Deutschland und UK kooperieren

Cyberabwehr: Mehr Austausch gegen hybride Angriffe

Deutschland und Großbritannien bauen ihre Cyberabwehr aus. Mit einer engeren Zusammenarbeit gegen Cyberangriffe, Sabotage und hybride Bedrohungen wollen beide Staaten ihre Infrastruktur, Unternehmen und Sicherheit schützen.

Symbolbild: Eine abstrakte KI-Figur greift mit roten Datenströmen einen digitalen Schutzschild vor Servern und Finanzinfrastruktur an.
Wie stärken Deutschland und Großbritannien ihre Cyberabwehr? Ein neuer Sicherheitspakt soll hybride Angriffe und Sabotage bekämpfen.

  • Deutschland und Großbritannien intensivieren ihre Zusammenarbeit bei der Cyberabwehr und der Bekämpfung hybrider Bedrohungen.

  • Beim Treffen von Bundeskanzler Friedrich Merz und Premierminister Andy Burnham in Berlin tritt der Kensington-Vertrag von 2025 in Kraft.

  • Ein verstärkter Informationsaustausch sowie koordinierte Überwachungs- und Abschreckungsmaßnahmen sollen feindliche Aktivitäten eindämmen.

  • Die Partnerschaft umfasst außerdem Wissenschaft, Technologie, Verteidigung, Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum.

Deutschland und Großbritannien wollen ihre gemeinsame Cyberabwehr deutlich stärken. Im Mittelpunkt stehen die Bekämpfung von Cyberangriffen, Sabotage und weiteren hybriden Bedrohungen. Das geht aus einer Mitteilung der britischen Regierung anlässlich des Besuchs von Premierminister Andy Burnham bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin hervor.

Beide Staaten setzen dabei auf eine engere sicherheitspolitische Abstimmung. Neben dem Schutz kritischer Infrastruktur sollen auch Unternehmen und demokratische Institutionen besser gegen feindliche Aktivitäten geschützt werden.

Wie wollen Deutschland und Großbritannien ihre Cyberabwehr stärken?

Die beiden Regierungen vereinbaren eine engere Partnerschaft zur Abwehr hybrider Bedrohungen. Im Mittelpunkt stehen ein intensiver Informationsaustausch und die Koordinierung gemeinsamer Maßnahmen zur Überwachung, Abschreckung und Unterbindung feindlicher Aktivitäten.

Beide Länder "verpflichten sich zu einer Partnerschaft zur Abwehr hybrider Bedrohungen, um gegen feindliche Aktivitäten vorzugehen, die Sicherheit und Wohlstand in unseren beiden Ländern bedrohen", teilte die Downing Street mit.

Dabei verweist die britische Regierung ausdrücklich auf die sicherheitspolitische Lage in Europa: "Die hybride Bedrohung durch unsere Gegner - insbesondere Russland - erstreckt sich über Europa und darüber hinaus und bedroht unsere gemeinsame Sicherheit."

Durch die abgestimmten Maßnahmen wollen Deutschland und Großbritannien insbesondere die Handlungsmöglichkeiten "feindlicher Akteure" einschränken.

Cyberangriffe auf Infrastruktur und Unternehmen im Fokus

Die sicherheitspolitische Zusammenarbeit richtet sich auch gegen Angriffe auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Strukturen. Neben staatlichen Einrichtungen stehen damit insbesondere Unternehmen und Infrastrukturen im Fokus der gemeinsamen Cyberabwehr.

Premierminister Andy Burnham unterstreicht die unmittelbaren Auswirkungen solcher Bedrohungen: "Angriffe auf unsere Infrastruktur, unsere Unternehmen und unsere Demokratien sind keine ferne Bedrohung. Sie reichen bis in die Wohnungen und Arbeitsplätze der Menschen hinein und sind darauf ausgelegt, uns schwächer und gespaltener zu machen."

