Der Hermle-Auftragseingang wächst kräftiger als erwartet. Im ersten Halbjahr 2026 steigen Bestellungen, Umsatz und Ergebnis des Werkzeugmaschinen- und Automationsspezialisten deutlich.
Redaktion ProduktionRedaktionProduktion
Hermle setzt auf Komplettbearbeitung und Automation. Hier im Bild das Bearbeitungszentrum C22 MT.Hermle
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Warum steigt der Hermle-Auftragseingang?
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Die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG hat sich in den ersten sechs Monaten 2026 dynamischer entwickelt als erwartet. Wie das Unternehmen mitteilt, profitierte der schwäbische Werkzeugmaschinen- und Automationsspezialist von einer anhaltend hohen Nachfrage aus Zukunftsbranchen wie der Chipindustrie und der Luft- und Raumfahrt sowie aus dem Verteidigungsbereich. Hinzu kamen größere Einzelprojekte und Bestellungen aus dem Start-up-Bereich.
Der Hermle-Auftragseingang erhöhte sich im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16,1 % auf 273,9 Mio. EUR. Im Inland stiegen die Bestellungen um 11,3 % auf 76,1 Mio. EUR. Aus dem Ausland gingen Aufträge über 197,8 Mio. EUR ein, ein Plus von 18,1 %.
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Zum 30. Juni 2026 verfügte der Hermle-Konzern über einen Auftragsbestand von 125,3 Mio. EUR. Ein Jahr zuvor waren es 113,1 Mio. EUR, Ende 2025 lag der Wert bei 90,6 Mio. EUR.
Hermle steigert Umsatz und Auslastung
Der hohe Bestelleingang schlug sich auch im Geschäftsvolumen nieder. Von Januar bis Juni 2026 wuchs der Konzernumsatz um 7,9 % auf 239,2 Mio. EUR. Im Inland erzielte Hermle 65,8 Mio. EUR und damit 11,1 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Auslandsumsatz legte um 6,8 % auf 173,4 Mio. EUR zu.
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In den USA verzeichnete das Unternehmen unter anderem durch weitergegebene Zölle nominal erneut einen überdurchschnittlichen Anstieg. Konzernweit erreichte die Exportquote 72,5 %, nach 73,3 % im Vorjahr.
Die gute Nachfrage und die schnelle Bearbeitung der Bestellungen sorgten zugleich für eine deutlich bessere Kapazitätsauslastung als im ersten Halbjahr 2025.
Wie verbessert Hermle das Ergebnis?
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Neben der Auslastung wirkten mehrere weitere Faktoren ergebnissteigernd. Dazu gehörten der Abschluss besonders ertragreicher Einzelprojekte, Verschiebungen im Produktmix und günstige Wechselkurseinflüsse. Hinzu kam ein Sondereffekt durch die Auflösung von Risikovorsorge im Zusammenhang mit Kundenaufträgen aus dem Start-up-Bereich.
Diese Effekte kompensierten laut Hermle zunehmende Belastungen durch steigende Personalkosten und bürokratischen Aufwand. Das Betriebsergebnis, EBIT, stieg dadurch von 15,3 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum auf 25,6 Mio. EUR.
Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich von 16,7 Mio. EUR auf 26,2 Mio. EUR. Die Bruttoumsatzmarge erhöhte sich von 7,5 % auf 11,0 %. Unter dem Strich stieg der Periodenüberschuss von 11,8 Mio. EUR auf 18,8 Mio. EUR.
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Wachstumsdynamik dürfte im zweiten Halbjahr sinken
Für die zweite Jahreshälfte rechnet Hermle allerdings mit einer Abschwächung der Wachstumsdynamik. Ein Grund dafür ist der Basiseffekt durch die bereits gute Entwicklung im zweiten Halbjahr 2025.
Zudem wurde das erste Halbjahr 2026 stark von der Nachfrage aus neuen Industrien sowie von Kunden mit Start-up-Charakter geprägt. Nach Einschätzung des Unternehmens kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass sich diese Bestelltätigkeit fortsetzt.
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Hinzu kommen konjunkturelle und geopolitische Unwägbarkeiten. Beim Ergebnis entfallen zudem die positiven Sondereffekte des ersten Halbjahres. Wegen der handelspolitischen Spannungen rechnet Hermle weiterhin mit steigendem Materialaufwand und Währungsrisiken.
Was erwartet Hermle für das Gesamtjahr 2026?
