Zwei Messebesucher, die Maske tragen, schauen sich einen Katalog an.

Maskenpflicht galt auch bei der All About Automation Essen. - Bild: All About Automation

| von Anja Ringel

Von Stand zu Stand schlendern, die neuesten Entwicklungen bestaunen oder präsentieren, sich im persönlichen Gespräch austauschen: All das war in den vergangenen Monaten nicht möglich. Wie auch andere Großveranstaltungen mussten bis Ende August 61 Prozent der geplanten Messen abgesagt oder verschoben werden. Das hat der Verband der deutschen Messewirtschaft (AUMA) ausgerechnet. 39 Prozent haben bereits stattgefunden oder werden noch abgehalten.

Eine davon war die All About Automation, die Aussteller und Besucher Anfang September in Essen empfangen hat – mit Erfolg wie die Veranstalter berichten. 96 Prozent der Aussteller gaben bei einer Befragung an, sich umfassend informiert, vorbereitet und subjektiv sicher gefühlt zu haben. Insgesamt 119 Aussteller haben in Essen ihre Entwicklungen gezeigt – 18 Prozent weniger als 2019. Die Besucherzahl sei um 30 Prozent geringer gewesen als bei der All About Automation in Essen 2017, die eine vergleichbare Ausstellerzahl hatte wie die diesjährige Messe, erklärte der Veranstalter. 

Mitarbeiter dürfen noch nicht auf Messen

Der Grund für die geringere Besucherzahl: Viele Unternehmen erlauben ihren Mitarbeitern noch keine Messebesuche, so die Erfahrung der All About Automation. Deshalb müsse durch erfolgreich umgesetzte Konzepte Vertrauen aufgebaut werden.

Messebesucher sitzen im Abstand und hören einer Veranstaltung zu.
Bei Vorträgen auf der All About Automation Essen galt: Abstand halten. - Bild: All About Automation

Das Hygienekonzept der Essener Messe wurde mit „The safest place to meet“ betitelt. Neben den üblichen Regeln Maske zu tragen, Abstand zu halten sowie Hände regelmäßig zu waschen, gehörten dazu auch Registrierungen für Halbtages-Zeitslots, um die Besucherzahl steuern zu können. Daneben wurden die Öffnungszeiten verlängert. Damit Gespräche auch mit Abstand durchgeführt werden können, hat der Veranstalter „Networking-Tables“ eingeführt. Hier waren Besprechungen auch ohne Maske erlaubt.

Die Corona-Regeln hatten dabei für die meisten keinen negativen Einfluss auf die Gespräche. In einer Umfrage zur Messe sagten 41 Prozent das Hygienekonzept habe die Besprechungen „kaum“ negativ beeinflusst. 51 Prozent antworteten mit „mäßig“, lediglich acht Prozent mit „sehr“.

Eine weitere Messe, die bereits stattgefunden hat, ist die Technik-Messe IFA in Berlin. Statt der knapp 250.000 Besucher im vergangenen Jahr, konnten diesmal jedoch nur Medienvertreter, Händler und Hersteller die Veranstaltung besuchen. Maximal 750 Menschen durften die Hallen gleichzeitig besuchen. Große Ampeln haben den Besuchern angezeigt, ob sie einen Bereich betreten dürfen oder noch warten müssen.

Eine Frau interviewt einen Mann. Beide tragen Maske und werden von zwei Kameramännern gefilmt.
Interviews mit Maske gehören nicht nur auf der IFA zur neuen Normalität. - Bild: IFA

GrindTec und Automatica sollen vor Ort stattfinden

Ebenfalls mit eigenen erarbeiteten Hygienekonzepten sollen die GrindTec im November und die Automatica im Dezember stattfinden.

Die Augsburger Messe GrindTec rechnet dabei mit fast 600 Ausstellern auf rund 50.000 Quadratmetern. Henning Könicke, Geschäftsführer der AFAG Messen, ist dabei aber auch bewusst, dass aufgrund der Reisebeschränkungen nicht alle Besucher nach Schwaben kommen können. Für diese Menschen wurde das Onlineangebot „Grinding Match“ ins Leben gerufen.

