Maschinenbau-Gipfel: 3 Fragen an

Maschinenbau in Indien wächst zum Schlüsselmarkt

Der Maschinenbau in Indien profitiert von hohen Wachstumsraten, neuen Produktionskapazitäten und einem großen Binnenmarkt. Für deutsche Unternehmen wird vor allem die lokale Präsenz zum Erfolgsfaktor, sagt Rajesh Nath, Managing Director des VDMA in Indien.

Rajesh Nath ist Managing Director des VDMA in Indien.
Rajesh Nath ist Managing Director des VDMA in Indien.

Summary: Deutsche Maschinenbauer und internationale Unternehmen bauen ihr Engagement in Indien als Absatzmarkt, Produktionsstandort und Beschaffungsbasis aus. Der größte Hebel liegt derzeit in der lokalen Produktion, unterstützt durch staatliche Programme und neue Infrastruktur. Entscheidend sind eigene Teams, zuverlässiger Service, lokale Lieferanten und eine langfristige Marktstrategie, sagt VDMA India Managing Director Rajesh Nath.

Herr Nath, Indien wird zunehmend als möglicher Gegenspieler oder zumindest als strategische Ergänzung zu China gehandelt. In welchen Bereichen des Maschinen- und Anlagenbaus ist dieser Vergleich bereits realistisch – und wo greift die Formel „das neue China“ deutlich zu kurz?

Der Schlüsselmarkt Indien als Thema auf dem Maschinenbau-Gipfel 2026

Indien gewinnt für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau als Absatzmarkt, Produktionsstandort und Beschaffungsregion an Bedeutung. Entscheidend für einen nachhaltigen Markterfolg sind lokale Präsenz, angepasste Produkte, belastbare Partnerschaften sowie ein leistungsfähiges Vertriebs- und Servicenetz. Rajesh Nath, Direktor des VDMA Indien und Interviewpartner dieses Beitrags, wird das Thema „Indien – das neue China?“ auch auf dem Deutschen Maschinenbau-Gipfel 2026 vertiefen.

• Wann: 10. und 11. November 2026
• Wo: Vienna House Andel’s Berlin
• Website: www.maschinenbau-gipfel.de
• Vortrag von Rajesh Nath: 10. November 2026, 17:50 Uhr

Ich würde Indien nicht als das „neue China“, sondern als „das neue Indien“ bezeichnen. Beide Länder unterscheiden sich grundlegend – wirtschaftlich, politisch und demografisch.

China bleibt aufgrund seiner industriellen Tiefe, seiner hervorragend ausgebauten Lieferketten und seiner Exportorientierung in vielen Bereichen weiterhin führend. Indien entwickelt sich hingegen mit einem anderen Modell: als innovationsgetriebener, demokratischer und zunehmend technologieorientierter Produktionsstandort.

Besonders realistisch ist der Vergleich in Branchen wie Automobil- und Zulieferindustrie, Elektrotechnik, Maschinenbau, Prozessindustrie, Lebensmittelverarbeitung, Verpackungstechnologie sowie erneuerbare Energien. Hier investieren sowohl indische als auch internationale Unternehmen massiv in neue Produktionskapazitäten.

Die Zahlen sprechen für sich: Indien ist inzwischen die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Land wächst seit mehreren Jahren mit rund 6 bis 7 Prozent pro Jahr und gehört damit zu den dynamischsten großen Volkswirtschaften. Die verarbeitende Industrie soll bis 2047 einen Anteil von 25 Prozent am BIP erreichen. Deutschland exportierte 2025 Maschinen im Wert von rund 4,3 Milliarden Euro nach Indien – ein Rekordwert.

Dennoch greift die Bezeichnung „das neue China“ zu kurz. Indien punktet nicht durch niedrige Lohnkosten allein, sondern durch junge Talente, Digitalisierung, politische Stabilität, einen riesigen Binnenmarkt sowie eine enge Zusammenarbeit mit Europa im Rahmen der laufenden EU-Indien-Freihandelsverhandlungen.

Viele deutsche Unternehmen betrachten Indien zugleich als Absatzmarkt, Beschaffungsregion und Produktionsstandort. Welche dieser drei Rollen bietet derzeit das größte Potenzial – und welche Voraussetzungen müssen Unternehmen erfüllen, damit aus einem Markteintritt ein dauerhaft tragfähiges Geschäft wird?

Heute bietet Indien alle drei Chancen gleichzeitig – als Absatzmarkt, Produktionsstandort und Beschaffungsbasis. Wenn ich jedoch priorisieren müsste, würde ich sagen: Der größte Hebel liegt inzwischen im Aufbau lokaler Produktion.