Trotz dieser Faktoren zeigt sich Hermle zuversichtlich, im Gesamtjahr das obere Ende der zu Jahresbeginn veröffentlichten Prognosespanne zu erreichen. Das würde einem Umsatzplus von rund 10 % und einem Konzernergebnis etwa auf Vorjahresniveau entsprechen.
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Das Negativszenario der Prognose erscheint nach Angaben des Unternehmens inzwischen zunehmend unwahrscheinlich. Wegen weiterhin bestehender potenzieller Belastungen, unter anderem im Beschaffungsbereich, schließt Hermle dieses Szenario jedoch nicht vollständig aus.
Hermle erhöht Investitionen deutlich
Die Vermögens- und Finanzlage bezeichnet Hermle als unverändert solide. Zum 30. Juni 2026 lag die Eigenkapitalquote bei 71,7 %, verglichen mit 72,5 % Ende 2025. Die liquiden Mittel erhöhten sich im gleichen Zeitraum von 81,3 Mio. EUR auf 124,7 Mio. EUR.
Der operative Cashflow stieg im ersten Halbjahr um 37,4 % auf 27,2 Mio. EUR. Gleichzeitig erhöhten sich die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte von 9,2 Mio. EUR auf 16,2 Mio. EUR. Nach Unternehmensangaben konnten diese wie bei Hermle üblich aus eigener Kraft finanziert werden.
Das Ausbau- und Modernisierungsprogramm für die Standorte wurde fortgeführt. Im Mittelpunkt steht der Bau eines neuen Technologie- und Schulungszentrums am Firmensitz in Gosheim. Der Bezug ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
Wie entwickelt sich die Beschäftigung bei Hermle?
Zum 30. Juni 2026 beschäftigte der Konzern 1.636 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum Vorjahresstichtag waren es 1.607, Ende 2025 insgesamt 1.639.
Der Zuwachs gegenüber Juni 2025 entstand hauptsächlich durch die Übernahme erfolgreich ausgebildeter Auszubildender und dual Studierender sowie durch die Neubesetzung der frei gewordenen Ausbildungsplätze. Die Zahl der Nachwuchskräfte in Ausbildung oder Studium stieg von 111 auf 127.
Punktuell stellte Hermle zudem Beschäftigte in Automation, Entwicklung, IT und Auslandsservice ein. Auch in der Verwaltung gab es Neueinstellungen, um den zunehmenden bürokratischen Aufwand zu bewältigen.
Neue Lösungen für Komplettbearbeitung und Automation
In Forschung und Entwicklung konzentrierte sich Hermle im Berichtszeitraum auf die Vertiefung und Verbreiterung der Kompetenzen in Komplettbearbeitung und Automation.
Auf der Branchenfachmesse AMB in Stuttgart will das Unternehmen im September 2026 zwei Produktneuheiten präsentieren: das hochintegrierte Komplettbearbeitungszentrum C 22 MT und das Robotersystem RS 1 GEN2.
Mit diesen Innovationen will Hermle Potenziale für konjunkturunabhängiges organisches Wachstum schaffen. Mittelfristig geht das Unternehmen weiterhin von einem intakten Bedarf an hocheffizienten, hochpräzisen und dynamischen Bearbeitungszentren und Automationslösungen aus. Dabei setzt Hermle auf Anwenderorientierung sowie die Erschließung zusätzlicher wachstumsstarker Branchen und Regionen.
Was Sie zum Thema Hermle-Auftragseingang wissen müssen
Wie hoch ist der Hermle-Auftragseingang im ersten Halbjahr 2026? – Der Hermle-Auftragseingang steigt um 16,1 % auf 273,9 Mio. EUR.
Wie entwickelt sich der Umsatz beim steigenden Hermle-Auftragseingang? – Der Konzernumsatz wächst um 7,9 % auf 239,2 Mio. EUR.
Welche Branchen treiben den Hermle-Auftragseingang? – Hermle nennt unter anderem die Chipindustrie, Luft- und Raumfahrt, den Verteidigungsbereich sowie Bestellungen aus dem Start-up-Bereich.
Welche Ergebnisentwicklung begleitet den Hermle-Auftragseingang? – Das EBIT steigt im ersten Halbjahr 2026 von 15,3 Mio. EUR auf 25,6 Mio. EUR.
Welche Prognose gibt Hermle nach dem starken Auftragseingang? – Für 2026 hält das Unternehmen das obere Ende seiner Prognosespanne mit rund 10 % Umsatzwachstum und einem Konzernergebnis etwa auf Vorjahresniveau für erreichbar.