Die beiden Regierungen wollen deshalb ihre Zusammenarbeit bei der Erkennung und Abwehr entsprechender Aktivitäten intensivieren.

Welche Bedeutung hat der Kensington-Vertrag für die Cyberabwehr?

Die engere Sicherheitskooperation ist Teil einer umfassenderen Neuausrichtung der deutsch-britischen Beziehungen. Beim Treffen in Berlin setzen Merz und Burnham den sogenannten Kensington-Vertrag offiziell in Kraft.

Dazu werden bei einer Zeremonie die Ratifizierungsurkunden ausgetauscht. Der deutsch-britische Freundschaftsvertrag wurde bereits im Juli 2025 beim ersten Großbritannien-Besuch von Friedrich Merz als Bundeskanzler unterzeichnet.

Mit dem 27 Seiten umfassenden Dokument stellen beide Staaten ihre bilateralen Beziehungen sechs Jahre nach dem britischen EU-Austritt auf eine neue Grundlage.

Ergänzt wird der Vertrag durch einen Aktionsplan mit 17 Punkten. Dieser sieht eine vertiefte Zusammenarbeit in mehreren strategisch wichtigen Bereichen vor, darunter Wissenschaft, Technologie, Verteidigung, Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum.

Wirtschaftliche Partnerschaft zwischen Deutschland und Großbritannien

Neben der Cyberabwehr und der sicherheitspolitischen Kooperation spielt die wirtschaftliche Zusammenarbeit eine zentrale Rolle in den Beziehungen beider Länder.

Nach Angaben der britischen Regierung ist Deutschland der zweitgrößte Handelspartner des Vereinigten Königreichs. Der wirtschaftliche Beitrag der Handelsbeziehungen wird auf rund 155 Milliarden Pfund beziehungsweise umgerechnet etwa 183 Milliarden EUR beziffert.

Auch das Verhältnis Großbritanniens zur Europäischen Union bleibt ein Thema. Burnham hatte zuletzt als erster britischer Regierungschef seit dem Brexit konkret die Möglichkeit einer Rückkehr in die EU angesprochen. Selbst bei einer Entscheidung für entsprechende Gespräche wäre der Weg zu einem erneuten Beitritt allerdings noch weit.

Mit dem Inkrafttreten des Kensington-Vertrags vertiefen Deutschland und Großbritannien zunächst ihre bilaterale Zusammenarbeit. Die gemeinsame Cyberabwehr und der Schutz vor hybriden Bedrohungen bilden dabei einen wichtigen Bestandteil der Partnerschaft.

Mit Material der dpa

Was Sie zum Thema Cyberabwehr wissen müssen

  • Wie stärken Deutschland und Großbritannien ihre Cyberabwehr? – Beide Länder intensivieren den Informationsaustausch und koordinieren Maßnahmen zur Überwachung, Abschreckung und Unterbindung hybrider Bedrohungen.

  • Welche Bedrohungen stehen bei der gemeinsamen Cyberabwehr im Mittelpunkt? – Im Fokus stehen Cyberangriffe, Sabotage und weitere hybride Aktivitäten, die Unternehmen, Infrastruktur und demokratische Institutionen gefährden.

  • Welche Rolle spielt der Kensington-Vertrag für die Cyberabwehr? – Der deutsch-britische Freundschaftsvertrag schafft eine neue Grundlage für die Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung, Technologie und Wirtschaft.

  • Wann wurde die Zusammenarbeit zur Cyberabwehr vereinbart? – Die engere Kooperation wurde anlässlich des Besuchs des britischen Premierministers Andy Burnham bei Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin angekündigt.

  • Welche wirtschaftliche Bedeutung hat die deutsch-britische Cyberabwehr-Partnerschaft? – Die Sicherheitskooperation ist Teil einer umfassenden Partnerschaft. Deutschland ist laut britischer Regierung der zweitgrößte Handelspartner des Vereinigten Königreichs.