Vor dem Sitz von Thyssenkrupp wehen blaue Fahnen, auf denen das Firmenlogo zu sehen ist.

Thyssenkrupp kämpft mit finanziellen Problemen. Der Umsatz des Unternehmens ist aufgrund der Coronakrise zurückgegangen. - Bild: Thyssenkrupp

| von Anja Ringel

Rückläufiger Auftragseingang und sinkender Umsatz: Das ohnehin schon kriselnde Unternehmen Thyssenkrupp gerät durch die Coronakrise noch stärker unter Druck. Das zeigen die Zahlen, die der Konzern am Mittwoch (12.5.) veröffentlicht hat. Demnach sind die Aufträge im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2019/2020 um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen und der Umsatz fiel um vier Prozent auf knapp 16 Milliarden Euro.

Vor allem das Automobil- und das Stahlgeschäft sind durch die Coronakrise belastet, teilte das Unternehmen mit. Auch die Kosten für eine Neuausrichtung drücken auf die Zahlen. Dadurch summierte sich das Minus zwischen Januar und Ende März auf 948 Millionen Euro. 2019 verzeichnete Thyssenkrupp einen Fehlbetrag von 173 Millionen Euro. In die erste Hälfte des Geschäftsjahres fiel damit ein Verlust von 1,3 Milliarden Euro an.

Martina Merz, Vorstandsvorsitzende bei Thyssenkrupp, lehnt an einem Stehtisch.
Martina Merz ist Vorstandsvorsitzende bei Thyssenkrupp. - Bild: Thyssenkrupp

Das ganze Ausmaß der Coronakrise sei für die Geschäfte des Konzerns dabei noch nicht vollständig absehbar, sagte die Vorstandsvorsitzende Martina Merz in einem schriftlichen Statement. Es sei aber bereits jetzt deutlich, dass die wirtschaftlichen Beeinträchtigungen sehr tiefe Spuren hinterlassen werden. Dennoch zeigte sich Merz auch positiv: Die eingeleiteten Restrukturierungen seien auf einem guten Weg. „Corona bremst zwar die Entwicklung, aber wir drücken weiter aufs Tempo“, erklärte die Vorstandsvorsitzende.

Thyssenkrupp: Aufzugsparte soll bald verkauft werden

So treibt Thyssenkrupp den Verkauf der Aufzugsparte weiter voran. Bis Ende des Geschäftsjahres soll das Geld dafür eingehen. Von 13 notwendigen Kartellfreigaben liegen dem Unternehmen zufolge bereits acht vor. Im Februar ist bekannt geworden, dass ein internationales Konsortium, zu dem die Finanzinvestoren Cinven und Advent sowie die RAG-Stiftung gehören, das Geschäft mit Aufzügen und Rolltreppen für 17,2 Milliarden Euro kauft.

Um die momentanen finanziellen Schwierigkeiten bis zum Verkauf der Aufzugsparte zu überbrücken, hat Thyssenkrupp aus dem KfW-Sonderprogramm einen Kredit über eine Milliarde Euro erhalten. Finanzchef Klaus Keysberg sieht das Unternehmen durch die Finanzspritze und die Einnahmen aus dem Verkauf der Aufzugsparte in einer guten Position, um die Krise zu überstehen. Liquidität sei in dieser Pandemie das wichtigste, erklärte er in einer Telefonkonferenz.

Im Zuge der Coronakrise wurden außerdem Werke geschlossen oder heruntergefahren. Weltweit sind derzeit 32.000 der 160.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit, sagte Keysberg.

Werk in Nordrhein-Westfalen wird geschlossen

Zu den angesprochenen Restrukturierungen zählt außerdem die Schließung des Autozulieferer-Werks in Olpe (Nordrhein-Westfalen) Ende 2021. Am Standort in Hagen soll die Produktion dann gebündelt werden, jedoch auch Stellen abgebaut werden. Insgesamt fallen dann in der Automobilzulieferersparte fast 500 Stellen weg.

In diesem Bereich spürt das Unternehmen die Folgen der Corona-Pandemie besonders stark. „Nachfrageausfälle ab Februar im weltgrößten Automobilmarkt China setzten sich im März in Europa mit Werksstillsetzungen der größten Kunden fort“, erklärte das Unternehmen.

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In der Stahlsparte, die Thyssenkrupp künftig stärken will, lagen Auftragseingang und Umsatz neun beziehungsweise elf Prozent unter dem Vorjahr. Auch hier belasten die gesunkene Nachfrage aus der Automobilindustrie das Ergebnis. Dazu kommt eine „strukturell äußerst herausfordernde Lage im Stahlmarkt“, so das Unternehmen.

Ende März hat der Konzern nach einer Einigung mit der IG Metall mit der Umsetzung der „Stahlstrategie 20-30“ begonnen. Dadurch soll langfristig die Technologieführerschaft und Wettbewerbsfähigkeit sichergestellt werden. Um das Stahlgeschäft zu sanieren, sollen rund 3.000 Stellen abgebaut werden – 2.000 in der Produktion und 1.000 in der Verwaltung.

Milliardenverlust im dritten Quartal?

Der Abwärtstrend im gesamten Unternehmen dürfte jedoch noch weitergehen: Der Industriekonzern hatte bereits Ende März seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr zurückgezogen. Es sei aber bereits absehbar, dass der Umsatz deutlich zurückgehen werde. Als Gründe nannte Thyssenkrupp die vorübergehenden Werksschließungen und Produktionsrücknahmen von Kunden. Im dritten Quartal  sei ein Verlust im hohen dreistelligen Millionenbereich wahrscheinlich und bis zu gut einer Milliarde Euro nicht auszuschließen, erklärte der Konzern.

Für Thyssenkrupp geht es nun darum, eine neue Strategie zu erarbeiten. Die Eckpfeiler dazu sollen dem Aufsichtsrat nächste Woche vorgestellt werden, sagte Merz.

Als Reaktion auf die schlechten Zahlen ist die Aktie des Unternehmens am Mittwochvormittag zeitweise um mehr als zwölf Prozent auf 4,24 Euro abgestürzt. Der Kurs erholte sich im Laufe des Tages jedoch wieder.

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