Das Energiewende-Barometer 2026 fällt erneut ins Minus. Hohe Energiekosten belasten die Wettbewerbsfähigkeit, bremsen Investitionen und beschleunigen Produktionsverlagerungen.
Symbolbild zum Thema Deindustrialisierung, Personalabbau, Wegfall von Industriearbeitsplätzen usw.Oliver Boehmer - stock.adobe.com
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Summary: Die DIHK befragte im Juni 2026 rund 3.100 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Bauwirtschaft in Deutschland. Steigende Energiepreise belasten Investitionen, Innovationen und Klimaschutzmaßnahmen. Besonders große Industrieunternehmen reagieren mit Produktionsverlagerungen ins Ausland und fordern wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Rahmenbedingungen sowie einen schnelleren Ausbau der Infrastruktur.
Hohe Energiekosten bringen zahlreiche Unternehmen zunehmend an ihre Belastungsgrenze. Das zeigt das Energiewende-Barometer 2026 der IHK-Organisation, an dem sich rund 3.100 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen beteiligt haben.
„Globale Krisen treffen auf weiterhin ungelöste strukturelle Herausforderungen am Wirtschaftsstandort Deutschland. Das hält die Energiekosten hoch“, erklärt DIHK-Präsident Peter Adrian. „Die Folgen sind sinkende Wettbewerbsfähigkeit, aufgeschobene Investitionen und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland.“
Für knapp die Hälfte der befragten Unternehmen sind die Stromkosten innerhalb der vergangenen zwölf Monate erneut gestiegen. Bei Gas und Öl berichten sogar zwei Drittel der Betriebe von höheren Belastungen.
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Nach zwei Jahren der Erholung vom Tiefstand 2023 fällt das Energiewende-Barometer deshalb wieder in den negativen Bereich. Auf der Skala von minus 100 bis plus 100 erreicht es minus elf Punkte.
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Strom, Gas und Öl verteuern den Standort
Mehr als 40 % der Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende beziehungsweise die damit verbundenen Energiekosten beeinträchtigt. In der Industrie trifft dies auf rund zwei Drittel der Betriebe zu. Im Handel liegt der entsprechende Anteil bei 40 %.
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Die Ergebnisse zeigen, wie stark die Entwicklung der Energiepreise inzwischen auf den Wirtschaftsstandort Deutschland durchschlägt. Besonders energieintensive und produzierende Unternehmen stehen unter Druck, wenn die Kosten dauerhaft über dem international wettbewerbsfähigen Niveau liegen.
Die Auswirkungen betreffen dabei nicht nur die laufende Geschäftstätigkeit. Wie aus der Mitteilung der DIHK hervorgeht, geraten zunehmend auch Investitionsentscheidungen, Innovationsvorhaben und Maßnahmen zur Transformation der Unternehmen ins Stocken.
Wie Energiekosten Investitionen ausbremsen
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Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Investitionen in seine Kernprozesse. Jeder vierte Betrieb stellt Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen zurück, weil die notwendigen finanziellen Spielräume fehlen. Investitionen in Forschung und Innovation werden von 16 % der Unternehmen aufgeschoben.
„Es ist besorgniserregend, dass hohe Energiekosten inzwischen nicht nur die laufende Geschäftstätigkeit belasten, sondern auch Zukunftsinvestitionen verhindern“, sagt Adrian. „Wer heute nicht investiert, verliert morgen an Innovationskraft, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.“
Damit wirken sich die hohen Energiekosten unmittelbar auf die künftige Leistungsfähigkeit der Unternehmen aus. Werden Investitionen in Produktionsprozesse, Forschung oder Klimaschutz verschoben, verlangsamt sich zugleich die wirtschaftliche und technologische Transformation.
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Produktionsverlagerungen treffen die Industrie
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei der Einstellung wirtschaftlicher Aktivitäten in Deutschland und bei der Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland. Rund 20 % aller Unternehmen beschäftigen sich mit solchen Schritten, haben entsprechende Maßnahmen bereits umgesetzt oder befinden sich in der Umsetzung.
In der Industrie liegt der Anteil bei etwa 40 %. Bei großen Industrieunternehmen erreicht er sogar rund 60 %. Etwa ein Drittel der großen Industriebetriebe gibt an, Verlagerungsmaßnahmen bereits umzusetzen.
