Grüner Stahl im industriellen Umbau

Das steckt hinter dem Umbau der Stahlindustrie

Grüner Stahl soll die CO2-Emissionen der deutschen Stahlindustrie deutlich reduzieren. Allein an der Saar fließen Milliarden in neue Anlagen. Doch Kosten, Wasserstoffversorgung und Importe bleiben zentrale Hürden.

Milliardeninvestitionen, Wasserstoff und neue Anlagen treiben den Umbau der Stahlindustrie.
Milliardeninvestitionen, Wasserstoff und neue Anlagen treiben den Umbau der Stahlindustrie.

  • Die Stahl-Holding-Saar treibt in Dillingen und Völklingen die Umstellung auf eine CO2-reduzierte Stahlproduktion voran.

  • Die Transformation an der Saar kostet rund 4,6 Mrd. EUR, davon tragen Bund und Land 2,6 Mrd. EUR.

  • Direktreduktionsanlagen sollen Kohle und Koks zunächst durch Erdgas und später durch Wasserstoff ersetzen.

  • Hohe Wasserstoff- und Stromkosten sowie günstige Stahlimporte erschweren die Wettbewerbsfähigkeit von grünem Stahl.

Die deutsche Stahlindustrie steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Weg von Kohle und Koks, hin zu Wasserstoff und einer deutlich CO2-ärmeren Produktion: Im Saarland nimmt diese Transformation bereits konkrete Formen an. Wie aus der Meldung der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht, belaufen sich die Investitionen an der Saar auf rund 4,6 Mrd. EUR.

Bund und Land fördern das Vorhaben mit insgesamt 2,6 Mrd. EUR. Den verbleibenden Betrag tragen die beteiligten Unternehmen selbst. Neben der Stahl-Holding-Saar arbeiten auch große Stahlproduzenten wie Thyssenkrupp in Duisburg und die Salzgitter AG in Niedersachsen an entsprechenden Umstellungsprojekten.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) besucht im Rahmen dieser Transformation die saarländische Stahlindustrie. In der Dillinger Hütte in Dillingen nimmt er an einer Veranstaltung der Stahl-Holding-Saar teil und soll laut Kanzleramt eine Rede halten.

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Was macht grünen Stahl aus?

Als „grün“ wird Stahl meist dann bezeichnet, wenn bei seiner Herstellung möglichst klimafreundlich erzeugter Wasserstoff anstelle von Kohlenstoff eingesetzt wird. Der dafür benötigte Wasserstoff wird aus erneuerbaren Energien wie Windkraft oder Solarstrom gewonnen.

Eine Schlüsselrolle übernehmen dabei sogenannte Direktreduktionsanlagen. In ihnen kann Wasserstoff die in klassischen Hochöfen eingesetzte Kohle beziehungsweise den Koks ersetzen. Der Wasserstoff dient dazu, dem Eisenerz Sauerstoff zu entziehen. Fällt bei diesem Produktionsprozess kein klimaschädliches Kohlendioxid an, wird der produzierte Stahl als „grün“ bezeichnet.

Welche Rolle übernimmt Wasserstoff bei grünem Stahl?

Wasserstoff ist ein zentraler Baustein der neuen Produktionsroute. Anders als klassische Hochöfen erzeugen Direktreduktionsanlagen allerdings kein flüssiges Roheisen. Stattdessen entsteht fester Eisenschwamm. Dieser muss anschließend eingeschmolzen werden, bevor die Weiterverarbeitung zu Stahl erfolgen kann.

Ein weiterer Unterschied betrifft das Nebenprodukt des Prozesses: Statt CO2 entsteht bei der Nutzung von Wasserstoff Wasser.

Welches Potenzial die Umstellung bietet, zeigt das Saarland. Die neuen Anlagen in Dillingen und Völklingen sollen die CO2-Emissionen bis Anfang der 2030er Jahre um bis zu 55 % beziehungsweise 4,8 Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren. Für 2045 ist CO2-Neutralität vorgesehen.

Der Übergang erfolgt schrittweise. Zu Beginn soll in den Anlagen Erdgas zum Einsatz kommen, später Wasserstoff.

Wo liegen die wirtschaftlichen Hürden für grünen Stahl?

Die technologische Umstellung allein löst die wirtschaftlichen Herausforderungen nicht. Wasserstoff ist derzeit deutlich teurer als fossile Alternativen. Experten gehen zwar von sinkenden Kosten aus. Dennoch werde grüner Wasserstoff voraussichtlich auch 2030 noch mindestens doppelt so teuer sein wie grauer Wasserstoff, der aus Erdgas hergestellt wird.

Damit bleibt auch grüner Stahl deutlich teurer als konventionell produzierter Stahl. Experten stellen deshalb selbst bei staatlicher Förderung die Wirtschaftlichkeit einer CO2-reduzierten Stahlproduktion infrage.

Hinzu kommt die Verfügbarkeit des Energieträgers. Grüner Wasserstoff steht derzeit noch nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Damit treffen hohe Kosten auf eine weiterhin begrenzte Versorgung.

Eine weitere Herausforderung sind günstige Stahlimporte aus dem außereuropäischen Ausland. Dieser Stahl wird häufig unter weniger strengen Umweltauflagen produziert und erhöht damit den Wettbewerbsdruck auf die heimischen Hersteller.

Wie soll grüner Stahl wettbewerbsfähiger werden?

Die EU-Kommission hat zum Schutz der heimischen Stahlindustrie mit Wirkung zum 1. Juli eine Verordnung erlassen. Sie soll den europäischen Stahlmarkt vor Billigstahl-Importen schützen. Vorgesehen ist, entsprechende Importe zu begrenzen und teilweise zu verteuern.

Darüber hinaus fordert die Industrie wettbewerbsfähige Strompreise. Gerade für den Umbau der Produktionsprozesse bildet der Energiepreis damit einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor.

Ein weiterer Ansatz sind sogenannte grüne Leitmärkte. Öffentliche Aufträge sollen gezielt Nachfrage nach CO2-reduziertem Stahl schaffen. Als Beispiel wird der Einsatz beim Bau im Schienennetz genannt. Auf diese Weise soll neben dem Aufbau neuer Produktionskapazitäten auch ein Markt für den teureren, CO2-reduzierten Stahl entstehen.

Mit Material von dpa.

Was Sie zum Thema grüner Stahl wissen müssen

  • Was ist grüner Stahl? Als grüner Stahl wird meist Stahl bezeichnet, der mit möglichst klimafreundlich erzeugtem Wasserstoff statt Kohlenstoff hergestellt wird.

  • Welche Rolle spielt Wasserstoff für grünen Stahl? Wasserstoff kann in Direktreduktionsanlagen Kohle und Koks ersetzen und ermöglicht damit eine deutliche Reduzierung der CO2-Emissionen.

  • Wie viel kostet der Umbau für grünen Stahl im Saarland? Die Transformation kostet rund 4,6 Mrd. EUR. Bund und Land fördern das Vorhaben mit 2,6 Mrd. EUR.

  • Wie stark soll grüner Stahl die CO2-Emissionen an der Saar senken? Die neuen Anlagen in Dillingen und Völklingen sollen die Emissionen bis Anfang der 2030er Jahre um bis zu 55 % beziehungsweise 4,8 Millionen Tonnen jährlich reduzieren.

  • Welche Hürden gibt es für grünen Stahl? Hohe Wasserstoffkosten, eine begrenzte Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff, Strompreise und günstige Stahlimporte erschweren die Wirtschaftlichkeit.