Businessfrau mit Tablet in einem Besprechungsraum

Durch eine Geschlechterquote sollen mehr Frauen in Vorständen vertreten sein. - Bild: BullRun - stock.adobe.com

Da stand die Zahl plötzlich wieder bei null: Nach Jennifer Morgans (erzwungenen) Abgang bei SAP, hatte kein Dax-30-Unternehmen eine Frau als Vorstandsvorsitzende. Und auch sonst sieht es in den Vorständen eher mau aus: Lediglich knapp 15 Prozent der DAX-30-Vorstände sind weiblich, bei den Top-200-Unternehmen sind es sogar nur rund zwölf Prozent, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berechnet.  

Aber: Im Vergleich ist die Zahl sogar gut. Denn der Frauenanteil in den Vorständen der großen Firmen in Deutschland ist im vergangenen Jahr moderat gestiegen, sagt Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics des DIW bei der Vorstellung des neuesten Managerinnen-Barometer.

Etwas besser sieht es seit Jahren in den deutschen Aufsichtsräten aus: Auch hier konnte die Prozentzahl auf nun knapp 30 gesteigert werden. Unternehmen, die eine Frauenquote erfüllen müssen, liegen bei rund 36 Prozent. Womit wir bei einem der umstrittensten Themen der vergangenen Wochen sind: Wie sinnvoll ist eine Frauenquote?

Die Frauenquote zeigt Wirkung

Die Forscherinnen des DIW konnten nun nachweisen: Sie zeigt auf alle Fälle Wirkung. Denn ein Vergleich zwischen Unternehmen, die die Quote erfüllen müssen, und vergleichbaren Firmen, die keiner Quote unterliegen zeigt, dass der Anteil der Frauen bei Unternehmen mit Geschlechterquote 2020 um zehn Prozent höher lag. „Das ist ein deutlicher Hinweis, dass gesetzliche Vorgaben wirken“, sagte Wrohlich. Denn die Firmen, die die Quote erfüllen müssen, bleiben oft nicht bei den vorgeschriebenen 30 Prozent stehen, sondern steigern sich noch weiter.

Dass hier vor allem die Dax-30-Unternehmen mit 37 Prozent in den Aufsichtsräten den höchsten Frauenanteil haben, liegt laut Wrohlich vermutlich daran, dass diese Konzerne stärker im Fokus der Öffentlichkeit stehen und sich deshalb auch mehr Mühe geben, mehr Diversität in ihren Führungsebenen zu haben.

Damit sich die Situation in den Vorständen ebenfalls ändert, hat die Bundesregierung das sogenannte FüPoG II beschlossen. Das heißt, 74 Unternehmen in Deutschland müssen sich bei der Wahl der Vorstände an eine Geschlechterquote halten. Die Wissenschaftlerinnen haben in einer Simulation berechnet, dass allein durch das Gesetz der Frauenanteil in diesen Firmen von 13 auf 21 Prozent steigen würde. Von den 74 Unternehmen haben 40 schon mindestens eine Frau im Vorstand, die restlichen 30 müssen den nächsten freiwerdenden Posten mit einer Frau besetzen.

„Die verbindliche Mindestbeteiligung von Frauen in Vorständen in ein wichtiges gleichstellungspolitisches Signal“, sagte Wrohlich. „Es wird Zeit, dass sich nach den Aufsichtsräten auch in den Vorständen endlich etwas tut. Das ist auch im Interesse der Unternehmen, denn mehr Geschlechterdiversität wirkt sich meistens äußerst positiv aus.“

Dass das der Fall ist, haben die Wissenschaftlerinnen ebenfalls herausgefunden. Dazu hat die Freie Universität Berlin eine Studie mit 60 Frauen und Männern, die Aufsichtsratsmandate in 75 verschiedenen börsennotierten Unternehmen haben, befragt. Das Ergebnis: Interaktion, Diskussion und Entscheidungsfindung profitieren deutlich, wenn Frauen im Gremium sind, berichtete Anja Kirsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur für Personalpolitik an der Freien Universität Berlin.

Das ist das FüPoG II

  • Börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen müssen künftig eine Mindestbeteiligung von Frauen (und Männern) in Vorständen haben.
  • Wenn ein Vorstand vier oder mehr Mitglieder hat, muss mindestens eine Frau (und ein Mann) vertreten sein.
  • Unternehmen, die entweder börsennotiert oder paritätisch sind, müssen sich eine Zielvorgabe für einen Frauenanteil stellen. Eine „Zielgröße null“ muss mit dem neuen Gesetz nun ausführlich begründet werden.

Vorstände werden effektiver kontrolliert

Durch Frauen im Gremium herrsche außerdem eine freundlichere Atmosphäre, mehr Höflichkeit und gegenseitige Wertschätzung. Zudem seien die Diskussionen umfassender und facettenreicher.

Die Befragten berichteten, dass Aufsichtsrätinnen besonders öfters beharrlich und präzise Entscheidungen des Vorstandes hinterfragen, erklärte Kirsch. Sie fordern außerdem mehr Informationen an, bevor sie eine Entscheidung des Vorstands absegnen. „Geschlechterdiversität in Aufsichtsräten kann also dazu beitragen, Vorstände effektiver zu kontrollieren“, so die Expertinnen.

Die Frauenquote kann aber noch in einem anderen Bereich positive Auswirkungen haben. Wenn Unternehmen nicht darauf angewiesen sein wollen, extern weibliche Führungskräfte zu rekrutieren, müssen sie im eigenen Unternehmen Karrieremöglichkeiten für Frauen schaffen, erklärt Wrohlich. Das könne dann dazu führen, dass eine Geschlechterquote auch die Arbeitspolitik in Firmen ändert.

Siemens Energy hat bereits eine eigene Frauenquote beschlossen. Wie die aussieht, lesen Sie hier.

Frauenquote – Die Meinungen sind gespalten

  • Deutschlandweit sehen 55 Prozent eine Frauenquote im Allgemeinen eher positiv: 62 Prozent der Frauen, aber nur 48 Prozent der Männer sind dieser Meinung.
  • Mit der jetzt beschlossenen Frauenquote sind dagegen nur 32 Prozent zufrieden.
  • Fast die Hälfte befürchtet, Frauen könnten als Quotenfrauen gesehen werden.
  • 47 Prozent sind dagegen der Meinung, die Regierung sollte sich bei diesem Thema nicht einmischen.
  • 23 Prozent halten die jetzige Quote für zu niedrig und nicht weitreichend genug und 22 Prozent befürchten, Männer werden durch die Quote benachteiligt.

Quelle: Repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag von McKinsey. Es wurden zwischen dem 15. und dem 17. Dezember 2020 5.003 Personen befragt.

Die Wissenschaftlerin konnte außerdem einen gewissen Antizipationseffekt feststellen. Unternehmen, die von der Quote betroffen wären, stellen jetzt schon eine Frau im Vorstand ein – zum Beispiel Adidas oder Wüstenrot. Doch gerade bei den Vorständen ist die Zahl der weiblichen Mitglieder noch so gering, dass Wrohlich keine großen Veränderungen in kurzer Zeit erwartet. Die prognostizierten 21 Prozent wären für diese Unternehmensgruppe schon ein Schritt nach vorne, sagte sie.

Man müsse nun schauen, ob es eine Strahlkraft gibt und auch andere Unternehmen handeln. Denn Forschungen haben gezeigt: Je mehr Frauen in mächtigen Positionen sind, desto mehr werden geschlechterspezifische Stereotype in der Gesellschaft abgebaut. Die Frauenquote sei ein Baustein dafür.  

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