Zwei Männer und zwei Frauen stehen an einem durchsichtigen Bildschirm und betrachten das Modell eines Autos

Die Automobilindustrie verändert sich stark und damit auch die Anforderungen an Bewerberinnen und Bewerber. (Bild: HQUALITY - stock.adobe.com)

Der Ingenieur testet ein Auto im virtuellen Windkanal, während seine Kollegin nebenan mit Datenexperten unterschiedliche Szenarien im Straßenverkehr auswertet. Das Ganze spielt sich ab, noch bevor es einen echten Prototyp des Fahrzeugs gibt. Trends wie E-Mobilität oder automatisiertes Fahren verändern die Automobilbranche und mit ihr die Arbeitswelt von Ingenieurinnen und Ingenieuren.

Neben technischen Aufgaben übernehmen sie oft Koordinationsaufgaben an der Schnittstelle zu anderen Abteilungen oder Auftraggebern, wie die Analyse von Jobangeboten für Ingenieure in der Automobilbranche zeigt. Arbeitgeber wünschen sich für ihre offenen Stellen erfahrene Fachkräfte, die nicht nur technisch versiert, sondern auch teamfähig und kommunikativ sind. Im Gegenzug locken sie mit vielen Extras.

Für den aktuellen Dekra Arbeitsmarkt-Report wurden 350 Stellenangebote für Ingenieure in der Automobilbranche analysiert. Die Stichprobe enthält die Suche nach Elektroingenieuren (64,6 Prozent) sowie Kandidatinnen und Kandidaten mit Spezialisierung auf Maschinen- und Fahrzeugbau (35,4 Prozent).

Tüftler und Organisationstalente sind gesucht

Bis ein neues Auto entwickelt ist, greifen unterschiedlichste Disziplinen ineinander. Ein komplexer Prozess, der koordiniert und abgestimmt werden muss. Drei von zehn der gesuchten Ingenieure übernehmen an ihrem neuen Arbeitsplatz Aufgaben im Anforderungsmanagement. Sie erheben an der Schnittstelle zwischen Auftraggeber und Entwicklung beispielsweise die Anforderungen, prüfen diese und stimmen sie im Team ab. Auch Betriebsorganisation und Kostenmanagement gehören zum Joballtag von fast einem Fünftel der zukünftigen Mitarbeitenden.

An jedem vierten Arbeitsplatz testen die gesuchten Ingenieurinnen und Ingenieure Fahrzeuge oder Komponenten. Entsprechende Erfahrung wird häufiger in Offerten für Elektroningenieure vorausgesetzt. Dabei dürfte es sich meist um das Zusammenspiel elektronischer Komponenten im Fahrzeug handeln. Immerhin sind in modernen Fahrzeugen sehr viele Sensoren verbaut, Tendenz stark steigend. Die Entwicklung hin zu elektrischen Antrieben macht sich in den Gesuchen deutlich bemerkbar: Für jede sechste Position benötigen Bewerberinnen und Bewerber entsprechendes Wissen. Zum Vergleich: Nur in sieben Gesuchen werden Aufgaben in der Entwicklung von Verbrennungsmotoren erwähnt.

Balken-Diagramm zu den häufigsten Aufgaben und Kompetenzen von Ingenieuren
Das Anforderungsmanagemen, Schnittstellenfunktionen und das Testing, sind die häufigsten Aufgaben der Ingenieurinnen und Ingenieure. (Bild: Dekra)

Welche IT-Kenntnisse Automotive-Ingenieure haben müssen

Für Beschäftigte in Ingenieurberufen gehören gewisse IT-Kenntnisse und Erfahrung mit bestimmten Programmiersprachen zum Job-Alltag. Sie müssen das Zusammenspiel zwischen Soft- und Hardware in Fahrzeugen verstehen und deren Architekturen auslegen können. Ebenso oft wünschen Arbeitgeber, dass Bewerbende die Programmiersprachen C und C++ beherrschen, die unter anderem im Bereich der Maschinensteuerung eingesetzt werden.

Fast jedes zehnte Anforderungsprofil enthält außerdem Python. Diese Programmiersprache kommt unter anderem zum Einsatz, wenn große Datenmengen im Spiel sind. Insgesamt finden sich spezifische IT-Kenntnisse fast doppelt so häufig in Offerten für Ingenieure der Elektrotechnik als für die Spezialisierung Maschinen- und Fahrzeugbau.

