Insolvenzen im Maschinenbau bleiben auf hohem Niveau
Die Insolvenzen im Maschinenbau bleiben laut Falkensteg-Report Teil einer angespannten Industrielage. Großinsolvenzen verharren auf hohem Niveau, zugleich finden deutlich mehr Unternehmen über Asset Deals und Insolvenzpläne eine Fortführung.
Die Anzahl der Insolvenzen im Maschinenbau bleibt laut Falkensteg-report hoch. Großinsolvenzen stagnieren, während Asset Deals häufiger Unternehmen fortführen.Symbolbild - KI-generiert
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Metallwarenhersteller, Automobilzulieferer und Maschinenbau bilden den industriellen Schwerpunkt der Großinsolvenzen.
Im Maschinenbau wurden im zweiten Quartal 2026 elf Verfahren gezählt; insgesamt gab es 105 Großinsolvenzen.
Die Positivquote abgeschlossener Verfahren stieg auf 64 %, vor allem Asset Deals tragen zur Fortführung bei.
Konjunkturerwartungen hellen sich auf, die Realwirtschaft zeigt laut Insolvenzreport bislang aber keine klare Wende.
Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland hat sich im zweiten Quartal 2026 auf hohem Niveau eingependelt. 105 Unternehmen mit mehr als 10 Mio. EUR Umsatz stellten einen Insolvenzantrag. Das waren nahezu genauso viele wie im Vorquartal mit 104 Fällen und knapp 12 % mehr als im zweiten Quartal 2025 mit 94 Fällen, wie aus dem 5-nach-12-Insolvenzreport von Falkensteg hervorgeht.
Für die Industrie bleibt die Situation damit angespannt. Metallwarenhersteller führen die Branchenstatistik mit 14 Fällen an. Dahinter folgen die Automobilzulieferindustrie mit zwölf und der Maschinenbau mit elf Verfahren. Damit gehört der Maschinenbau weiterhin zu den drei besonders betroffenen Industriezweigen. Gegenüber dem Vorquartal blieb die Zahl der Verfahren im Maschinenbau unverändert.
Auch im längerfristigen Vergleich bleibt das Niveau der Großinsolvenzen hoch. Das zweite Quartal lag mit 105 Verfahren 40 % über dem Fünfjahresdurchschnitt von 75 Fällen. Im ersten Halbjahr summierten sich die Anträge auf 209 und lagen damit knapp 4 % unter dem Vorjahreswert von 217.
Nach dem Einbruch der Insolvenzanträge im ersten Quartal 2026 um 27,7 % gegenüber dem Schlussquartal 2025 blieb der sonst übliche Rebound aus. Gleichzeitig verschiebt sich die Größenstruktur der betroffenen Unternehmen.
Mit 50 Fällen entfiel zwar weiterhin knapp die Hälfte der Anträge auf Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 10 und 19 Mio. EUR. Oberhalb von 100 Mio. EUR stieg die Zahl jedoch gegenüber dem Vorjahresquartal von sieben auf zwölf Fälle. Zusammen mit zwölf Unternehmen aus der Umsatzklasse zwischen 50 und 99 Mio. EUR gerieten damit 24 größere Unternehmen dieser beiden Segmente in die Krise.
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Bei den Verfahrensarten gewinnt zudem die Regelinsolvenz deutlich an Bedeutung. 81 der 105 Verfahren beziehungsweise gut 77 % entfielen darauf. Das waren neun Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Die Eigenverwaltung ging dagegen von 30 auf 21 Verfahren zurück, hinzu kamen drei Schutzschirmverfahren. Damit sank der Anteil der mit dem ESUG gestärkten Sanierungsinstrumente auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren.
„Alarmierend ist vor allem, dass die Zahl der Eigenverwaltungen einbricht: Wer erst zum Gericht geht, wenn fast nichts mehr geht, hat die Sanierung in Eigenregie bereits verspielt“, sagt Jonas Eckhardt, Partner bei FalkenSteg und Autor der Studie. „Von Entspannung kann keine Rede sein, auch wenn die Stimmungsindikatoren für die Konjunktur nach oben drehen.“
Maschinenbau zwischen Hoffnung und schwacher Realwirtschaft
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Konjunkturell treffen die hohen Insolvenzzahlen auf erste positivere Stimmungsindikatoren. Der HCOB-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg im Juli auf 52,2 Punkte und damit auf ein Viermonatshoch. Auch das ifo-Geschäftsklima legte seit seinem Tiefpunkt im April den dritten Monat in Folge auf 86,6 Punkte zu.
Die realwirtschaftlichen Zahlen zeigen nach Darstellung des Reports bislang jedoch keine eindeutige Wende. Die Industrieproduktion ohne Energie und Bau stagnierte im Juni gegenüber dem Vormonat. Im Produzierenden Gewerbe insgesamt ergab sich ein Plus von 0,2 %, das im Wesentlichen auf die Automobilindustrie mit 3,6 % und den Sonstigen Fahrzeugbau mit 8,4 % zurückging. In den energieintensiven Industriezweigen sank die Produktion dagegen um 1,8 %.
Auch bei den Auftragseingängen relativiert sich das Bild. Ein Anstieg von 3,1 % kehrte sich ohne Großaufträge in ein Minus von 0,5 % um. Der VDMA hatte einen vergleichbaren Ordersprung im Frühjahr als Sondereffekt eingeordnet, der keinen Beginn eines breiten Aufschwungs markiere, und seine Produktionsprognose für 2026 auf null gesenkt.
