Konjunktur

Leichtes Plus, große Baustellen: Wirtschaft wächst 2025

Nach zwei Rezessionsjahren ist die deutsche Wirtschaft 2025 wieder leicht gewachsen. Destatis meldet ein Plus von 0,2 Prozent. Konsum und Staat stabilisieren die Konjunktur, während Industrie und Investitionen schwach bleiben. VDMA und DIW ordnen die Entwicklung ein.

Veröffentlicht Geändert
Die Wirtschaft ist leicht gewachsen und hat sich stabilisiert. Von einem Aufschwung kann allerdings keine Rede sein.

Die deutsche Wirtschaft hat 2025 einen vorsichtigen Schritt aus der Rezession gemacht. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach zwei Jahren wirtschaftlicher Schrumpfung bedeutet das zwar eine Stabilisierung – von einem kräftigen Aufschwung kann jedoch keine Rede sein.

Binnenwirtschaft trägt, Investitionen fehlen

Nach Destatis-Angaben wurde das Wachstum vor allem von der Binnenwirtschaft getragen. Sowohl die privaten Konsumausgaben als auch der staatliche Verbrauch legten zu und glichen damit Schwächen in anderen Bereichen aus. Demgegenüber entwickelten sich die Ausrüstungsinvestitionen weiterhin rückläufig. Auch der Außenhandel blieb ein Belastungsfaktor, unter anderem aufgrund verschärfter Handelsbedingungen und internationaler Unsicherheiten.

Diese Struktur des Wachstums ist aus Sicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) typisch für die aktuelle Phase. „Mit einem Plus von 0,2 Prozent ist die deutsche Wirtschaft 2025 zwar wieder gewachsen, die Erholung fällt aber deutlich schwächer aus als in vergangenen Aufschwungphasen“, ordnet Geraldine Dany-Knedlik, Konjunkturchefin des DIW Berlin, ein. Die Entwicklung zeige eine Stabilisierung, aber noch keinen Neustart.

Industrieproduktion bleibt rückläufig

Besonders deutlich wird die Zurückhaltung in der Industrie. Destatis weist für das Verarbeitende Gewerbe erneut eine sinkende Bruttowertschöpfung aus, wenn auch weniger stark als in den Vorjahren. Für industrielle Kernbranchen wie den Maschinen- und Anlagenbau bedeutet das weiterhin schwierige Rahmenbedingungen.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sieht darin keine konjunkturelle Momentaufnahme, sondern das Ergebnis struktureller Belastungen. Hohe Standortkosten wirkten zunehmend als Wettbewerbsnachteil, so VDMA-Präsident Bertram Kawlath. Steuern, Bürokratie, Energiepreise und Lohnnebenkosten bremsten Investitionen und Produktion – insbesondere im industriellen Mittelstand.

Wettbewerbsfähigkeit als Schlüsselfrage

Auch das DIW verweist auf strukturelle Faktoren, die das Wachstum dämpfen. Der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, der demografische Wandel sowie laufende Anpassungsprozesse in wichtigen Industriezweigen belasteten die wirtschaftliche Dynamik. Hinzu kämen externe Faktoren wie erhöhte US-Zölle auf deutsche Exporte, die sich in den schwachen Ausfuhrzahlen widerspiegeln.

Der VDMA fordert vor diesem Hintergrund konkrete wirtschaftspolitische Schritte. Eine frühere Umsetzung der für 2028 geplanten Unternehmenssteuersenkung könnte aus Sicht des Verbandes kurzfristig Entlastung schaffen und Investitionen ermöglichen. Zudem plädiert der Maschinenbauverband für einen stärkeren EU-Binnenmarkt und den Abbau verbliebener Handelshemmnisse innerhalb Europas.

Arbeitsmarkt und Standortdebatte

Während Destatis insgesamt eine stabile Beschäftigungslage ausweist, sieht der VDMA eine Verschiebung zulasten der Industrie. Die Beschäftigung in industriellen Bereichen nehme ab, während sie in staatsnahen Sektoren wachse. Um industrielle Wertschöpfung zu sichern, fordert der Verband sinkende Arbeitskosten durch Reformen der Sozialversicherungen sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle.

Gleichzeitig mahnt der VDMA zur Zurückhaltung bei zusätzlichen Belastungen, etwa in der laufenden Debatte um die Erbschaftsteuer. Unsicherheit wirke investitionshemmend, insbesondere für familiengeführte Industrieunternehmen.

Vorsichtiger Blick nach vorn

Trotz der anhaltenden Herausforderungen sehen die Konjunkturforscher des DIW Anzeichen für eine moderate Belebung. Hoffnung macht insbesondere die robuste Binnenwirtschaft. „Man kann durchaus vorsichtig optimistisch in das Jahr 2026 blicken“, so Dany-Knedlik. Sollten die bereits beschlossenen finanzpolitischen Maßnahmen ihre Wirkung entfalten, sei ein Wachstum von über einem Prozent möglich.

Die Destatis-Zahlen für 2025 markieren damit einen Wendepunkt – allerdings keinen Befreiungsschlag. Ob aus der Stabilisierung ein tragfähiger Aufschwung wird, hängt nach Einschätzung von Wirtschaft und Verbänden maßgeblich von Reformfortschritten und Investitionsimpulsen ab.

Quellen: Destatis, DIW, VDMA

Deutschlands Konjunktur auf einem Blick

Wie stark ist die deutsche Wirtschaft 2025 gewachsen? Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt stieg um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Welche Faktoren trugen zum Wachstum bei? Vor allem private Konsumausgaben und staatlicher Konsum stützten die Konjunktur.

Warum bleibt die Industrie schwach? Investitionszurückhaltung, hohe Standortkosten und eine schwache Auslandsnachfrage belasten die Industrieproduktion.

Wie beurteilt das DIW die Entwicklung? Das DIW sieht eine Stabilisierung nach zwei Rezessionsjahren, aber noch keinen kräftigen Aufschwung.

Welche strukturellen Probleme nennt das DIW? Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, demografischer Wandel und Anpassungsprozesse in Industriezweigen.

Was fordert der VDMA konkret? Steuerentlastungen, Bürokratieabbau, niedrigere Arbeitskosten und mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten.

Welche Rolle spielen Exporte? Exporte entwickelten sich schwach, unter anderem wegen erhöhter US-Zölle und internationaler Konkurrenz.

Wie sind die Aussichten für 2026? Bei wirksamen finanzpolitischen Maßnahmen hält das DIW ein Wachstum von über einem Prozent für möglich.