Flagge der Ukraine, gemalt auf einer Backsteinmauer mit Soldatenschatten.

Russland hat diese Woche einen Angriff gegen die Ukraine gestartet. (Bild: Tomas Ragina - stock.adobe.com)

Deutsche Unternehmen sorgen sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine um ihre Mitarbeitenden vor Ort. Mit welchen Maßnahmen die Firmen ihre Beschäftigen schützen wollen - ein Überblick:

Leoni schließt Werke in der Ukraine

Der Nürnberger Automobilzulieferer Leoni hat rund 7.000 Mitarbeitende in zwei Werken im Südwesten der Ukraine. Diese Werke sind nun geschlossen. "Mit großem Entsetzen und auch Fassungslosigkeit verfolgen wir die Eskalation der Lage in der Ukraine", sagte Unternehmenssprecher Gregor Le Claire 'inFranken.de'.

Das Unternehmen hat eine Taskforce gegründet und steht in ständigem Kontakt mit Kunden und Lieferanten. Die Situation müsse jetzt ständig neu analysiert werden, so Le Claire. Deutsche Mitarbeitende von Leoni sind nicht mehr in der Ukraine.

Krones evakuiert Mitarbeitende

Krones arbeitet ebenfalls im Südwestern der Ukraine an einem Projekt. Als der russische Angriff losging, habe man sofort zehn europäische Beschäftigte auf dem Landweg aus der Ukraine gebracht, berichtete Vorstandschef Christoph Klenk der 'FAZ'. „Wir hatten schon vorgesorgt und geländegängige Fahrzeuge zur Verfügung gestellt“, sagte er.

Statements von Verbänden und Unternehmen zum Krieg in der Ukraine, lesen Sie in folgendem Artikel:

HHLA muss Containerterminal schließen

Das Containerterminal des Hamburger Hafen- und Logistikkonzerns (HHLA) in Odessa, ebenfalls im Südwesten der Ukraine, wurde am Donnerstag (24.2.) geschlossen. Der Konzern betreibt das Terminal mit 480 Mitarbeitern seit 2001. Die HHLA-Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath erklärte: "Die letzten Mitarbeiter haben heute Morgen den Hafen verlassen. Zuvor haben sie noch zwei Schiffe verlässlich abgefertigt, die den Hafen danach verlassen konnten." Das Unternehmen habe außerdem beschlossen, den Mitarbeitenden einen Monatslohn im Voraus auszuzahlen. "So können sie sich in dieser besonderen Situation entsprechend mit den lebensnotwendigen Waren bevorraten", so Titzrath. Vor Ort wurde ein Krisenstab gegründet.

Knauf schließt Werk in der Region Donbass

Der Gips-Hersteller Knauf hat zwei Werke in der Ukraine geschlossen. Eines ist in Soledar in der Region Donbass, das andere in Kiew. "Rein vorsorglich haben wir heute beide Betriebe aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres geschlossen und sämtliche Mitarbeiter heim geschickt. Allen Mitarbeitern und deren Familien geht es gut", erklärte das Unternehmen laut 'BR'. Fast 600 Mitarbeitende arbeiten in der Ukraine für Knauf.

Telekom erwägt Personalabzug aus Sankt Petersburger Software-Standort

Die Deutsche Telekom überlegt laut DPA, Personal aus ihrem Software-Entwicklungsstandort in Sankt Petersburg abzuziehen. Man müsse sich nun überlegen, wie man mit den 2.000 Beschäftigten umgehe. Denkbar sei, den Beschäftigten Visa anzubieten, damit sie außerhalb von Russland für die Telekom arbeiten können. Damit könnte die Arbeit teilweise verlagert werden, sagte Konzernchef Tim Höttges bei der Jahres-Pressekonferenz der Telekom am Donnerstag (24.02.). Man werde dabei individuell vorgehen.

Finanzchef Christian Illek sagte, man habe Maßnahmen ergriffen, um die Bezahlung der dortigen Belegschaft und die Versorgung mit Hardware und Software sicherzustellen. Auf die Software-Entwicklung des Konzerns insgesamt hätten mögliche Einschränkungen der Arbeit an dem Standort laut Höttges keinen Einfluss - Standorte in Deutschland, Indien und in osteuropäischen Staaten könnten dies ausgleichen. In Russland macht die Telekom nur wenig Geschäft. Der Magenta-Konzern sei "extrem auf die westliche Welt" fokussiert, sagte Höttges.

