum Dreh- und Angelpunkt der Werkzeugverwaltung und zu einer
zentralen Software in der Fertigung geworden, was vor allem seiner guten
Vernetzbarkeit zuzuschreiben ist. Die Software bietet Schnittstellen zum
Microset-Voreinstellgerät, zum Toolbase-System, zur CAD/CAM- und auch zur ERP-Software,
die Strunk Mitte 2025 in Betrieb nahm.
„Wir haben –
ausgehend vom Werkzeugbereich – die Prozesse in der Fertigung komplett neu
strukturiert“, betont Moritz Panthel. Den Startpunkt setzt die Eingabe des
Fertigungsauftrags ins ERP-System. Betrifft er die Kostenstelle „Fräsen“, wird
er an die WinTool-Software übergeben, die unter anderem auf den Rechnern im CAD/CAM-Büro
läuft und Daten mit dem CAD/CAM-System austauschen kann. „Wenn wir in WinTool ein
digitales Werkzeug öffnen, sehen wir die tatsächlichen Ausspannlängen,
Störkonturen etc. Die Daten lassen sich direkt ins CAD/CAM-System importieren,
so dass wir mit den Werkzeugen genauso programmieren können, wie sie
letztendlich auf der Maschine sind. Das vermeidet Verwechslungen und
letztendlich Kollisionen.“ Abschließend wird in WinTool ein digitales
Datenblatt erstellt, das alle an der Maschine benötigten Werkzeuge enthält. Es
wird zusammen mit dem Auftrag in die Fertigung weitergereicht.
Der Blick in diesen Toolbase Ausgabeschrank zeigt die nummerierten Lagerplätze mit zusammengebauten Werkzeugen. Diese sind auf dem Haimer Microset Voreinstellgerät UNO automatic drive 20/40 vermessen und als digitaler Zwilling in WinTool auf den Lagerplatz gebucht.Haimer)
Zum Rüsten der
Maschine generiert sich der Bediener aus WinTool eine Netto-Beladeliste, die
alle neu ins Magazin zu ladenden Werkzeuge enthält. Hilfreich ist hierbei, dass
WinTool jedes physische Komplett-Werkzeug eindeutig mit seinem Lagerplatz
identifizieren kann. Müssen die Werkzeuge erst zusammengebaut werden, erhält
der Bediener aus WinTool die erforderlichen Daten inklusive der erlaubten
Toleranzen. Abschließend gleicht er diese mit dem Voreinstellgerät Haimer
Microset UNO ab und druckt die exakten Maße auf einen Aufkleber, der das
Werkzeug auf dem Weg zur Maschine begleitet. „Die gemessenen Daten werden aber
auch in die WinTool-Datenbank eingespielt, wo sie jederzeit abgerufen werden
können“, sagt Moritz Panthel.
„Die Eingabe der
Werkzeugdaten in die Maschine haben wir derzeit noch manuell belassen, denn der
Umstellungsprozess ist noch nicht ganz abgeschlossen“, erklärt der
Werkzeugverantwortliche. Es ist ihm durchaus bewusst, dass das Voreinstellgerät
Microset UNO automatic drive die Daten über einen Postprozessor direkt auf die
Maschine schreiben könnte. „Aber erst müssen wir die anderen Aufgaben
abschließen. Dann setzen wir solche Maßnahmen als Tüpfelchen aufs i.“ Zunächst
müssen alle Werkzeuge und Aufnahmen digitalisiert und mit einem eingelaserten Data-Matrix-Code
eineindeutig gekennzeichnet sein. „Einen Teil davon haben wir erledigt. Aber
wir haben große Bestände, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Moritz
Panthel.
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Benjamin Dombrowe,
für Strunk zuständiger Technischer Verkaufsrepräsentant bei Haimer, erklärt, dass
Haimer den Digitalisierungsaufwand reduzieren hilft: „Inzwischen haben wir für
unsere Werkzeugaufnahmen sämtliche Parameter, Step- und DXF-Daten gemäß DIN
4000 bzw. ISO 13399 aufbereitet. Die Daten sind auf unserer Website und der
Datenplattform Tooltracer für jeden Kunden zugänglich und downloadbar. Außerdem
liefern wir seit Anfang 2025 alle Werkzeugaufnahmen mit einer Unique ID aus –
in Form eines eingelaserten, eineindeutigen Data-Matrix-Codes, der jegliche
Verwechslung ausschließt.“
Digitalisierung
braucht Zeit, zahlt sich aber aus
„Noch ist unser
Umstrukturierungsprozess nicht abgeschlossen. Aber wir sehen bereits sehr positive
Entwicklungen“, berichtet Moritz Panthel. „Durch die Investition in das Haimer Voreinstellgerät
Microset UNO automatic drive 20/40 können wir unsere Werkzeuge nicht nur präzise
vermessen. Wir können auch aus WinTool heraus die Sollwerte für Länge und
Durchmesser einlesen und mit den tatsächlichen Ist-Werten abgleichen. So
stellen wir sicher, dass die Werkzeuge richtig zusammengebaut wurden und wir
auf der Maschine keine Kollisionsgefahr haben.“
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Ein weiterer
Vorteil: Durch WinTool sind die Verantwortlichen in der Lage, die
zusammengebauten Werkzeuge als digitale Zwillinge zu führen und diese
lagermäßig zu verwalten. Dies funktioniert bei Strunk inzwischen papierlos. Jeder
Fertigungsmitarbeiter besitzt ein Tablet, das neben dem ERP-System und artikelbezogenen
Dokumententaschen auch die WinTool-Web-App enthält. Über einen Scan-Prozess mit
dem aufgelaserten Data-Matrix-Code kann er sämtliche Werkzeuge auf Lagerplätze,
Werkzeugwagen oder Maschinen buchen. „Das hat den Vorteil, dass wir zu jedem
Zeitpunkt wissen, wo das Werkzeug ist und welche Standzeit es hat“,
argumentiert Moritz Panthel.
Rechnen sich die
Investitionen und der Digitalisierungsaufwand? Bei Strunk sind die
Verantwortlichen davon überzeugt. „Einen Break-Even-Point können wir zwar nicht
errechnen, denn dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle, die sich nicht
monetär bestimmen lassen“, fasst Moritz Panthel zusammen. „Die
Prozessverbesserungen zum Beispiel, schnelleres Rüsten, reduzierte Fehler und
Maschinenstillstandszeiten, die genaue Kontrolle über die verfügbaren
Werkzeuge, das alles spart im Endeffekt Geld und trägt zum Return-of-Investment
bei. In Zahlen und Zeiten ausdrücken, lässt sich das allerdings nicht.“
Leistungsstarker CNC-Lohnfertiger
Die
Maschinenbau Strunk GmbH wurde 1972 von Manfred Strunk gegründet und 2012 seiner
Tochter Simone Panthel übergeben. Unter der Geschäftsleitung ihres Mannes Patrick
Panthel konzentriert sich das Unternehmen auf anspruchsvolle Aufträge aus den
Bereichen CNC-Fertigung, Werkzeugbau, Lehrenbau sowie Komplett- oder
Sonderlösungen. Zu den Kunden zählen internationale Unternehmen vorwiegend aus der
Öl- und Gasindustrie, dem Maschinenbau und dem Defense-Bereich. Strunk
beschäftigt rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf einer Fläche von
2.200 m² einen Umsatz von etwa 7,5 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaften.