Eine Mitarbeiterin schaut auf ein Tablet

Mehr als die Hälfte der Stellen für Elektromobilität hat Bosch mit Mitarbeitern aus dem Verbrenner-Geschäft besetzen können. - Bild: Bosch

| von Anja Ringel

Wandel in den Geschäftsbereichen heißt auch immer Veränderungen für die Mitarbeitenden. Das spüren derzeit auch die Bosch-Beschäftigten. Der Wandel werde Beschäftigung kosten, aber auch bringen, sagte CEO Volkmar Denner heute auf der Bilanzpressekonferenz.

Das Unternehmen will dabei nach eigener Aussage versuchen, vielen Mitarbeitenden die Chance zu einem internen Wechsel zu ermöglichen. Dazu hat Bosch eine unternehmensweite Vermittlungsplattform aufgebaut. Damit sollen laut Denner dringend benötigte Stellen schneller besetzt werden und Fachkräften aus dem klassischen Geschäft eine neue Perspektive bieten. Für ein Fahrzeugcomputer-Projekt habe man so innerhalb eines halben Jahres fast 100 Ingenieure gefunden – „größtenteils über unsere Plattform, fast ein Viertel aus der Antriebssparte“, sagte Denner.

Auch in anderen Bereichen machen sich die Veränderungen bemerkbar: Mehr als die Hälfte der Stellen für Elektromobilität konnte Bosch mit Beschäftigten aus dem Verbrenner-Geschäft besetzen. Auch im Brennstoffzellen-Sektor konnte der Stuttgarter Konzern die Mitarbeiterzahl steigern: Von 600 auf fast 1.100 in der mobilen Anwendung und eine Verdopplung auf gut 500 für die stationäre Anwendung. 90 Prozent der Stellen wurden intern besetzt – vor allem mit Beschäftigten aus der Antriebssparte, so Denner.

Nicht nur Bosch, auch die Mitarbeiter wollen sich weiterbilden. Sie verstehen das Unternehmen immer mehr als „learning company“, sagte der CEO. Gut 7.000 Beschäftigten haben sich in einer „E-University“ eingeschrieben, seit Anfang 2020 habe es mehr als 400.000 Zugriffe auf die Bosch-Lernportale gegeben. Zudem gibt es unter anderem KI-Trainings für mehr als 25.000 Führungskräfte.

Wie ZF seine Mitarbeiter auf Elektromobilität vorbereiten will, lesen Sie hier:

Fünf Milliarden für Elektromobilität

Bosch-CEO Volkmar Denner
CEO Volkmar Denner und Bosch setzen auf Elektromobilität. - Bild: Bosch

Der Grund für die Umschulungen ist klar: Auch Bosch muss auf die Veränderungen in der Autoindustrie reagieren. So ist es kaum verwunderlich, dass das Unternehmen die Themen Elektromobilität, Wasserstoff aber auch Digitalisierung immer mehr in den Fokus rückt. Auch Nachhaltigkeit wird immer wichtiger.

In der Antriebssparte wird die E-Mobilität sogar zum Kerngeschäft. Dafür hat das Unternehmen bereits fünf Milliarden Euro an Vorleistungen erbracht – 700 Millionen allein in diesem Jahr. „Die Elektromobilität ist längst keine Wette mehr auf die Zukunft, wir verdienen die Vorleistungen zurück“, sagte der Bosch-CEO.

Die Zahlen geben ihm recht: Der Umsatz für elektrische Antriebskomponenten von Bosch wächst laut Unternehmen mit fast 40 Prozent doppelt so stark wie der Markt. Bis 2025 soll sich nun der jährliche Umsatz auf etwa fünf Milliarden Euro verfünffachen, die Gewinnschwelle soll bereits ein Jahr zuvor erreicht werden.

Bei der Digitalisierung wollen die Stuttgarter vor allem mit ihrer Erfahrung von Vernetzung und KI punkten und so zum führenden AIoT-Unternehmen werden.

Brennstoffzelle: Testflotte mit 70 Trucks ist bald unterwegs

Beim Wasserstoff-Hype sollen vor allem stationäre und mobile Lösungen, die Wasserstoff in Strom umwandeln, Umsatz erzielen. Bis 2024 will das Unternehmen dafür eine Milliarde Euro in die Brennstoffzellen-Technologie investieren. Für dieses Jahr ist laut Denner der Betrieb von 100 Anlagen mit stationären Brennstoffzellen vorgesehen, zum Beispiel um Rechenzentren und Industriebetriebe mit Strom zu versorgen.

Auch bei den mobilen Brennstoffzellen geht es voran: Noch in diesem Jahr soll eine Testflotte mit 70 Trucks über die Straßen rollen. Diese werden „nah an der Serienreife“ dran sein und könnten dann relativ schnell hochskaliert werden, sagte Stefan Hartung, Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions. Deshalb könne man in wenigen Jahren Serienreife bei den Brennstoffzellensystemen erreichen. Ebenfalls 2021 soll im Werk Wuxi in China die Produktion von Brennstoffzellen-Komponenten starten.

Unternehmen erwartet Umsatzplus für 2021

Trotz aller Innovationen spürt auch Bosch „erhebliche Risiken“ durch die Engpässe bei den Halbleitern, sagte Finanzvorstand Stefan Asenkerschbaumer. „Eine kurzfristige Verbesserung der Situation ist aber leider nicht zu erwarten, sondern unsere gesamte Industrie wird voraussichtlich auf Monate hinaus mit dieser unbefriedigenden Lage konfrontiert sein“, erklärte er. Daimler und Volkswagen mussten ihre Mitarbeiter deshalb erneut in Kurzarbeit schicken.

Im ersten Quartal stieg der Umsatz der Bosch-Gruppe dennoch um 17 Prozent im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 und um 8,5 Prozent im Vergleich zu 2019. Wie bei allen anderen Unternehmen auch, sticht besonders das China-Geschäft mit einer einem Umsatzplus von mehr als 54 Prozent hervor (26,7% im Vergleich zu 2019).

Für das Gesamtjahr rechnet Asenkerschbaumer mit einem Umsatzplus von rund sechs Prozent für die Bosch-Gruppe. Zum Vergleich: 2020 ging der Umsatz um 6,4 Prozent auf 71,5 Milliarden Euro zurück.

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