Grafik mit Fakten zur Ukraine
Die Karte von Visual Capitalist zeigt wichtige Fakten über die Ukraine. (Bild: Visual Capitalist)

Volkswagen bildet Taskforce

Für VW ist der zentral- und osteuropäische Markt von einiger Bedeutung. VW-Chef Herbert Diess erklärte, man habe eine Taskforce eingerichtet, um weitere mögliche Folgen etwa auf die Lieferbeziehungen abzuschätzen. Die EU hat weitreichende Sanktionen gegen Russland auf den Weg gebracht. Volkswagen betreibt in Kaluga südwestlich der Hauptstadt Moskau eine eigene Autofertigung.

Es gehe nun vor allem darum, die Sicherheit der Beschäftigten in der Region zu gewährleisten. In der Ukraine tätigen Mitarbeitern habe man bereits angeboten, ausgeflogen zu werden.

Siemens sorgt sich um Sicherheit der Mitarbeitenden

Siemens hat laut einem Konzernsprecher einige wenige Standorte in der Ukraine mit einer niedrigen dreistelligen Zahl an Mitarbeitenden. Das Unternehmen habe "entsprechende Maßnahmen ergriffen", um die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten, sagte der Sprecher gegenüber 'T-Online'.

Was Russlands Angriff für die deutsche Energieversorgung bedeutet, lesen Sie hier.

Rückblick: Wie sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zuspitzte

2014: Russland hält ein international nicht anerkanntes Referendum auf der Krim ab und gliedert sie als Landesteil ein. USA und EU verhängen Sanktionen gegen Moskau. In der ostukrainischen Region Donbass rufen die von Moskau unterstützten Separatisten die "Volksrepublik Donezk" aus, Luhansk folgt.

Februar 2015: Das Minsker Abkommen sieht eine Autonomie für die Separatistengebiete vor sowie die Kontrolle der Ukraine über ihre Grenze mit Russland.

Juli 2017: Die prorussischen Separatisten in Luhansk und Donezk rufen einseitig ihren neuen Staat "Kleinrussland" aus.

Januar 2018: Kiew stuft die abtrünnigen Gebiete im Osten als von Russland besetzt ein.

November 2018: Die russische Küstenwache setzt an der Meerenge von Kertsch drei ukrainische Marineschiffe mit 24 Matrosen an Bord fest. Kiew verhängt zeitweise Kriegsrecht. In den Separatistengebieten abgehaltene Wahlen werden international nicht anerkannt.

April 2021: Moskau zieht Truppen im Grenzgebiet zur Ostukraine zusammen und droht mit einem militärischen Eingreifen.

November 2021: Erneut konzentrieren sich ungewöhnlich große Truppenkontingente und moderne Waffen im russischen Grenzgebiet zur Ukraine. Der Westen spricht später von bis zu 150.000 Soldaten.

Januar 2022: Diplomatische Versuche auf verschiedenen Ebenen bringen weiterhin keine Lösung.

16. Februar: Die Nato-Verteidigungsminister billigen Vorbereitungen für eine Entsendung weiterer Kampftruppen ins östliche Bündnisgebiet.

21. Februar: Putin erkennt die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk als unabhängige Staaten an. Zudem sollen russische Soldaten in die ostukrainischen Separatistengebiete entsandt werden.

22. Februar: USA und EU sowie Verbündete verhängen Strafmaßnahmen gegen Russland. So legt Berlin die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 für unbestimmte Zeit auf Eis.

24. Februar: Der russische Präsident Wladimir Putin ordnet einen Auslandseinsatz des russischen Militärs in den Regionen Luhansk und Donezk offiziell an.

(Quelle: Dpa)

Sie möchten gerne weiterlesen?

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos:

Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Mit der Registrierung akzeptiere ich die Nutzungsbedingungen der Portale im Industrie-Medien-Netzwerks. Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Sie sind bereits registriert?