Geschäftsmann mit Tablette auf logistischem Netzwerk von LKW, Zug und Container-Frachtschiff

Der deutsche Export ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. (Bild: ipopba - stock.adobe.com)

Deutschlands Exporteure haben den Einbruch in der Coronakrise mit einem Rekordergebnis 2021 mehr als wett gemacht. Trotz Lieferengpässen stiegen die Warenausfuhren im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr kräftig um 14,0 Prozent auf den Bestwert von 1375,5 Milliarden Euro. Sie lagen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes damit um 3,6 Prozent über dem Niveau des Vorkrisenjahres 2019. Dirk Jandura, Präsident der Branchenverbandes BGA, sprach am Mittwoch (09.02.) von einem "großartigen Ergebnis" angesichts des Chaos bei Lieferketten und geopolitischer Konflikte wie der Ukraine-Krise. "Allerdings werden uns die Risiken auch weiterhin begleiten."

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet kurzfristig keine Besserung bei gestörten Lieferketten und hohen Logistikkosten. "Das Rekordjahr im Export sollte uns nicht auf die falsche Fährte führen", sagte der scheidende BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht große Unsicherheiten im internationalen Geschäft. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier nannte unter anderem die Auswirkungen der Omikron-Welle auf den Welthandel sowie zuletzt gesunkene Auftragseingänge aus dem Ausland, insbesondere aus China.

Industrieproduktion muss wieder in Schwung kommen

Ökonomen sehen dank prall gefüllter Auftragsbücher aber durchaus Chancen für weitere kräftige Zuwächse in diesem Jahr. "Kommt der Materialfluss erst einmal in Gang, wird ein noch kräftigeres Exportwachstum auf der Agenda stehen", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Zunächst müsse allerdings die von Lieferengpässen belastete Industrieproduktion wieder in Schwung kommen, erläuterte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski: "Ohne neue Produktion wird es keine neuen Exporte geben." Der Export ist neben dem Konsum eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur.

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren hatte sich zu Beginn des laufenden Jahres nach Angaben des Ifo-Instituts deutlich verbessert. "Nahezu alle Branchen rechnen mit Zuwächsen. Ausnahmen sind nur die Textil- und Bekleidungshersteller, die Drucker und die Nahrungsmittelindustrie", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest jüngst.

Auch die Importe überschritten im vergangenen Jahr mit einem Plus von 17,1 Prozent auf 1202,2 Milliarden Euro das Niveau des Vorkrisenjahres 2019. Im Corona-Jahr 2020 waren die Warenausfuhren um 9,1 Prozent eingebrochen, die Importe schrumpften um 7,0 Prozent.

Zum Jahresende 2021 gab es bei den Ausfuhren ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat November. Im Vergleich zu Dezember 2020 legten die Exporte um 15,6 Prozent zu. Die Einfuhren stiegen um 4,7 Prozent zum Vormonat sowie um 27,8 Prozent zum Vorjahresmonat.

Welche Auswirkungen der Ukraine-Konflikt haben könnte

Größter Einzelmarkt für Waren "Made in Germany" waren den Angaben zufolge im vergangen Jahr erneut die USA mit insgesamt 122,1 Milliarden Euro (plus 18 Prozent), gefolgt von China mit 103,6 Milliarden Euro (plus 8,1 Prozent) und Frankreich mit 102,3 Milliarden Euro (plus 12,6 Prozent). Die meisten Importe kamen aus China. Spuren hinterließ der endgültige Abschied Großbritanniens von der Europäischen Union (EU). Gegen den Trend sanken die Ausfuhren in das Vereinigte Königreich gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent auf 65,4 Milliarden Euro.

Russland zählt zwar nicht zu den Top-Handelspartnern Deutschlands. Allerdings kommen aus dem Land wichtige Rohstoff wie Gas, Öl und Metalle. "Ohne sie funktioniert die deutsche Exportmaschinerie nur eingeschränkt. Ob es für Deutschland ein gutes Exportjahr 2022 wird, hängt also auch davon ab, wie es im Osten der Ukraine weiter geht", sagte Volkswirt Gitzel.

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dpa