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„Es gibt aktuell eine Divergenz zwischen aufhellender Erwartung und schwacher Realwirtschaft“, sagt Eckhardt. Es bleibe abzuwarten, inwieweit die Realwirtschaft noch nachziehe.
Wie häufig finden insolvente Unternehmen einen Käufer?
Während die Insolvenzanträge auf hohem Niveau verharren, entwickelt sich die Ausgangsseite positiver. Im zweiten Quartal wurden 70 Verfahrenslösungen gezählt, rund 10 % weniger als die 78 Abschlüsse im Vorquartal. Dennoch mündeten 45 der 70 Verfahren in eine Fortführung. Die Positivquote erhöhte sich dadurch von 55 auf 64 %. Ein Jahr zuvor waren es 48 %.
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Entscheidend ist vor allem der Asset Deal. Seine Zahl stieg von 35 auf 37 Fälle. Damit entfielen 53 % aller Verfahrensausgänge auf diese Lösung. Die Sanierung über einen Insolvenzplan verharrte dagegen seit drei Quartalen bei acht Fällen.
Gleichzeitig gingen negative Ausgänge zurück. Die Zahl der Masseunzulänglichkeiten sank von 17 auf zehn und hat sich damit gegenüber dem Vorjahreswert von 26 mehr als halbiert. Hinzu kamen 15 Betriebseinstellungen. Insgesamt sank der Anteil negativer Verfahrensausgänge von 45 % im Vorquartal auf knapp 36 %. Im Vorjahresquartal hatte er noch bei 52 % gelegen.
Trotz der höheren Positivquote bleibt ein wesentlicher Belastungsfaktor bestehen: Insolvenzverfahren benötigen zunehmend mehr Zeit. Die 2026 abgeschlossenen Fälle dauerten im Durchschnitt 8,2 Monate. Im Jahr 2020 waren es 5,4 Monate.
„Es gibt Käufer, aber häufig kaum Kaufpreise“, sagt Eckhardt. „Jeder zweite Verfahrensausgang ist ein Asset Deal. Die schlechte Nachricht ist die Zeit: 8,2 Monate bis zur Lösung sind anderthalbmal so lang wie 2020, als ein Verfahren durchschnittlich 5,4 Monate dauerte. In dieser Zeit verliert ein Betrieb Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter – also genau das, wofür ein Käufer zahlt.“
Damit öffnet sich laut Insolvenzreport die Schere zwischen der Zahl neuer Anträge und abgeschlossener Lösungen weiter. Für Industrieunternehmen und damit auch für den Maschinenbau bleibt neben der Zahl der Insolvenzen deshalb die Geschwindigkeit der Sanierungsprozesse ein wesentlicher Faktor.
Managemententscheidungen im Fokus der Industriekrise
Prof. Dr. Harro Heilmann von der Hochschule Aalen sieht die Insolvenzwelle nahe ihrem Höhepunkt und die Konjunktur in einer Bodenbildung. Insolvenzen seien ein Spätindikator. Große Krisen würden sich mit einer Verzögerung von zwei bis drei Jahren in den Zahlen niederschlagen. Als Auslöser nennt Heilmann Corona, den Ukrainekrieg und die Energiepreise. Das Corona-Moratorium habe die Entwicklung zusätzlich nach hinten verschoben.
Einen generellen strukturellen Niedergang der deutschen Industrie sieht Heilmann dagegen nicht. Er verweist neben staatlichen Rahmenbedingungen vor allem auf Managemententscheidungen. Insbesondere in der Automobilindustrie seien Absatzentwicklungen zu lange fortgeschrieben und neue Technologien zu spät ernst genommen worden.
„China ist nicht schuld, dass der Acht- und Zwölfzylinder-Absatz in den Keller rauschte.“
Für den Maschinenbau ist diese Einschätzung vor dem Hintergrund der aktuellen Insolvenzzahlen relevant: Die Branche steht mit elf Großinsolvenzen im zweiten Quartal weiterhin weit vorne in der Statistik. Gleichzeitig zeigen die konjunkturellen Signale bislang kein einheitliches Bild. Während Erwartungen und Stimmungsindikatoren steigen, bleibt die reale Entwicklung schwach. Ob daraus eine nachhaltige Bodenbildung entsteht, bleibt nach Einschätzung der im Insolvenzreport zitierten Experten abzuwarten.
Was Sie zum Thema Insolvenzen im Maschinenbau wissen müssen
• Wie viele Insolvenzen im Maschinenbau gab es im zweiten Quartal 2026? – Der Maschinenbau verzeichnete elf Großinsolvenzen und damit genauso viele wie im Vorquartal.
• Wo stehen Insolvenzen im Maschinenbau im Branchenvergleich? – Mit elf Verfahren liegt der Maschinenbau hinter Metallwarenherstellern mit 14 und der Automobilzulieferindustrie mit zwölf Fällen.
• Wie entwickeln sich Insolvenzen im Maschinenbau im konjunkturellen Umfeld? – Stimmungsindikatoren hellen sich auf, während die realwirtschaftlichen Daten laut Insolvenzreport bislang keine eindeutige Wende zeigen.
• Welche Rolle spielen Asset Deals bei Insolvenzen im Maschinenbau und anderen Branchen? – Asset Deals machten im zweiten Quartal 53 % aller abgeschlossenen Großinsolvenzverfahren aus und waren damit die häufigste positive Lösung.
• Warum bleibt die Lage bei Insolvenzen im Maschinenbau angespannt? – Großinsolvenzen liegen insgesamt 40 % über dem Fünfjahresdurchschnitt, während die Regelinsolvenz an Bedeutung gewinnt und Verfahren länger dauern.