Die Verteidigungsindustrie entwickelt sich für den Maschinenbau zum Wachstumsmarkt. Laut VDMA erwarten 43 % der bereits aktiven Unternehmen bis 2030 mindestens eine Umsatzverdopplung. Zugleich bestehen erhebliche Markteintrittshürden.
Anja RingelAnjaRingelManaging editor and podcast host for 'Produktion'
Warum wächst die Verteidigungsindustrie für den Maschinenbau? Eine VDMA-Umfrage zeigt hohe Umsatzerwartungen bis 2030 und Markthürden.Daniel Ernst - stock.adobe.com
Anzeige
43 % der bereits im Sicherheits- und Verteidigungssektor aktiven Maschinenbaufirmen erwarten bis 2030 mindestens eine Verdopplung ihres Umsatzes in diesem Geschäftsfeld.
Für 2027 rechnen 35 % der aktiven Unternehmen mit einem Wachstum von mindestens 15 %. An der VDMA-Umfrage beteiligten sich gut 330 Mitgliedsunternehmen.
61 % der Befragten sehen konkrete Einsatzmöglichkeiten für Fertigungs- und Produktionstechnologien. 92 % der aktiven Firmen können ihre Lieferungen binnen zwölf Monaten ausweiten.
Fehlende Kundenkontakte, langwierige Beschaffungsprozesse und regulatorische Anforderungen bremsen den Marktausbau. Dennoch erwägen 29 % der bislang nicht aktiven Unternehmen einen Einstieg.
Die europäische Verteidigungsindustrie gewinnt für den Maschinen- und Anlagenbau zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Der Ausbau der europäischen Sicherheitsarchitektur eröffnet insbesondere Zulieferern von Fertigungstechnologien, Komponenten und Baugruppen neue Geschäftsmöglichkeiten. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen VDMA-Umfrage, an der gut 330 Mitgliedsunternehmen teilgenommen haben.
Obwohl das Geschäft mit Sicherheit und Verteidigung für die meisten Maschinenbauunternehmen bislang nur einen kleinen Teil des Gesamtumsatzes ausmacht, sind die Wachstumserwartungen hoch. Eine überwiegende Mehrheit der in diesem Bereich tätigen Unternehmen erzielt dort derzeit höchstens 10 % ihres Gesamtumsatzes.
Wie stark wächst das Geschäft mit der Verteidigungsindustrie?
Anzeige
Für das laufende Jahr 2026 erwarten 29 % der bereits im Sicherheits- und Verteidigungssektor aktiven Maschinenbaufirmen ein Umsatzwachstum von mindestens 15 %. Weitere 32 % rechnen mit Zuwächsen zwischen 5 und 15 %.
Sie wollen mehr über den Deutschen Maschinenbau-Gipfel wissen? Klicken Sie hier!
Für 2027 fallen die Prognosen noch optimistischer aus. Dann erwarten 35 % der Unternehmen ein Wachstum von mindestens 15 %, während weitere 39 % von Steigerungen zwischen 5 und 15 % ausgehen.
Auch langfristig rechnen die Unternehmen mit einer positiven Entwicklung. Bis 2030 erwarten 43 % der bereits aktiven Maschinenbaufirmen mindestens eine Verdopplung ihres Umsatzes im Sicherheits- und Verteidigungssektor. Weitere 46 % prognostizieren ein leichtes Wachstum.
Anzeige
Die Ergebnisse verdeutlichen, welche wirtschaftliche Bedeutung das Verteidigungsgeschäft innerhalb des Maschinen- und Anlagenbaus gewinnen könnte.
Fertigungstechnologien für Europas Verteidigungsfähigkeit
Der Maschinen- und Anlagenbau sieht seine wichtigste Rolle in der Bereitstellung industrieller Fertigungs- und Produktionstechnologien. Laut VDMA-Umfrage erkennen 61 % der befragten Unternehmen in diesem Bereich konkrete Einsatzmöglichkeiten.
Anzeige
Weitere Geschäftsfelder umfassen Drohnen- und Drohnenabwehrsysteme, Sensorik und Elektronik, Werkstoffe, den Schutz kritischer Infrastruktur sowie Künstliche Intelligenz, Software und Digitalisierung.
Dabei erfolgt die Beteiligung an der Wertschöpfung der Verteidigungsindustrie überwiegend indirekt. Maschinenbauunternehmen liefern vor allem Komponenten und Baugruppen entlang der industriellen Lieferkette.
„Der Maschinen- und Anlagenbau bildet das Rückgrat einer souveränen und widerstandsfähigen europäischen Sicherheitsarchitektur. Wir liefern die Fertigungstechnik, die Komponenten und das Know-how, mit denen die Produktion hochgefahren werden kann. Die Umfrage zeigt deutlich: Unsere Branche steht bereit, Verantwortung zu übernehmen und Kapazitäten flexibel auszubauen“, erläutert Andreas Evertz, Vorsitzender des VDMA Forum Security and Defence Industry (SDI) und CEO der Flender Gruppe.