Internationale Unternehmen produzieren heute nicht mehr nur für Indien, sondern zunehmend aus Indien für die Welt. Programme wie „Make in India“, „Production Linked Incentive (PLI)“ und die zahlreichen Freihandelsabkommen fördern diese Entwicklung erheblich.

Erfolgreiche Unternehmen investieren in lokale Teams, bauen ein starkes Vertriebs- und Servicenetz auf, entwickeln lokale Lieferanten, passen Produkte an den indischen Markt an und treffen Entscheidungen zunehmend vor Ort.

Viele unterschätzen, dass Kunden in Indien heute nicht nur eine gute Maschine erwarten, sondern auch schnellen Service, Ersatzteilverfügbarkeit, technische Beratung und langfristige Partnerschaften.

Indien ist deshalb kein kurzfristiger Exportmarkt, sondern ein Markt, der lokale Präsenz und Geduld belohnt.

Hohe Wachstumsraten und ein großer Binnenmarkt dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Infrastruktur, Bürokratie, lokale Wertschöpfungsvorgaben und regionale Unterschiede erhebliche Herausforderungen darstellen können. Welche typischen Fehler beobachten Sie bei deutschen Maschinenbauern – und wie lassen sich die Risiken im Indiengeschäft konkret begrenzen?

Die größte Herausforderung ist heute weniger Indien, sondern häufig die falsche Erwartungshaltung.

Ein typischer Fehler besteht darin, Indien als einen homogenen Markt zu betrachten. Tatsächlich ist Indien eher ein Kontinent mit sehr unterschiedlichen Regionen, Industrien und Kundenanforderungen.

Ein zweiter Fehler ist, den Markt ausschließlich aus Europa heraus steuern zu wollen. Erfolgreiche Unternehmen geben ihren indischen Teams mehr Verantwortung und treffen Entscheidungen näher am Kunden.

Ein weiterer Punkt ist die Preispositionierung. Deutsche Maschinenbauer verkaufen nicht über den niedrigsten Preis, sondern über Produktivität, Qualität, Energieeffizienz, Lebenszykluskosten und Zuverlässigkeit. Dieser Mehrwert muss den Kunden überzeugend vermittelt werden.

Natürlich gibt es weiterhin Herausforderungen – etwa bei Genehmigungsverfahren, Logistik oder regulatorischen Anforderungen. Gleichzeitig hat sich das Geschäftsumfeld in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.

Programme wie die Goods and Services Tax (GST), die Digitalisierung staatlicher Dienstleistungen, der Ausbau von Industriekorridoren, modernen Logistikparks und Expressways sowie die schnelle Entwicklung der digitalen Infrastruktur erleichtern Investitionen erheblich.

Mein Rat lautet daher: Nicht kurzfristig denken, sondern langfristig investieren.

Wer in Indien erfolgreich sein will, sollte nicht nur Maschinen verkaufen, sondern Vertrauen aufbauen, lokale Partnerschaften entwickeln und Teil des industriellen Ökosystems werden.

Denn Indien ist heute weit mehr als ein Wachstumsmarkt – es entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Partner für Innovation, Produktion und resilientere globale Lieferketten.

FAQ: Maschinenbau in Indien

• Warum gilt der Maschinenbau in Indien als Wachstumsmarkt? – Indien wächst seit mehreren Jahren um rund 6–7 % pro Jahr und investiert in neue industrielle Produktionskapazitäten.

• Welche Branchen treiben den Maschinenbau in Indien an? – Zu den wichtigsten Bereichen zählen Automobilindustrie, Elektrotechnik, Prozessindustrie, Lebensmittelverarbeitung, Verpackungstechnologie und erneuerbare Energien.

• Welche Rolle spielt lokale Produktion für den Maschinenbau in Indien? – Lokale Produktion ermöglicht die Belieferung des indischen Marktes und zunehmend auch den Export aus Indien in andere Weltregionen.

• Welche Voraussetzungen gelten für erfolgreichen Maschinenbau in Indien? – Entscheidend sind lokale Teams, ein leistungsfähiges Vertriebs- und Servicenetz, verfügbare Ersatzteile, lokale Lieferanten und angepasste Produkte.

• Welche Risiken bestehen für den Maschinenbau in Indien? – Herausforderungen liegen unter anderem in regionalen Unterschieden, Genehmigungsverfahren, Logistik, Regulierung und lokalen Wertschöpfungsvorgaben.