Wenn Werkstoffe zum Engpass werden
Hightech konstruiert? Intelligentes Sourcing fertigt!
Hochleistungswerkstoffe sind in der Konstruktion angekommen, doch in der Fertigung fehlt oft das nötige Know-how. Online-Fertigung und intelligentes Sourcing zeigen, wie sich das Material-Skill-Gap schließen und die resiliente Lieferkette stärken lässt.
Fertigungsnetzwerke lassen sich als digitales Kompetenzlager nutzen – und werden damit zum Baustein für eine resiliente Lieferkette.
FACTUREE
In
Entwicklungsabteilungen deutscher Industriebetriebe gehören
Hochleistungswerkstoffe längst zum Alltag. Titanlegierungen, Inconel oder
technische Hochleistungskunststoffe wie PEEK ermöglichen leichtere,
hitzebeständigere und langlebigere Bauteile. Konstruktion und Simulation sind
darauf eingestellt.
In der Fertigung
zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild. Die Bearbeitung dieser Materialien
verlangt Erfahrung, abgestimmte Werkzeuge und stabile Prozesse. Schon geringe
Abweichungen bei Schnittgeschwindigkeit, Kühlung oder Werkzeugauswahl können zu
Ausschuss, Werkzeugbruch oder Maschinenstillstand führen.
Hier entsteht das,
was Branchenbeobachter als Material-Skill-Gap bezeichnen: eine Lücke
zwischen konstruktivem Anspruch und fertigungstechnischer Realität. Der
Fachkräftemangel verschärft diese Situation zusätzlich. Gefragt sind
spezialisierte Zerspanungsmechaniker mit Erfahrung in anspruchsvollen
Werkstoffen – ein Profil, das am Markt zunehmend schwer zu finden ist.
Für Werksleiter und
Einkauf wird daraus eine strategische Frage: Wird Innovation durch fehlende
Inhouse-Expertise gebremst? Oder steigt das Prozessrisiko in der Fertigung?
Reicht klassische
Lohnfertigung noch aus?
Traditionell wird
externe Fertigungskapazität dann eingekauft, wenn Maschinen oder Personal
fehlen. Doch bei komplexen Werkstoffen genügt reine Kapazität nicht.
Entscheidend ist die spezifische Kompetenz.
Hier setzt das
Konzept des intelligenten Sourcing an. Im Mittelpunkt steht nicht die
Auslastung einer Maschine, sondern die Frage: Wer kann genau dieses Bauteil aus
genau diesem Werkstoff prozesssicher fertigen?
Moderne
Online-Fertigung nutzt digitale Plattformen und Algorithmen, um
Bauteilgeometrie, Materialanforderungen und verfügbare Maschinenparks
systematisch abzugleichen. Dabei spielen drei Aspekte eine zentrale Rolle:
- Algorithmisches Design for Manufacturing (DfM): Bereits beim Upload der CAD-Daten werden Geometrie, Toleranzen und Material analysiert. Kritische Wandstärken oder potenzielle Verzugseffekte lassen sich frühzeitig erkennen.
- Spezialisierung durch Netzwerkstrukturen: Statt eines Generalisten wird gezielt ein Fertigungspartner ausgewählt, dessen Maschinenpark und Werkzeugstrategie auf den jeweiligen Werkstoff abgestimmt sind.
- Virtualisierte Expertise: Das notwendige Werkstoff- und Prozesswissen muss nicht vollständig im eigenen Werk vorgehalten werden. Es wird über digitale Schnittstellen zugänglich und projektbezogen nutzbar.
Online-Fertigung
wird damit zu einem Instrument, um fehlende Spezialkenntnisse flexibel zu
ergänzen – ohne langfristige Investitionen in Spezialmaschinen oder Schulungen.
Wie entsteht
daraus eine resiliente Lieferkette?
Resilienz in der
Industrie bedeutet heute mehr als alternative Lieferanten zu benennen. Eine
resiliente Lieferkette zeichnet sich dadurch aus, dass sie auf technologische
Veränderungen, Materialengpässe oder Obsoleszenzen reagieren kann.
Gerade bei
Zeichnungsteilen mit anspruchsvollen Werkstoffen wird das relevant. Fällt ein
Lieferant aus oder wird ein Material abgekündigt, müssen Alternativen schnell
bewertet und qualifiziert werden. Hier verbindet sich intelligentes Sourcing
mit Obsoleszenzmanagement.
Digitale
Fertigungsnetzwerke können:
- auf mehrere qualifizierte Partner für denselben Werkstoff zugreifen
- Materialzertifikate zentral prüfen und dokumentieren
- bei Bedarf alternative Fertigungsstrategien identifizieren.
Damit verschiebt
sich der Fokus von der reinen Beschaffung einzelner Teile hin zu einer
strategischen Steuerung von Werkstoff- und Prozesskompetenz.
Welche Rolle
spielt FACTUREE in diesem Ökosystem?
Als Online-Fertiger
agiert FACTUREE in diesem Kontext als zentraler Ansprechpartner zwischen
Industrieunternehmen und einem internationalen Produktionsnetzwerk. Das
Unternehmen greift nach eigenen Angaben auf mehr als 2.000 geprüfte
Fertigungspartner mit über 15.000 Maschinen weltweit zu.
Der Ansatz: Für jede
Material- und Geometrieanforderung wird ein geeigneter Spezialist aus dem
Netzwerk identifiziert. FACTUREE übernimmt dabei die Koordination,
Qualitätssicherung und vertragliche Verantwortung. Materialprüfungen – etwa
nach EN 10204 – sowie die Dokumentation erfolgen zentral.
Für Kunden bedeutet
das: Sie erhalten Zeichnungsteile aus unterschiedlichen Werkstoffen über einen
Vertragspartner, ohne selbst mehrere Spezialisten steuern zu müssen. Das kann
insbesondere bei Prototypen, Kleinserien oder technologisch anspruchsvollen Komponenten
in Branchen wie Maschinenbau, Medizintechnik, Robotik oder Automotive relevant
sein.
Gleichzeitig bleibt
die Fertigungstiefe im eigenen Werk flexibel skalierbar. Projekte lassen sich
extern abbilden, ohne dauerhaft in Spezialmaschinen oder seltene Werkstoffkompetenzen
investieren zu müssen.
Wird
Online-Fertigung zum strategischen Baustein?
Die Diskussion um
das Material-Skill-Gap zeigt: Technologischer Fortschritt in der Konstruktion
erfordert neue Modelle in der Beschaffung. Online-Fertigung ist dabei weniger
ein kurzfristiger Kapazitätsausgleich als vielmehr ein strategisches
Instrument.
Indem
Werkstoffkompetenz digital zugänglich wird, entsteht eine Art „virtuelles
Kompetenzlager“. Unternehmen können auf spezialisiertes Know-how zugreifen,
ohne es vollständig selbst vorzuhalten. In Zeiten von Fachkräftemangel,
steigender Variantenvielfalt und zunehmender Obsoleszenz wird das zu einem
Faktor für Wettbewerbsfähigkeit.
Eine resiliente
Lieferkette entsteht somit nicht allein durch Lagerbestände oder
Mehrquellenstrategien, sondern durch vernetztes, intelligentes Sourcing.
Online-Fertigung kann hier einen strukturellen Beitrag leisten – insbesondere
dort, wo Materialkompetenz zur kritischen Ressource wird.