Restrukturierung in der Industrie 2026

Restrukturierung wird für Unternehmen komplexer

Restrukturierung wird für die deutsche Industrie zum Dauerthema. Laut einer Roland-Berger-Studie steigen die Fallzahlen, während KI Sanierungsprozesse beschleunigen soll.

Steigende Fallzahlen, komplexere Finanzierungsstrukturen und wirtschaftliche Stagnation erhöhen den Restrukturierungsdruck auf Unternehmen. Künstliche Intelligenz soll Sanierungsprozesse künftig beschleunigen.

  • Roland Berger hat für die Restrukturierungsstudie 2026 insgesamt 130 Experten aus dem deutschsprachigen Raum befragt.

  • 83 % beobachten steigende Restrukturierungsfälle, während nur 6 % in den kommenden zwölf Monaten Wirtschaftswachstum erwarten.

  • Mit 87 % weist die Automobilindustrie den größten Restrukturierungs- und Transformationsbedarf auf, der Maschinen- und Anlagenbau folgt mit 54 %.

  • 74 % erwarten durch KI eine schnellere Diagnose und Umsetzung, ein breitflächiger Einsatz findet bislang jedoch nicht statt.

Die wirtschaftliche Stagnation erhöht den Restrukturierungsdruck auf deutsche Unternehmen. 65 % der für die Restrukturierungsstudie 2026 von Roland Berger befragten Experten erwarten für die kommenden zwölf Monate eine unveränderte Wirtschaftsleistung. Weitere 29 % rechnen mit einem sinkenden Bruttoinlandsprodukt. Lediglich 6 % gehen von Wachstum aus.

Für die Studie wurden 130 Restrukturierungs- und Transformationsexperten aus dem deutschsprachigen Raum befragt. Wie aus der Mitteilung von Roland Berger hervorgeht, nennen 65 % Bürokratie und Regulierung als besonderes Risiko für die deutsche Wirtschaft.

Energiepreise und Versorgungssicherheit folgen mit 53 %. Das entspricht einem Anstieg um 22 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Jeweils 51 % sehen geopolitische Spannungen und den technologischen Wandel als zentrale Gefahren.

Mehr als die Hälfte der Experten bewertet deutsche Unternehmen zudem als schlecht auf eine weitere Konjunktureintrübung vorbereitet. Nur 8 % sehen die Unternehmen als gut vorbereitet.

Warum nimmt der Restrukturierungsdruck zu?

Die schwierige wirtschaftliche Lage zeigt sich unmittelbar im Restrukturierungsgeschehen. 83 % der Praktiker berichten von steigenden Fallzahlen. 21 % beobachten sogar einen starken Anstieg – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Gleichzeitig werden die Verfahren aufwendiger. 61 % der Befragten geben an, dass Restrukturierungsprozesse länger dauern. 56 % beobachten komplexere Finanzierungsstrukturen, 42 % komplexere Stakeholder-Strukturen. Konsensuale Lösungen werden damit schwieriger, langsamer und liquiditätsintensiver.

"In einer Phase anhaltender Stagnation reicht es nicht mehr aus, lediglich durchzuhalten", sagt Alexander Müller, Senior Partner bei Roland Berger. "Unternehmen müssen den Schritt zur konsequenten Anpassung gehen und die akute Krisenbewältigung zugleich als Ausgangspunkt für die notwendige strukturelle Erneuerung nutzen."

Automobilindustrie mit höchstem Transformationsbedarf

Besonders ausgeprägt ist der Handlungsbedarf in der Automobilindustrie. 87 % der befragten Experten sehen dort weiterhin den größten Restrukturierungs- und Transformationsbedarf. An zweiter Stelle folgt der Maschinen- und Anlagenbau mit 54 %.

Auch in anderen Branchen nimmt der Druck zu. In Pharma, Gesundheit und Krankenhauswesen steigt der entsprechende Wert auf 26 %, in der Chemiebranche auf 31 %.

Parallel gewinnen transaktionale Sanierungen an Bedeutung. 72 % der Experten erwarten eine moderate oder starke Zunahme von Verkäufen und anderen strukturellen Lösungen.

