Insolvenzen: Rettungsquote im Maschinenbau sinkt deutlich
Die Rettungsquote im Maschinenbau ist 2025 deutlich gesunken. Der Grund: Investoren werden bei Unternehmensübernahmen nach Insolvenzen zunehmend selektiver. Die Details.
Anja RingelAnjaRingelManaging editor and podcast host for 'Produktion'
Im Maschinenbau sinkt die Rettungsquote insolventer Großunternehmen deutlich, bei den Metallwarenherstellern verharrt sie auf niedrigem Niveau. Gerettet wird, wenn ein Unternehmen auf den Erwerber zugeschnitten ist.Markus Bormann - stock.adobe.com
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Summary: Falkensteg analysiert die Entwicklung der Großinsolvenzen im Maschinenbau und bei Metallwarenherstellern. Die Rettungsquote sinkt, während Investoren nur noch wirtschaftlich tragfähige Unternehmensteile übernehmen. Steigende Insolvenzen, längere Verfahren und Standortnachteile verschärfen den Strukturwandel in der Industrie.
Die Rettungsquote von Maschinenbauunternehmen, die 2025 einen Insolvenzantrag gestellt haben, liegt nach Angaben der Transformationsberatung Falkensteg bei 41,0 %. Im Vorjahr hatte sie noch 56,3 % betragen, 2022 sogar 73,1 %.
Bei den Metallwarenherstellern stieg die Quote zwar von 18,8 auf 29,9 %, dennoch bleibt die Branche besonders krisenanfällig. Mit 67 Verfahren führten die Metallwarenhersteller 2025 erstmals die Statistik der Großinsolvenzen an – rund 40 % mehr als im Vorjahr.
Für die Analyse berücksichtigt Falkensteg ausschließlich insolvente Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 10 Mio. EUR. Als gerettet gelten Unternehmen, die bis zum Stichtag 30. Juni des Folgejahres entweder an einen Investor verkauft oder über einen Insolvenzplan fortgeführt wurden.
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Wie aus der Mitteilung hervorgeht, wählen Investoren heute deutlich strenger aus als noch vor wenigen Jahren. Eine Fortführung ist nur dann realistisch, wenn tiefgreifende Sanierungsmaßnahmen bereits während des Insolvenzverfahrens umgesetzt wurden.
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„Die höhere Quote bei den Metallwarenherstellern ist keine Entwarnung, und der Rückgang im Maschinenbau ist kein Ausrutscher“, sagt Sebastian Wilde, Partner bei Falkensteg. „Der Markt unterscheidet heute sehr genau, welches Geschäftsmodell eine Zukunft hat. Kapazitäten, die strukturell überflüssig geworden sind, übernimmt niemand.“
Warum lassen sich Maschinenbauer häufiger retten?
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Trotz des Rückgangs bleibt die Rettungsquote im Maschinenbau überdurchschnittlich hoch. Der Grund liegt laut Falkensteg in den Vermögenswerten, die bei einem Asset Deal übernommen werden können.
Patente, Konstruktionsdaten, Kundenbeziehungen, Service- und Ersatzteilgeschäft sowie werthaltige Maschinenparks lassen sich vergleichsweise einfach übertragen oder verlagern.
Bei Metallwarenherstellern ist die Situation anders. Dort sind die Vermögenswerte häufig an kapitalintensive Produktionsanlagen und den jeweiligen Standort gebunden. Schmelz-, Gieß- oder Umformanlagen lassen sich kaum verlagern. Zusätzlich erschweren Boden- und Grundwasserrisiken, Emissionsgenehmigungen oder Rückbauverpflichtungen mögliche Übernahmen. Da die Produktion zugleich energie- und kapitalintensiv ist, entstehen während eines Insolvenzverfahrens hohe laufende Kosten.
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„Die Rettungsquote wird damit zum Seismografen des Strukturwandels“, sagt Wilde. „Wo Technologie, Kundenbasis und Kostenstruktur stimmen, bleiben Fortführungen möglich. Wo die industrielle Logik fehlt, trennt der Markt härter denn je.“
Wie verändert sich die Rolle der Insolvenzverwalter?
Mit sinkenden Rettungsquoten und längeren Verfahren verändert sich nach Einschätzung von Sebastian Wilde auch das Berufsbild der Insolvenzverwalter. Die durchschnittliche Verfahrensdauer stieg von 151 Tagen im Jahr 2018 auf 200 Tage im Jahr 2025.
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Nach Einschätzung des Transformationsexperten reicht die reine Verwaltung eines Verfahrens nicht mehr aus. Stattdessen seien operative Eingriffe in Geschäftsmodell, Kostenstruktur und Kapazitäten erforderlich.
Wie das Unternehmen mitteilt, wurden entsprechende Maßnahmen früher häufig erst nach einer Übernahme umgesetzt. Da die Investorenbereitschaft in den vergangenen zwei Jahren jedoch zurückgegangen sei, müssten diese Schritte bereits im laufenden Verfahren erfolgen.
