Skalierung im Mittelstand

Fertigungsskalierung wird zum Wettbewerbsthema

Zwischen Prototyp und Großserie verlieren viele Mittelständler wertvolle Zeit. Warum dieser Übergang zum Standortfaktor wird und wie die digitale Beschaffung ihn beschleunigt.

Das Portfolio von Facturee reicht vom Prototyp über die Kleinserie zur Großserie.
Vom Prototyp über die Kleinserie zur Großserie.

Die Debatte um den Industriestandort Deutschland konzentriert sich meist auf große Stellschrauben: Energiepreise, Bürokratie, Fachkräftemangel. Weniger im Blick ist ein Problem, das sich in nahezu jedem Fertigungsbetrieb wiederholt: Sobald ein Bauteil von der Kleinserie in die Großserie wechselt, beginnt der Beschaffungsprozess faktisch von neuem.

Der Prototypenbauer, der ein Einzelstück in wenigen Tagen liefert, verfügt selten über die Kapazität für eine Serie von mehreren hundert oder tausend Teilen. Der Einkauf muss also neue Lieferanten identifizieren, neu anfragen, neu verhandeln. In einem Umfeld, in dem internationale Wettbewerber zunehmend schneller skalieren können, wird dieser Reibungsverlust zum handfesten Nachteil.

Besonders in technologieintensiven Schlüsselbranchen wie der industriellen Automation, der Robotik und der Medizintechnik ist diese Verzögerung kritisch. Wer hier langsamer vom Prototypen in die Serie kommt als die Konkurrenz, verliert nicht nur Zeit, sondern im Zweifel den Marktanteil.

Redundanz als Kostenfaktor

Jeder Lieferantenwechsel zieht Kosten nach sich, die in der ursprünglichen Kalkulation selten auftauchen. Werkstoffzeugnisse nach EN 10204, branchenspezifische Freigaben wie NADCAP oder AS/EN 9100 sowie interne Qualitätsnachweise müssen bei jedem Wechsel neu verhandelt und dokumentiert werden. Und das unabhängig davon, dass sich am Bauteil selbst nichts verändert hat.

Hinzu kommt ein strategisches Risiko. Wer bei jedem Stückzahlsprung faktisch bei null beginnt, verliert die Verhandlungsposition, die durch kontinuierliche Zusammenarbeit über mehrere Fertigungsstufen entstehen würde. Skaleneffekte, die eigentlich mit steigender Stückzahl zu sinkenden Stückkosten führen sollten, werden durch wiederholte Einführungskosten neuer Partner teilweise wieder aufgezehrt.

Das betrifft nicht nur einzelne Fertigungsverfahren. Ob CNC-Fräs- und Drehteile, Blechbiegeteile oder additive Verfahren wie SLM, die Anforderungen ändern sich oft mit der Losgröße. Dasselbe trifft das benötigte Material. Seien es Aluminium, Edelstahl oder Sonderlegierungen wie Titan. Muss für jedes Verfahren oder Material ein neuer Spezialist gesucht werden, multipliziert sich der administrative Aufwand im Einkauf zusätzlich.

Digitale Beschaffung als Antwort auf ein strukturelles Problem

Digitale Beschaffungsplattformen setzen genau an diesem Punkt an, indem sie Daten, Qualitätsdokumentation und Lieferantennetzwerk durchgängig über alle Fertigungsstufen hinweg verzahnen. Ein Beispiel ist der Berliner Online-Fertiger FACTUREE, der über 2.000 qualifizierte Fertigungspartner europa- und weltweit bündelt – vom Prototypenbauer bis zum Serienfertiger mit entsprechender Kapazität.

Für den Einkauf bedeutet das einen einmaligen statt einen wiederkehrenden Aufwand. CAD-Daten, Zeichnungen und Spezifikationen werden zentral hinterlegt und stehen jeder weiteren Fertigungsstufe automatisch zur Verfügung. Die Preiskalkulation basiert dabei auf realen Fertigungsdaten aus über 600.000 Datenpunkten zu Preisen, Lieferzeiten und Fertigungswissen pro Lieferant. Angebote für unterschiedliche Stückzahl-Szenarien lassen sich so in kurzer Zeit gegenüberstellen. Der Einkauf trifft die Entscheidung für den Wechsel von der Kleinserie zur Großserie datenbasiert, statt aus Termindruck.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Versorgungssicherheit. Durch die Diversifikation des Lieferantennetzwerks kann bei Kapazitätsengpässen eines Partners nahtlos auf einen alternativen Fertiger umgeschaltet werden, ohne dass Qualitätsdokumentation oder Prozessdaten neu aufgebaut werden müssen. Ein Aspekt, der angesichts anhaltender Lieferkettenrisiken an Bedeutung gewinnt.

Wie ein deutsches Maschinenbau-Unternehmen schneller skaliert

Wie sich das auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirkt, zeigt die CeiliX Technology GmbH. Das Unternehmen entwickelt mit dem InfinityCrane ein schienengeführtes Deckenkransystem. Dabei ohne eigene Einkaufsabteilung, aber mit dem Anspruch, schnell vom Prototyp in die Serienfertigung zu kommen. Statt selbst ein Lieferantennetzwerk aufzubauen, setzte CeiliX von Beginn an auf FACTUREE als zentrale Beschaffungsschnittstelle.

Schienengeführtes Deckenkransystem von CeiliX Technology.
SkyRunner-Antriebseinheiten des InfinityCrane im Einsatz – beschafft über FACTUREE.

„Mit Hilfe von FACTUREE konnten wir die Time-to-Market unseres InfinityCrane deutlich verkürzen", so CTO Dr.-Ing. Torsten Siedel. Der InfinityCrane läuft mittlerweile in fünf Ländern, die Serienfertigung wird schrittweise ausgebaut. Für ein wachsendes deutsches  Technologieunternehmen ohne große Einkaufsabteilung war die durchgängige Beschaffungslösung damit ein direkter Hebel für internationale Skalierung.

Skalierungsfähigkeit ist keine Nebensache mehr

Der Übergang zwischen Prototyp, Klein- und Großserie war lange eine reine Organisationsfrage. In einem Umfeld mit volatilen Lieferketten und wachsendem internationalem Wettbewerbsdruck wird er zu einem echten Standortfaktor. Wer diesen Übergang nicht aktiv steuert, sondern bei jedem Stückzahlsprung reaktiv neu verhandelt, verliert Zeit, die deutsche Wettbewerber sich angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen kaum noch leisten können.

Digitale Beschaffungsplattformen liefern dafür ein pragmatisches Werkzeug: durchgängige Datenkontinuität, Kostentransparenz über Stückzahlstufen hinweg und Zugang zu einem skalierbaren Lieferantennetzwerk. Für den deutschen Mittelstand ist das kein Nice-to-have, sondern zunehmend ein Wettbewerbsfaktor mit direktem Einfluss auf Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz.

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