Belastbare Geschäfts- und Liquiditätsplanungen bleiben mit 61 % der wichtigste Erfolgsfaktor. Gleichzeitig gewinnen operative Maßnahmen und Kommunikation an Gewicht.

Ein ambitioniertes und realistisches Maßnahmenprogramm steigt gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozentpunkte auf 38 %. Die zielgerichtete Stakeholder-Kommunikation legt ebenfalls um 11 Prozentpunkte zu und erreicht 32 %. Damit rücken neben der Krisendiagnose vor allem Geschwindigkeit, Verständigung und konsequente Umsetzung in den Mittelpunkt.

KI soll Restrukturierung beschleunigen

Künstliche Intelligenz könnte Restrukturierungsprozesse effizienter machen. Das größte Unterstützungspotenzial sehen 89 % der Befragten in der Datenanalyse, 60 % in der Recherche.

74 % erwarten durch KI eine schnellere Diagnose und Umsetzung. 65 % rechnen mit geringeren Prozesskosten. Eine höhere Erfolgsquote bei der Umsetzung erwarten dagegen lediglich 4 %.

"KI verändert die Arbeit der Restrukturierer, nicht ihre Verantwortung", sagt Dr. Adrian Pielken, Senior Partner bei Roland Berger. "Sie kann Daten schneller auswerten und Routinen automatisieren. Den entscheidenden Freiraum müssen Unternehmen und Berater für Kommunikation, Stakeholdermanagement und Umsetzung nutzen."

Warum steht KI noch am Anfang?

Zwischen den Erwartungen an KI und ihrem tatsächlichen Einsatz besteht laut Studie noch eine deutliche Lücke. Kein Befragter sieht die Technologie bereits breitflächig in Restrukturierungsprozessen verankert.

45 % berichten von einzelnen Pilotprojekten, 26 % von ersten Diskussionen. Weitere 26 % sehen bereits etablierte Anwendungen in spezifischen Bereichen.

Für den Einsatz formulieren die Experten klare Anforderungen: 56 % fordern nachweislich hohe Qualität, 50 % höchste Datensicherheit und Vertraulichkeit und 49 % vollständige Transparenz.

Die Führungsrolle bleibt nach Einschätzung von 89 % der Befragten beim Menschen. 71 % favorisieren eine Arbeitsteilung, bei der KI Daten bereitstellt und Routineaufgaben automatisiert, während der Mensch Entscheidungen trifft.

Die Restrukturierungsstudie von Roland Berger erscheint seit 2001 und untersucht regelmäßig Entwicklungen der Branche. An der Ausgabe 2026 nahmen 130 Restrukturierungs- und Transformationsexperten aus dem deutschsprachigen Raum teil.

mit Material der dpa

Was Sie zum Thema Restrukturierung wissen müssen

  • Warum nimmt die Restrukturierung 2026 zu? – 83 % der befragten Praktiker beobachten steigende Fallzahlen. Gleichzeitig erwarten 65 % eine stagnierende und 29 % eine sinkende Wirtschaftsleistung.

  • Welche Branche hat den größten Bedarf an Restrukturierung? – Mit 87 % weist die Automobilindustrie laut den befragten Experten den höchsten Restrukturierungs- und Transformationsbedarf auf. Der Maschinen- und Anlagenbau folgt mit 54 %.

  • Welche Rolle spielt KI bei der Restrukturierung? – 74 % erwarten durch KI eine schnellere Diagnose und Umsetzung, 65 % geringere Prozesskosten. Besonders groß wird das Potenzial bei der Datenanalyse eingeschätzt.

  • Wie verbreitet ist KI in der Restrukturierung bereits? – Ein breitflächiger Einsatz findet laut Studie noch nicht statt. 45 % berichten von Pilotprojekten und 26 % von etablierten Anwendungen in spezifischen Bereichen.

  • Was ist bei der Restrukturierung besonders wichtig? – Belastbare Geschäfts- und Liquiditätsplanungen gelten mit 61 % als wichtigster Erfolgsfaktor. Auch Maßnahmenprogramme und Stakeholder-Kommunikation gewinnen an Bedeutung.