„Der Verwalter muss das Unternehmen aktiv auf einen Erwerber zuschneiden, nicht verwertbare Teile abtrennen und dann den überlebensfähigen Kern verkaufen“, sagt Wilde.
Nach Angaben von Falkensteg verschärfen auch die Standortbedingungen die Situation. Deutschland verzeichnete 2025 nur noch 548 ausländische Direktinvestitionsprojekte. Das ist das achte Minusjahr in Folge, der niedrigste Wert seit 2009 und 44 % weniger als 2019.
Als Ursachen nennt die Mitteilung hohe Industriestrompreise, Steuerbelastungen und Bürokratie. Hinzu kommt eine im internationalen Vergleich geringere Rendite. Die EBIT-Marge deutscher Maschinenbauer liegt demnach rund sieben Prozentpunkte unter der der US-Wettbewerber. Die Kapitalrendite beträgt 12,8 % gegenüber 17,4 % in den USA.
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Nach dem dritten Rezessionsjahr in Folge erwartet der VDMA für 2026 ein Nullwachstum. Gleichzeitig sank die Kapazitätsauslastung im April 2026 auf 77,8 % und liegt damit deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85,6 %.
„Niemand investiert in Kapazität, die schon jetzt brachliegt“, so Wilde.
Wie entwickeln sich Insolvenzen und Werksschließungen?
Im ersten Halbjahr 2026 registrierte Falkensteg 22 Insolvenzanträge im Maschinenbau. Das entspricht einem Plus von 22,2 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei den Metallwarenherstellern wurden 27 Anträge gezählt, ein Anstieg um 8,0 % und nahezu doppelt so viel wie im Fünfjahresmittel.
Nach Angaben der Analyse erklärt sich das vergleichsweise moderate Wachstum vor allem durch den hohen Basiseffekt des Jahres 2025.
Als weiterer Frühindikator gelten Werksschließungen. Bis Ende 2027 wurden im Maschinenbau, bei Metallwarenherstellern und Gießereien 21 vollständige Standortschließungen öffentlich bekannt gemacht. Davon sind 13 bereits umgesetzt, acht weitere beschlossen oder angekündigt. Besonders betroffen ist Baden-Württemberg mit neun der insgesamt 21 Schließungen. Als Gründe werden Kosten- und Wettbewerbsdruck, hohe Energiepreise, schwache Nachfrage sowie Produktionsverlagerungen ins europäische Ausland genannt.
Wo bleibt das Krisenrisiko besonders hoch?
Das höchste Krisenrisiko sehen die Analysten weiterhin bei den Metallwarenherstellern. Der Rückgang der Insolvenzanträge im ersten Quartal 2026 dürfte laut Falkensteg lediglich eine kurze Atempause sein. Aufgrund der niedrigen Rettungsquote enden Insolvenzverfahren dort überdurchschnittlich häufig mit einer Betriebsschließung.
Auch der Maschinenbau bleibt belastet. Nach der Automobilindustrie ist die Branche besonders stark vom US-Export abhängig. Rund 9 % der Bruttowertschöpfung entfallen auf das US-Geschäft. Rund 40 % der Maschinenbauer berichten bereits von einem messbaren Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit.
„Für 2026 erwarten wir keine breite Entspannung“, sagt Wilde. „Der Maschinenbau ist zyklisch schwach, aber im Kern intakt. Dort wird weiter gerettet, was technologisch etwas kann. Die Metallwarenhersteller stehen dagegen in einem strukturell schrumpfenden Markt. Dort endet die Insolvenz häufiger nicht mit einem Käufer, sondern mit der Schließung.“
Mit Material von Falkensteg.
FAQ Rettungsquote im Maschinenbau
• Warum sinkt die Rettungsquote im Maschinenbau? – Investoren übernehmen nur noch Unternehmen, deren Geschäftsmodell und Kostenstruktur bereits während des Insolvenzverfahrens erfolgreich saniert wurden.
• Warum ist die Rettungsquote bei Metallwarenherstellern niedriger als im Maschinenbau? – Produktionsanlagen sind häufig standortgebunden, kapitalintensiv und mit zusätzlichen Risiken verbunden, was Übernahmen erschwert.
• Welche Bedeutung hat die Rettungsquote im Maschinenbau? – Sie gilt laut Falkensteg als Indikator dafür, welche Unternehmen im Strukturwandel wirtschaftlich tragfähig bleiben.
• Welche Rolle spielen Insolvenzverwalter für die Rettungsquote im Maschinenbau? – Sie müssen Unternehmen bereits während des Verfahrens operativ sanieren und auf einen möglichen Erwerber ausrichten.
• Welche Entwicklung erwartet Falkensteg für die Rettungsquote im Maschinenbau? – Für 2026 wird keine breite Entspannung erwartet. Gerettet werden voraussichtlich weiterhin vor allem technologisch wettbewerbsfähige Unternehmen.