Sowohl auf der GrindTec als auch auf der Automatica gelten die gängigen Hygieneregeln. Lediglich an Tischen darf die Maske für Gespräche abgelegt werden, wenn dafür die Kontaktdaten aufgeschrieben werden. Auf der Automatica sollen an Knotenpunkten wie Eingangsbereichen oder der Garderobe unter anderem Bodenmarkierungen angebracht werden. 

Messen dürfen in allen Bundesländern stattfinden

Besucherbeschränkungen wird es nicht geben, teilt die Messe mit. Es gebe einen Personenrichtwert, der sich an der Veranstaltungsfläche orientiert: „Gemessen an der Besucheranzahl unserer Eigenveranstaltungen in den letzten Jahren und aufgrund der Größenordnung der zur Verfügung stehenden Veranstaltungsfläche ist von keiner Besucherbeschränkung auszugehen.“

Aktuell dürfen laut AUMA in allen Bundesländern Messen unter Auflagen durchgeführt werden. Die Bestimmungen weichen dabei nur leicht ab. In Berlin gilt zum Beispiel eine Personenhöchstgrenze von 750 Personen in geschlossenen Veranstaltungen. Ab 1. Oktober sind maximal 1.000 Menschen zugelassen.

Dennoch haben sich viele Veranstalter auch dazu entschlossen, ihre Messen dieses Jahr nur virtuell durchzuführen. Jüngstes Beispiel ist die Formnext. Die Entscheidung sei aufgrund der jüngsten Entwicklung der Covid-19 Infektionszahlen weltweit sowie damit einhergehend einer erneuten Verschärfung der Reiserestriktionen entstanden, teilte die Mesgao Messe Frankfurt Anfang September mit. 

Darum finden die Formnext und SPS 2020 nur online statt

Dies habe zu Verunsicherung bei Ausstellern und Besuchern geführt. „Zusammen mit der erneuten Verschärfung der behördlichen und firmeninternen Reiserestriktionen wird eine Durchführung der sonst hoch internationalen Formnext in der gewohnten Qualität nicht mehr erlaubt“, sagt Petra Haarburger, President der Mesago Messe Frankfurt.

Ebenfalls nur online ist die SPS 2020. Zu den Gründen für die Absage sagte die Mesago Messe Frankfurt, dass viele Beteiligte Bedenken bezüglich der veränderten Rahmenbedingungen geäußert hätten und sie sich um ihre Mitarbeiter sorgen. „Die SPS zeichnet sich durch intensive Fachgespräche und den Austausch zwischen Ausstellern und Besuchern aus. Aktuell sehen wir leider kaum eine Möglichkeit, dies vor Ort in gewohnter Weise möglich zu machen“, sagte Sylke Schulz-Metzner, Vice President SPS, Ende August.

Messeveranstalter werden sich nicht nur dieses Jahr auf schwierige Zeiten einstellen müssen: Laut der neuesten Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts wollen 39 Prozent der deutschen Industriefirmen, die bisher auf Messen ausgestellt haben, ihre Teilnahme verringern. 59 Prozent wollen wie gewohnt präsent sein, zwei Prozent wollen in Zukunft an mehr Messen teilnehmen.

Bei Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern wollen 47 Prozent weniger auf Messen präsent sein. Bei Firmen, die zwischen 500 und 1.000 Beschäftigte haben, sind es sogar 49 Prozent. Die fehlenden Messeteilnahmen haben dabei nur bei sechs Prozent „in hohem Umfang“ zu wirtschaftlichen Einbußen geführt. 46 Prozent hatten Einbußen „in geringem Umfang“, 48 Prozent hatten keine Verluste durch abgesagte Messen.

Die Umfrage zeigt auch: Digitale Formate werden immer beliebter. 65 Prozent wollen diese Alternative künftig öfter nutzen. „Messen bleiben weiter wichtig für die Unternehmen, aber sie werden sich verändern müssen“, sagt Ifo-Messeexperte Horst Penzkofer.

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