Nach einem Jahr

EU-US-Zolldeal: Industrie zieht gemischte Bilanz

Ein Jahr nach dem EU-US-Zolldeal fällt die Bilanz der deutschen Industrie gemischt aus. BDI und VDA sehen mehr Stabilität, zugleich bleiben hohe branchenspezifische US-Zölle bestehen.

Ein Jahr nach der Einigung zwischen der Europäischen Union und den USA blicken Verbände gespalten auf das bilaterale Handelsabkommen.
Ein Jahr nach der Einigung zwischen der Europäischen Union und den USA blicken Verbände gespalten auf das bilaterale Handelsabkommen.

• EU und USA einigten sich am 27. Juli 2025 in Turnberry nach einem monatelangen Zollkonflikt.

• Der EU-US-Zolldeal begrenzte Aufschläge auf die meisten europäischen Einfuhren zunächst auf maximal 15 %.

• BDI und VDA kritisieren weiterhin hohe US-Zölle auf Stahl, Aluminium, Pkw, Nutzfahrzeuge und Teile.

• Der BDI sieht nur bedingte Stabilität, während die Automobilindustrie von spürbaren beziehungsweise erheblichen Belastungen spricht.

Ein Jahr nach der Einigung zwischen der Europäischen Union und den USA bewerten deutsche Industrieverbände das bilaterale Handelsabkommen unterschiedlich. Vor allem bei branchenspezifischen Zöllen sehen der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Verband der Automobilindustrie (VDA) weiterhin Belastungen.

"Der Turnberry-Deal hat für die Industrie bisher nur bedingt Stabilität gebracht. Das Abkommen war immer ein schmerzhafter Kompromiss", sagte Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDI.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump hatten sich am 27. Juli 2025 im schottischen Turnberry nach einem monatelangen Zollkonflikt verständigt. Um Details wurde anschließend noch mehrere Wochen gerungen. Am 21. August 2025 folgte die gemeinsame Erklärung zum bilateralen Handelsabkommen.

Welche Zollregeln brachte die Einigung?

Auf die meisten europäischen Einfuhren durfte seitdem maximal ein Aufschlag von 15 % des Warenwertes erhoben werden. Brüssel machte im Gegenzug Zugeständnisse und schaffte unter anderem EU-Zölle auf US-Industriegüter ab.

Seit Ende Juli liegt der pauschale Zollsatz für EU-Importe in die USA aufgrund einer anderen Grundlage bei 10 %, wie eine Sprecherin der EU-Kommission der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Positiv bewertet der BDI, dass sich die USA "größtenteils" an die vereinbarte Obergrenze eines Zolls von 15 % hielten. Für einzelne Branchen bleiben allerdings deutlich höhere Belastungen bestehen.

Stahl und Aluminium bleiben Streitpunkt

Keine Lösung gibt es nach Angaben des BDI weiterhin für die teils 50-prozentigen Zölle auf Stahl und Aluminium. Auch für bestimmte Lkw-Einfuhren gelten weiterhin Sätze von 25 %.

"Bei den Zöllen auf Stahl- und Aluminiumprodukte droht nach zwischenzeitlichen Verbesserungen wieder eine Ausweitung der US-Maßnahmen", kritisierte Niedermark.

Damit fällt die Bilanz des Verbands ein Jahr nach dem EU-US-Zolldeal nur teilweise positiv aus. Die allgemeine Zollobergrenze schafft zwar in weiten Teilen einen Rahmen, mehrere industriepolitisch relevante Produktgruppen sind davon jedoch nicht in gleichem Maße erfasst.

Warum kritisiert der VDA den EU-US-Zolldeal?

Auch aus der Automobilindustrie kommt Kritik. Für Pkw und deren Teile gelten in den USA weiterhin Zölle von 15 %.

"Die aktuellen US-Zölle in Höhe von 15 Prozent für Pkw und deren Teile stellen weiterhin eine spürbare Herausforderung für die deutsche Automobilindustrie dar", sagte ein Sprecher des VDA.

Zusätzlich verweist der Verband auf die Belastungen bei Nutzfahrzeugen. Die "sehr hohen zusätzlichen US-Zölle auf europäische Nutzfahrzeuge und deren Teile eine erhebliche Belastung für die betroffenen Unternehmen" darstellten, kritisierte der Sprecher.

Vor dem Amtsantritt von Trump lag der Zollsatz für Pkw noch bei 2,5 %. Damit bleiben insbesondere die Bedingungen für die Automobilindustrie auch ein Jahr nach der Verständigung ein zentraler Kritikpunkt der Verbände.

Mit Material der dpa

Was Sie zum Thema EU-US-Zolldeal wissen müssen

• Wann wurde der EU-US-Zolldeal vereinbart? – Ursula von der Leyen und Donald Trump verständigten sich am 27. Juli 2025 in Turnberry. Die gemeinsame Erklärung folgte am 21. August 2025.

• Welche Zollobergrenze sah der EU-US-Zolldeal vor? – Für die meisten europäischen Einfuhren durfte maximal ein Aufschlag von 15 % des Warenwertes erhoben werden.

• Welche Branchen kritisieren den EU-US-Zolldeal besonders? – BDI und VDA verweisen vor allem auf Belastungen bei Stahl, Aluminium, Pkw, Nutzfahrzeugen und entsprechenden Teilen.

• Warum bewertet der BDI den EU-US-Zolldeal kritisch? – Der Verband sieht nur bedingte Stabilität und bemängelt insbesondere weiterhin hohe branchenspezifische Zölle.

• Welche Belastungen sieht der VDA beim EU-US-Zolldeal? – Der VDA bezeichnet die 15-%-Zölle auf Pkw und Teile als spürbare Herausforderung und kritisiert zusätzliche Zölle auf Nutzfahrzeuge und deren Teile.