Kamikaze-Drohnen für die Bundeswehr

Bundeswehr investiert Milliarden in Kamikaze-Drohnen

Die ersten Kamikaze-Drohnen von Stark Defence sollen bald an die Bundeswehr ausgeliefert werden. Der Rahmenvertrag umfasst 2,9 Mrd. EUR. Die erste Charge ist für die deutsche Brigade in Litauen vorgesehen.

Kamikaze-Drohne Virtus von Stark Defence: Das System soll künftig auch bei der Bundeswehr zum Einsatz kommen. Die erste Charge ist für die deutsche Brigade in Litauen vorgesehen.

  • Stark Defence plant, bald mit der ersten Lieferung von Kamikaze-Drohnen an die Bundeswehr zu beginnen.

  • Die erste Charge im Wert von 275 Mio. EUR soll an die deutsche Brigade in Litauen gehen.

  • Der Rahmenvertrag mit Stark Defence hat ein Volumen von 2,9 Mrd. EUR; für 1 Mrd. EUR hat der Bundestag bereits grünes Licht gegeben.

  • Die Virtus-Drohnen können mit KI-gestützter Software im Verbund gesteuert und mit Aufklärungsdrohnen vernetzt werden.

Wann starten die Lieferungen der Kamikaze-Drohnen?

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht vor der ersten Auslieferung seiner Kampfdrohnen an die Bundeswehr. "Wir planen, bald mit der ersten Auslieferung an die Bundeswehr zu beginnen", sagte Josef Kranawetvogl, Senior Vice President des Berliner Unternehmens, der dpa auf der Rüstungsmesse Euro Defence Expo (Eudex) in Essen.

Die erste Charge hat demnach einen Wert von 275 Mio. EUR. Angaben zur Stückzahl machte Kranawetvogl nicht. Insgesamt erhielt Stark Defence einen Rahmenvertrag über 2,9 Mrd. EUR. Für 1 Mrd. EUR davon hat der Bundestag bereits grünes Licht gegeben. Auch Helsing und Rheinmetall erhielten milliardenschwere Verträge.

Bei den Systemen handelt es sich um sogenannte Loitering Munition, auf Deutsch herumlungernde Munition. Diese Fluggeräte werden auch als Kamikaze-Drohnen bezeichnet.

Virtus fliegt bis zu 130 Kilometer weit

Die von Stark Defence an die Bundeswehr verkaufte Virtus-Drohne kann nach Herstellerangaben bis zu 75 Minuten in der Luft bleiben und eine Strecke von bis zu 130 Kilometern zurücklegen. Spätestens dann soll sie sich auf ein erkanntes feindliches Ziel stürzen und explodieren. Wird kein feindliches Objekt erkannt, soll die Drohne dort abstürzen und explodieren, wo sich niemand befindet.

Das Modell Virtus wiegt bis zu 33 Kilogramm. Kleine Propeller an den vier Flügeln ermöglichen Start und Flug.

Stark Defence wurde 2024 als Start-up gegründet und beschäftigt 750 Mitarbeiter. Die Zentrale befindet sich in Berlin, Produktionsstandorte gibt es in Großbritannien, Schweden und Griechenland. Die Virtus-Drohne ist auch in der Ukraine im Einsatz. Im Raum Kiew betreibt Stark zwei weitere Werke, deren genaue Standorte geheim sind.

Neben Deutschland und der Ukraine zählen weitere europäische Staaten zu den Kunden. Angaben zu Umsatz sowie Gewinn oder Verlust veröffentlicht das Unternehmen nicht.

Wie kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz?

Kranawetvogl betrachtet Drohnen als Ergänzung und nicht als Ersatz für schweres Gerät wie Panzer und Artillerie. Zugleich könnten unbemannte Systeme dazu beitragen, den akuten Personalmangel westlicher Armeen zu lindern.

"Ein Operator kann mit softwareunterstützten KI-Mechanismen mehrere Drohnen steuern." Die Kontrolle verbleibe dabei weiterhin beim Menschen.

Die Virtus verfügt über zwei Kameras und kann zudem mit Aufklärungsdrohnen verbunden werden. Diese können der Kampfdrohne ein Ziel zuweisen. Der Preis pro Virtus liege bei weniger als 100.000 EUR, erklärt Kranawetvogl. "Der Panzer, der damit ausgeschaltet werden kann, kostet mehrere Millionen Euro - der finanzielle Vorteil des Drohnen-Einsatzes ist groß."

Drohnen treffen auf neuen Panzerschutz

Parallel zur Weiterentwicklung von Drohnen schreitet im Ukraine-Krieg auch der Schutz von Panzern voran. Die russische Seite setzt unter anderem auf Käfigkonstruktionen um Panzer, die Schäden durch heranfliegende Drohnen minimieren sollen.

Eine Anti-Panzer-Drohne kann einen Gefechtskopf tragen, der bei der Explosion einen flüssigen Kupferstrahl erzeugt. Dieser soll den Panzerstahl durchdringen. Wird der Mechanismus durch einen Käfig zu früh ausgelöst, kann der Strahl seine vorgesehene Wirkung gegen den Panzerstahl verfehlen.

Warum setzt Stark auf Drohnen-Schwärme?

Nach Einschätzung des früheren Bundeswehr-Offiziers Kranawetvogl lassen sich Schwachstellen solcher Käfigkonstruktionen finden. "Und selbst wenn das nicht gelingt: Drohnen sind normalerweise als Schwärme unterwegs, also zwei, drei oder vier Drohnen zusammen - hat eine von ihnen den Käfig zerstört, kann sich die zweite auf den Panzer stürzen."

Die Vernetzung mehrerer Systeme spielt damit eine wichtige Rolle beim Einsatzkonzept der Drohnen. Softwareunterstützte KI-Mechanismen sollen es zugleich ermöglichen, dass ein einzelner Operator mehrere Fluggeräte steuert.

Die erste Charge soll Kranawetvogl zufolge nach Litauen zur dort stationierten deutschen Brigade gehen. Stark Defence befinde sich dazu in engem Austausch mit der Bundeswehr.

Auch ein weiterer Einsatztermin ist bereits vorgesehen: "Im November haben wir in Litauen eine Nato-Übung, da werden unsere Systeme im Einsatz sein." Bei Übungen tragen die Drohnen keinen Sprengstoff. Dank ihrer Propeller können sie anschließend wieder landen.

mit Material der dpa

Was Sie zum Thema Kamikaze-Drohnen wissen müssen

  • Wann liefert Stark Kamikaze-Drohnen an die Bundeswehr? – Die erste Auslieferung soll nach Angaben des Unternehmens bald beginnen. Die erste Charge ist für die deutsche Brigade in Litauen vorgesehen.

  • Wie groß ist der Auftrag für Kamikaze-Drohnen? – Stark Defence erhielt einen Rahmenvertrag über 2,9 Mrd. EUR. Die erste Charge hat einen Wert von 275 Mio. EUR.

  • Welche Reichweite haben die Kamikaze-Drohnen? – Die Virtus kann laut Hersteller bis zu 75 Minuten fliegen und eine Strecke von bis zu 130 Kilometern zurücklegen.

  • Wie nutzt Stark KI bei Kamikaze-Drohnen? – Softwareunterstützte KI-Mechanismen ermöglichen laut Stark, dass ein Operator mehrere Drohnen steuert. Der Mensch behält dabei die Kontrolle.

  • Was kostet eine Kamikaze-Drohne vom Typ Virtus? – Nach Angaben von Stark-Manager Kranawetvogl liegt der Preis pro Virtus-Drohne bei unter 100.000 EUR.