Anzeige
Expertentalk: Maschinenbau trifft Defence – Synergien für eine neue Ära der Sicherheit
Termin: Dienstag, 01.12.2026 | 14:00 Uhr
Wie nutzen Industrieunternehmen die Wachstumschancen der Sicherheits- und Verteidigungsbranche?
Erfahren Sie im exklusiven PRODUKTION-Expertentalk, wie Sie etabliertes Fertigungs-Know-how für Defence-Anforderungen skalieren und regulatorische Hürden meistern. Im Gespräch: Bernd Kögel, Geschäftsführer DSEI Germany, und Stefan Weinzierl, Chefredakteur PRODUKTION,
Kerninhalte:
Technologietransfer: Präzision und Automatisierung für Defence-Anforderungen nutzen.
Resilienz & Supply Chain: Höchste Sicherheits- und Zertifizierungsstandards verankern.
Marktzugang: Dual-Use-Potenziale in einem hochregulierten Umfeld erschließen.
Welche Kapazitäten kann der Maschinenbau bereitstellen?
Die Maschinenbauunternehmen verfügen nach eigenen Angaben über erhebliche Möglichkeiten, ihre Lieferungen an die Verteidigungsindustrie kurzfristig auszuweiten. 92 % der bereits im Verteidigungssektor aktiven Unternehmen sehen sich in der Lage, ihre Liefermengen innerhalb der kommenden zwölf Monate zu erhöhen.
Für den Kapazitätsausbau greifen die Betriebe auf unterschiedliche Personalmaßnahmen zurück. Jedes sechste Unternehmen stellt zusätzliche Beschäftigte ein. Weitere 14 % setzen Personal aus anderen Geschäftsbereichen ein.
Anzeige
Damit bestehen innerhalb der Branche Möglichkeiten, zusätzliche Nachfrage aus dem Sicherheits- und Verteidigungssektor zu bedienen.
Markteintritt in die Verteidigungsindustrie bleibt schwierig
Trotz der hohen Wachstumserwartungen stehen Maschinenbauunternehmen beim Ausbau ihres Verteidigungsgeschäfts vor erheblichen Herausforderungen.
Anzeige
Zu den wichtigsten Hindernissen zählen fehlende Kontakte zu potenziellen Auftraggebern, langwierige Beschaffungsprozesse, hohe regulatorische Anforderungen sowie unzureichende Kenntnisse der Beschaffungsstrukturen.
Diese Schwierigkeiten betreffen nicht nur bereits etablierte Zulieferer. Auch Maschinenbauunternehmen, die bislang nicht in der Verteidigungsindustrie tätig sind, nennen Regulierung und fehlende Kundenkontakte als wesentliche Einstiegshürden.
Dennoch erwägen 29 % dieser bislang nicht aktiven Unternehmen einen Markteintritt.
„Unsere Industrie bietet Spitzentechnologien, die auf nunmehr offenere, stark wachsende Märkte im Defence-Feld treffen. Es ist absehbar, dass wir massiv Marktanteile gewinnen werden. Dies unterstützen wir mit Matchmaking und Markterschließungsformaten im In- und Ausland“, sagt Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer.
Was Sie zum Thema Verteidigungsindustrie wissen müssen
Wie stark wächst die Verteidigungsindustrie für den Maschinenbau? Laut VDMA erwarten 29 % der bereits aktiven Maschinenbaufirmen für 2026 mindestens 15 % Umsatzwachstum in diesem Sektor. Für 2027 rechnen 35 % mit entsprechenden Zuwächsen.
Welche Umsatzpotenziale bietet die Verteidigungsindustrie bis 2030? 43 % der bereits aktiven Unternehmen erwarten bis 2030 mindestens eine Verdopplung ihres Umsatzes im Sicherheits- und Verteidigungssektor. Weitere 46 % rechnen mit leichtem Wachstum.
Welche Technologien liefert der Maschinenbau an die Verteidigungsindustrie? Im Mittelpunkt stehen Fertigungs- und Produktionstechnologien, Komponenten und Baugruppen. Weitere Einsatzfelder sind Drohnensysteme, Sensorik, Elektronik, Werkstoffe, KI und Digitalisierung.
Welche Hürden bestehen beim Einstieg in die Verteidigungsindustrie? Zu den größten Herausforderungen zählen fehlende Kundenkontakte, langwierige Beschaffungsverfahren, regulatorische Anforderungen und mangelnde Kenntnisse der Beschaffungsstrukturen.