"Bildung im Blindflug?", fragt Andreas Syska in seiner Kolumne. Denn die Bildungspolitik entwickelt sich zum Risiko für den Standort Deutschland. Doch die Industrie reagiert darauf auffällig zurückhaltend.
Prof. Dr. Andreas SyskaProf. Dr. AndreasSyska
Die Bildungspolitik entwickelt sich zum Risiko für den Industriestandort, schreibt Andreas Syska.contrastwerkstatt - stock.adobe.com
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Bildung ist Deutschlands einziger Rohstoff. Aus ihr wachsen Wissen, Kompetenz und Innovationskraft. Gut ausgebildete Fachkräfte sind das Fundament der Industrie und sichern unseren Wohlstand. Doch dieser Rohstoff wird knapper, quantitativ wie qualitativ. Denn immer weniger junge Menschen treten in den Arbeitsmarkt ein, und viele sind schlechter vorbereitet als je zuvor.
Die regelmäßig veröffentlichten Pisa-Studien belegen seit Jahren die schleichende Erosion der für eine Industrienation wichtigen MINT-Fächer. In der Öffentlichkeit wird dies meist nur achselzuckend zur Kenntnis genommen.
Auch die Industrie reagiert hierauf auffällig zurückhaltend. Forderungen an die Politik nach niedrigen Energiepreisen, weniger Steuern und weniger Bürokratie werden mit Vehemenz vorgetragen. Von einer Forderung nach besserer Bildung hört man aber wenig.
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Was ist los? Hat die Industrie keine Erwartungen mehr an die Bildungspolitik und gleicht die schulischen Defizite in ihren Ausbildungswerkstätten aus eigener Kraft aus? Oder hofft sie, mit der Automatisierung von Denkarbeit diese Lücken schließen zu können?
Die unübersehbare Präsenz des Themas „KI in der Produktion“ legt diesen Gedanken ja nahe. Vielleicht setzt die Industrie aber auch weiterhin auf den Import von Know-how durch die Zuwanderung Hochqualifizierter. Das ist gewagt, denn im globalen Wettbewerb um Talente ist Deutschland nicht gerade die erste Wahl.
Warum jetzt eine klare Bildungsstrategie nötig ist
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Nach einem überzeugenden Konzept sieht dies alles nicht aus. Eher nach einem Prinzip des Durchwurschtelns, mit dem schon ganz andere Themen in diesem Land über Jahre vernachlässigt wurden. Dies kann nicht das Modell für die Bildung sein.
Wenn Wissen tatsächlich von zentraler Bedeutung für dieses Land ist, dann muss die Sicherung seiner Basis mit höchster Dringlichkeit verfolgt werden. Ansonsten wird aus schleichender Erosion ein strukturelles Problem, das sich nicht mehr beseitigen lässt. Wer Bildung nur als gesellschaftliche Aufgabe betrachtet, verkennt ihre industriepolitische Dimension.
Wer sie nur politisch adressiert, unterschätzt die eigene Verantwortung. Wer sie überhaupt nicht adressiert, setzt den Industriestandort aufs Spiel.
Die Faszination für Produktion begleitet ihn sein gesamtes Berufsleben lang. Nach Maschinenbaustudium und Promotion an der RWTH Aachen war er bei der Robert Bosch GmbH tätig, zuletzt als Produktionsleiter.
Als Professor für Produktionsmanagement an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach gab er seinen Studenten und Industriepartnern ein größtmögliches Stück dieser Faszination weiter und entwirft radikale, wie optimistische Szenarien für die Industrie der Zukunft.