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„Die Unternehmen stehen hinter dem Ziel der Klimaneutralität. Gleichzeitig sehen sie sich mit Energiekosten konfrontiert, die im internationalen Wettbewerb zunehmend zum Nachteil werden“, sagt Adrian. „Die Kosten der Energiewende drohen der Transformation selbst im Weg zu stehen. Um aus dieser Abwärtsspirale herauszukommen, braucht es neue Ansätze in der Energiepolitik: weniger staatliche Detailsteuerung, mehr Markt und wettbewerbsfähige Energiepreise.“
Welche energiepolitischen Prioritäten Unternehmen setzen
Beim Blick auf die energiepolitischen Prioritäten steht für die Unternehmen der Ausbau der Infrastruktur an erster Stelle. Vier von fünf Unternehmen fordern mehr Priorität und Verlässlichkeit beim Ausbau der Energieinfrastruktur.
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Knapp drei Viertel der Befragten wünschen sich ein stärkeres finanzielles Engagement des Staates beim Aufbau einer zukunftsorientierten Infrastruktur. Eine Senkung der Steuern und Abgaben auf den Strompreis befürworten 78 % der Unternehmen.
Ebenfalls rund drei Viertel sind der Ansicht, dass Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit die Leitprinzipien der Energieeffizienzpolitik bilden sollten. Die Unternehmen verbinden ihre Forderungen damit sowohl mit konkreten Kostenentlastungen als auch mit grundlegenden Veränderungen bei Regulierung und Infrastrukturplanung.
„Die Unternehmen erwarten verlässliche Rahmenbedingungen, eine leistungsfähige Infrastruktur und international wettbewerbsfähige Energiepreise“, erklärt Adrian. „Das sind Grundvoraussetzungen dafür, dass Unternehmen in Deutschland investieren, Arbeitsplätze sichern und Innovationen vorantreiben. Wenn Energie dauerhaft teurer und die Regulierung enger ist als bei unseren internationalen Wettbewerbern, verlieren wir schrittweise Wertschöpfung und industrielle Substanz.“
Forderung nach schnellen Maßnahmen
Nach Einschätzung der DIHK sind nun schnelle Maßnahmen erforderlich, die den Unternehmen die Transformation erleichtern und gleichzeitig die Kosten senken. Dazu zählen eine sofortige Senkung der Stromsteuer für alle Unternehmen sowie klare Regelungen zur Beschleunigung von Netzanschlüssen und des Baus neuer Infrastruktur.
Darüber hinaus fordert die Organisation einen deutlichen Abbau von Regulierung. Die energiepolitischen Rahmenbedingungen sollen Investitionen ermöglichen und verhindern, dass Unternehmen weitere Wertschöpfung und Produktionskapazitäten aus Deutschland verlagern.
„Nur wenn Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam gedacht werden, kann die Transformation erfolgreich sein.“
Für das Energiewende-Barometer 2026 hat die DIHK im Juni 2026 rund 3.100 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Bauwirtschaft befragt. Die Ergebnisse sind regional und branchenbezogen gewichtet und nach Angaben der Organisation repräsentativ für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland. Das Barometer bildet die Einschätzung der Unternehmen zur Energiewende und zu deren wirtschaftlichen Auswirkungen ab.
mit Material des DIHK
𝐅𝐀𝐐 𝐳𝐮𝐦 𝐄𝐧𝐞𝐫𝐠𝐢𝐞𝐰𝐞𝐧𝐝𝐞-𝐁𝐚𝐫𝐨𝐦𝐞𝐭𝐞𝐫 𝟐𝟎𝟐𝟔
• Was zeigt das Energiewende-Barometer 2026? – Das Barometer fällt auf minus elf Punkte und zeigt eine zunehmende Belastung der Unternehmen durch hohe Energiekosten.
• Wie wirkt sich das Energiewende-Barometer 2026 auf die Industrie aus? – Rund zwei Drittel der Industriebetriebe sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Energiewende und Energiekosten beeinträchtigt.
• Welche Produktionsverlagerungen nennt das Energiewende-Barometer 2026? – Rund 40 % der Industrieunternehmen beschäftigen sich mit Verlagerungen oder haben entsprechende Maßnahmen begonnen. Bei großen Industrieunternehmen liegt der Anteil bei rund 60 %.
• Welche Investitionen betrifft das Energiewende-Barometer 2026? – Unternehmen verschieben Investitionen in Kernprozesse, Klimaschutzmaßnahmen sowie Forschung und Innovation.
• Welche Forderungen ergeben sich aus dem Energiewende-Barometer 2026? – Gefordert werden wettbewerbsfähige Energiepreise, eine leistungsfähige Infrastruktur, verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Regulierung.