Balkendiagramm zur Frage welche IT-Kenntnisse Ingenieure benötigen
Zu den geforderten IT-Kenntnissen gehören auch Programmiersprachen wie C/C++ und Python. (Bild: Dekra)

Unterschiedliche Fachrichtungen befähigen für Position in der Automobilindustrie

Ein abgeschlossenes Studium ist im Ingenieurberuf selbstverständlich. Dennoch kommt bei nicht ganz jeder zehnten Position alternativ auch eine Techniker-Weiterbildung infrage (9,1 Prozent). Die Recruiter sind vergleichsweise flexibel, was das Studienfach anbelangt: In den Anforderungsprofilen nennen sie durchschnittlich 2,4 Fachrichtungen, die für eine Stelle infrage kommen.

Als Alternative zum Abschluss in Elektrotechnik kommen am häufigsten die Spezialisierungen Mechatronik, Informatik sowie Fahrzeugbau vor. Die Fachrichtung Fahrzeugtechnik findet sich oft kombiniert mit einem Studium der Elektrotechnik, Mechatronik oder Maschinenbau. Das zeigt: Zwischen den unterschiedlichen Ingenieursdisziplinen gibt es einige Schnittmengen.

Einschlägige Berufserfahrung ist bei vielen Positionen ein Muss. Gut jeder dritte Arbeitgeber setzt sie voraus (35,4 Prozent). Bei einem weiteren Viertel der offenen Positionen müssen Ingenieurinnen und Ingenieure schon lange in ihrem Beruf arbeiten, um in die engere Auswahl zu kommen (26,6 Prozent).

Ingenieure sollten teamfähig und strukturiert für komplexe Projekte sein

In der Fahrzeugentwicklung arbeiten interne und externe Fachkräfte mit unterschiedlichsten Spezialisierungen zusammen. Arbeitgeber legen deshalb besonderen Wert auf die Team- und Kommunikationsfähigkeit bei den Bewerbenden. Gleichzeitig sollten sie aber auch durchsetzungsfähig sowie service- und kundenorientiert sein.

Das sind Eigenschaften, die vermutlich vor allem diejenigen benötigen, die eine Schnittstellenfunktion innehaben. Andere der gewünschten Eigenschaften beziehen sich auf die Kernaufgaben von Ingenieurinnen und Ingenieuren, wie etwa eine strukturierte und analytische Denk- und Arbeitsweise.

Auffällig ist, dass Arbeitgeber in einem Umfeld, das sich mitten in einer Transformation befindet, nur selten Kreativität oder Lernbereitschaft verlangen (6,0 beziehungsweise 3,7 Prozent).

Balken-Diagramm zu den wichtigsten Skills von Ingenieuren
Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke sind auch bei Ingenieur:innen gefragt. (Bild: Dekra)

Arbeitgeber bieten viele Benefits für Beschäftigte im Automotive-Bereich

Jobsuchende mit den passenden Qualifikationen können einiges erwarten: Eine flexible Arbeitszeitgestaltung und die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, finden sich ganz oben auf der Liste (59,7 und 41,7 Prozent). Auch Gesundheits- und Fitnessangebote gehören bei vielen Arbeitgebern schon zum Standard (29,1 Prozent).

Unternehmen in der Automobilbranche legen zudem Wert auf eine familienfreundliche Arbeitskultur: An mehr als jedem fünften Arbeitsplatz kommen berufstätige Eltern in den Genuss von Kinderbetreuung. Arbeitgeber bieten angesichts der Fachkräfteengpässe zahlreiche Zusatzleistungen an, die auf die Work-Life-Balance ihrer Beschäftigten abzielen.

„Die Branche befindet sich mitten in einer Transformation. Beschäftigte benötigen nicht nur neue Fachkompetenzen, sondern teilweise auch ein anderes Mindset“, stellt Katrin Haupt, Geschäftsführerin der Dekra Akademie, fest. „Sie müssen sich in neue Technologien einarbeiten und zugleich an veränderte Herangehensweisen gewöhnen. Das ist eine große Herausforderung.“

Quelle: Dekra

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