Wandel der Arbeitswelt

Berufestudie: 59 % arbeiten vor allem fürs Geld

Die Berufestudie des Versicherers HDI zeigt einen deutlichen Wandel in der Arbeitswelt: 59 % der Befragten arbeiten nur noch oder hauptsächlich des Geldes wegen. Auch der Einsatz von KI wird zwiespältig gesehen.

Arbeit verliert an Stellenwert: Die HDI-Berufestudie zeigt sinkende Jobidentifikation und gemischte Erwartungen an KI.
Arbeit verliert an Stellenwert: Die HDI-Berufestudie zeigt sinkende Jobidentifikation und gemischte Erwartungen an KI.

• 59 % der Befragten arbeiten nur noch oder hauptsächlich wegen des Geldes – 17 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

• 54 % der 15- bis 54-Jährigen würden die berufliche Arbeit möglichst schnell aufgeben, wenn sie finanziell nicht darauf angewiesen wären.

• Die Yougov-Umfrage für die HDI-Berufestudie basiert auf 3.844 Erwerbstätigen, die vom 10. Juni bis 3. Juli befragt wurden.

• KI verspricht aus Sicht eines Teils der Beschäftigten Entlastung und Produktivitätsgewinne, zugleich erwarten 42 % einen Stellenabbau durch die Technologie.

Warum verliert Arbeit laut Berufestudie an Stellenwert?

Die Identifikation vieler Menschen in Deutschland mit ihrer beruflichen Tätigkeit nimmt offenbar ab. Das geht aus einer Yougov-Umfrage für die neue Ausgabe der alljährlichen Berufestudie des Versicherers HDI hervor. Demnach arbeiten 59 % der Befragten nur noch oder hauptsächlich des Geldes wegen.

Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 17 Prozentpunkte. Zugleich liegt der Anteil laut Studie fast doppelt so hoch wie vor der Corona-Pandemie im Jahr 2019.

Auch die Bereitschaft, auf Erwerbsarbeit vollständig zu verzichten, ist ausgeprägt. In der Altersgruppe von 15 bis 54 Jahren erklärten 54 %, dass sie so schnell wie möglich mit der beruflichen Arbeit aufhören würden, wenn sie finanziell nicht mehr darauf angewiesen wären. Bei den 55- bis 64-Jährigen liegt der Anteil mit 63 % noch höher.

Was zeigt die Berufestudie beim Wertewandel?

Im vergangenen Jahr waren sowohl ältere als auch jüngere Befragte noch erheblich motivierter gewesen. Bei den älteren Beschäftigten war dies im Vergleich sogar noch etwas stärker ausgeprägt. Nach Einschätzung der Auftraggeber schwindet der bislang hohe Stellenwert des Berufs in den älteren Jahrgängen deutlich stärker als in anderen Altersgruppen.

"Die Ergebnisse zeigen einen spürbaren Wertewandel in der Einstellung zur Arbeit", sagte Holm Diez, Vorstandsmitglied bei HDI Deutschland.

Gleichzeitig zeigt die Untersuchung ein differenziertes Bild. In der Altersgruppe bis 54 Jahre erklärte eine Mehrheit von 54 %, dass ein Leben ohne Arbeit für sie nicht vorstellbar sei.

Für die Berufestudie befragte Yougov vom 10. Juni bis 3. Juli insgesamt 3.844 Erwerbstätige. Die Ergebnisse sind nach Angaben von HDI sowohl für Deutschland insgesamt als auch für die einzelnen Bundesländer repräsentativ.

KI wird zum zweischneidigen Schwert

Ein weiterer Schwerpunkt der Berufestudie ist Künstliche Intelligenz. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, löst die Technologie in der arbeitenden Bevölkerung gemischte Erwartungen aus.

Jeweils ein mehr oder weniger gutes Viertel der Befragten erwartet oder erlebt bereits positive Auswirkungen in drei Bereichen: bei der Entlastung von Routinearbeiten, bei besseren persönlichen Arbeitsergebnissen sowie bei einer höheren Produktivität.

Dem stehen Sorgen um Arbeitsplätze gegenüber. 42 % rechnen damit, dass der Einsatz von KI einen Stellenabbau nach sich ziehen wird. 9 % geben an, diese Erfahrung im eigenen Umfeld bereits gemacht zu haben.

Welche Berufe gelten durch KI als besonders gefährdet?

Bei der Frage, welche Tätigkeiten besonders durch KI gefährdet sein könnten, zeigt die Berufestudie zwar keinen umfassenden Konsens, aber eine erkennbare Richtung. 41 % der Befragten glauben, dass die Technologie menschliche Entwickler in der Informationstechnologie überflüssig machen könnte.

Dahinter folgen Finanz- und Steuerberater mit 38 %, Tätigkeiten in Werbung und Marketing mit 36 % sowie Verwaltungsangestellte mit 35 %.

Deutlich anders fällt die Einschätzung bei Köchen und Köchinnen aus. Lediglich 3 % der Befragten glauben, dass KI Männer oder Frauen am Herd ersetzen kann.

Mit Material der dpa

Was Sie zum Thema Berufestudie wissen müssen

• Was ist das zentrale Ergebnis der Berufestudie? – 59 % der Befragten arbeiten nur noch oder hauptsächlich des Geldes wegen. Das sind 17 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

• Was sagt die Berufestudie über ein Leben ohne Arbeit? – 54 % der 15- bis 54-Jährigen würden möglichst schnell auf berufliche Arbeit verzichten, wenn sie finanziell nicht mehr notwendig wäre. Bei den 55- bis 64-Jährigen sind es 63 %.

• Wie wurde die Berufestudie durchgeführt? – Yougov befragte vom 10. Juni bis 3. Juli insgesamt 3.844 Erwerbstätige. Laut HDI sind die Ergebnisse für Deutschland und die einzelnen Bundesländer repräsentativ.

• Welche Auswirkungen von KI zeigt die Berufestudie? – Beschäftigte erwarten unter anderem Entlastung bei Routinearbeiten und höhere Produktivität. Gleichzeitig rechnen 42 % mit Stellenabbau durch KI.

• Welche Berufe gelten laut Berufestudie als besonders KI-gefährdet? – 41 % nennen IT-Entwickler, gefolgt von Finanz- und Steuerberatern mit 38 %, Werbung und Marketing mit 36 % sowie Verwaltungsangestellten mit 35 %.