Blick in eine Produktionshalle von Festo.

Viele Festo-Produkte sind in der Krise gefragt. - Bild: Festo

| von Anja Ringel

Festo ist in der Coronakrise systemrelevant. Davon ist der Vorstandsvorsitzende Oliver Jung überzeugt. Das Unternehmen habe derzeit verstärkt Kunden aus dem Bereich Lebensmittel, Verpackung sowie Pharma- und Medizintechnik, erklärte er auf einer Pressekonferenz des Zulieferers.

Mit Komponenten der Automatisierungstechnik beliefert das Unternehmen Ausrüster von Medizintechnik- und Laborautomation. Aktuell sind das insbesondere Komponenten, die in Beatmungsgeräten und der In-Vitro-Diagnostik zum Einsatz kommen. Für Jung ein Grund, warum Festo bisher „vergleichsweise gut“ durch die Krise gekommen sei. Die breite Branchenaufstellung helfe, wenn Bereiche wie Automotive rückläufig sind, sagte der CEO.

Festo-CEO Oliver Jung, der Anzug und Krawatte trägt.
Festo ist vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen, meint der CEO Oliver Jung. - Bild: Festo

Ansgar Kriwet, Vorstand Sales, berichtet von Hamsterkäufen. Es habe massive Nachfrageschübe und riesige Bedarfe in einzelnen Segmenten gegeben. Als Beispiel nannte er Notfall-Beatmungsgerate, die plötzlich in riesigen Stückzahlen weltweit produziert werden mussten. Und: Viele Kunden mussten flexibel auf die Krise reagieren und die Produktion umstellen, erklärte Kriwet.

Die Krise gebe vor allem der digitalen Transformation einen Schub. Im Familienunternehmen spüre man das vor allem beim Onlinegeschäft, sagte Jung. „In der Krise ist es überlebenswichtig, dass wir unsere Kunden digital unterstützen können“. Digitale Kontakte seien viel stärker ausgebaut worden.

Festo will digitaler werden

Die Digitalisierung will Festo auch in Zukunft vorantreiben. „Das Digital Business werden wir weiter stark ausbauen. Künstliche Intelligenz, Software und smarte Produkt- und Servicewelten werden unsere Innovationskraft beflügeln“, erklärte CEO Jung.

Sales-Vorstand Ansgar Kriwet, der Anzug und Krawatte trägt.
Sales-Vorstand Ansgar Kriwet berichtet von Hamsterkäufen. - Bild: Festo

Das Fernziel sei eine Digitalisierung und Virtualisierung auch in der Produktion, kündigte Kriwet an. Soll heißen, Produktionsmitarbeiter sollen ihre Maschinen auch aus dem Homeoffice aus führen können. Dafür sei ein digitaler Zwilling für die Produktionsanlage nötig, um einen virtuellen Einblick in die Maschine geben zu können, erklärte der Sales-Vorstand.

Trotz aller positiver Nachrichten, spürt auch die Esslinger Firma im zweiten Quartal die Auswirkungen der Pandemie: Man sehe wie die Zahlen zurückgehen, sagte Jung. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen noch einen Umsatz von 3,07 Milliarden Euro gemacht. Das sind mehr als drei Prozent weniger als 2018.

Wie es 2020 weitergeht, könne niemand sagen, so Jung. Dennoch rechnet das Familienunternehmen im zweiten Halbjahr mit Nachholeffekten.

Eines sind sich Jung und Kriwet auch sicher: Die Krise werde die Branche verändern. Die Pandemie habe die Nachteile langer Lieferketten gezeigt, so Kriwet. Festo setze schon länger auf das Prinzip „In the region, for the region“. Man wolle in der Nähe der Kunden produzieren. „Damit sind wir auf einem guten Weg“, sagte Jung.

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