Weiterbildung im Maschinenbau im KI-Zeitalter

Weiterbildung im Maschinenbau: KI fordert neue Skills

Weiterbildung im Maschinenbau wird zur strategischen Aufgabe. Dr. Irene Bader, Mitglied des Vorstands bei DMG Mori, erklärt, warum die Grundlagen wichtig bleiben, KI aber neue Kompetenzen verlangt und kontinuierliches Lernen entscheidend ist.

Die Anforderungen an Fachkräfte im Maschinenbau verändern sich mit der technologischen Entwicklung.
Die Anforderungen an Fachkräfte im Maschinenbau verändern sich mit der technologischen Entwicklung.

  • Dr. Irene Bader sieht in der Aus- und Weiterbildung eine zentrale Voraussetzung, um Beschäftigte auf den technologischen Wandel im Maschinenbau vorzubereiten.

  • Mechanisches Verständnis und handwerkliche Fähigkeiten bleiben unverzichtbar. Gleichzeitig gewinnen KI-Kompetenzen und der Umgang mit automatisierten Systemen an Bedeutung.

  • Unternehmen sollten kontinuierliche Weiterbildung ermöglichen und Beschäftigten dafür ausreichend Zeit sowie bedarfsgerechte Qualifizierungsangebote bereitstellen.

  • Neben technologischen Fähigkeiten werden präzise Kommunikation, kritisches Denken und die Bewertung von KI-Ergebnissen zu wichtigen Kompetenzen.

Die Anforderungen an Beschäftigte im Maschinenbau verändern sich. Für Dr. Irene Bader, Mitglied des Vorstands bei DMG Mori, beginnt die Antwort darauf bereits bei der Ausbildung. Entscheidend sei zunächst, dass Unternehmen ein gemeinsames Bewusstsein dafür entwickeln, welche Bedeutung die nächste Generation sowie Aus- und Weiterbildung haben. Dazu gehöre auch, jungen Menschen Orientierung und Perspektiven zu bieten. Ein entsprechendes Umfeld könne etwa ein Ausbildungszentrum schaffen. Gleichzeitig müsse sich Ausbildung mit den technologischen Veränderungen weiterentwickeln.

Das bedeute jedoch nicht, dass bewährte Grundlagen an Bedeutung verlieren. „Dieses Grundkonstrukt einer Ausbildung, zum Beispiel in der Mechanik, ist selbstverständlich gleich geblieben“, sagt Bader im Podcast Industry Insights. Es brauche weiterhin gutes Handwerk, „um Maschinen zu bauen, zu innovieren und zu verstehen“.

Parallel dazu habe sich der Maschinenbau selbst stark verändert. Bader beschreibt die Branche als global vernetzt, hochtechnologisch, automatisiert und in vielen Bereichen KI-basiert. Unternehmen müssten junge Menschen deshalb auch an diese Entwicklung heranführen. „Natürlich verändert sich hier auch die Ausbildung, auch wenn das Grundkonstrukt eines mechanischen Verständnisses selbstverständlich auch in der Zukunft bleiben wird.“

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Weiterbildung ist eine Investition in die Zukunft

Nicht nur Berufseinsteiger müssen neue Kompetenzen erwerben. Auch langjährige Beschäftigte benötigen nach Baders Einschätzung kontinuierliche Weiterbildung. Gerade bei gut gefüllten Auftragsbüchern könne Qualifizierung allerdings schnell in den Hintergrund geraten. Genau deshalb müsse das Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass diese Zeit nicht verloren gehe.

„Schlussendlich und in Summe fehlt diese Zeit ja dann nicht, sondern sie ist eine Investition in die Zukunft“, sagt Bader. Mitarbeitende müssten den notwendigen Raum bekommen, sich in unterschiedlichen Bereichen weiterzuentwickeln. Als Ansatz nennt sie ein Bausteinsystem, auf das Beschäftigte und Führungskräfte je nach Bedarf zugreifen können. Damit wird Weiterbildung aus ihrer Sicht zu einer dauerhaften Aufgabe und nicht zu einer punktuellen Maßnahme.

Eine besondere Herausforderung liegt darin, heute festzulegen, welche Fähigkeiten Beschäftigte in drei oder fünf Jahren benötigen werden. Bader beschäftigt diese Frage nach eigener Aussage täglich. Sie spricht dabei weniger von einer einmaligen Entscheidung als von einem permanenten Denk- und Lernprozess. Führungskräfte müssten selbst verfolgen, wie sich Technologien verändern und welche Konsequenzen daraus für die Belegschaft entstehen.

Als Beispiel nennt sie Künstliche Intelligenz. Um sich ein Bild von aktuellen Entwicklungen zu machen, habe sie sich bei einem Aufenthalt im Silicon Valley unter anderem mit Unternehmen sowie Forschenden und Studierenden ausgetauscht.

Entscheidend sei anschließend, dieses Wissen weiterzugeben und innerhalb des Unternehmens das Bewusstsein für Veränderungen zu schärfen. „Das, was wir heute denken und wie wir uns das heute vorstellen, kann natürlich in einem Jahr schon wieder anders sein“, sagt Bader. Deshalb müsse immer wieder neu gefragt werden: „Welche Skills brauchen wir, in welche Richtung müssen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen – egal in welcher Altersstruktur?“

Mehr Einblicke von Irene Bader gibt es in der aktuellen Podcast-Folge:

KI verändert Produkt und Arbeitsprozesse zugleich

Beim Einsatz von KI unterscheidet Bader zwei Richtungen. Zum einen gehe es darum, Künstliche Intelligenz in Innovationen und Entwicklungen einzusetzen. Dafür benötigten Entwickler und Ingenieure ein entsprechendes Verständnis der Technologie. Zum anderen beschäftigt sich das Unternehmen laut Bader damit, wie KI Beschäftigte in operativen Aufgaben unterstützen kann. Dabei gehe es ausdrücklich auch um Mitarbeitende außerhalb von Entwicklung und Produktion.

„Da brauchen wir in allen Bereichen ein Learning, ein Lernen, ein Am-Ball-Bleiben, ein Verständnis“, sagt sie. Beschäftigte müssten lernen, KI-Werkzeuge in operativen Prozessen sinnvoll einzusetzen. Die Technik allein reiche dafür nicht aus.

Für Bader bleibt der Mensch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz der entscheidende Faktor. „Es braucht ja nach wie vor den Menschen, der der Ermöglicher dieser KI ist.“

Entscheidend sei nicht nur, dass Systeme entwickelt werden können. Menschen müssten auch festlegen, wie sie damit umgehen und welche Ergebnisse sie übernehmen. Das beginnt für Bader bereits bei der Kommunikation mit KI-Systemen. „Kann ich gut kommunizieren, kann ich auch gut prompten?“, beschreibt sie eine zentrale Frage.

Einen unreflektierten Umgang hält sie für den falschen Weg. Wer lediglich eine allgemeine Anfrage in ein KI-System eingebe und das Ergebnis anschließend ungeprüft übernehme, schöpfe die Möglichkeiten nicht sinnvoll aus. Stattdessen müsse kritisches Denken gefördert werden. Beschäftigte sollten Ergebnisse hinterfragen und lernen, ihre Anforderungen möglichst präzise zu formulieren.

Kommunikation mit Menschen und Maschinen wird zur Kompetenz

Damit verändert sich nach Baders Einschätzung auch das Verständnis von Kommunikation im Arbeitsalltag. „Wir kommunizieren einerseits mit den Menschen und wir müssen auch lernen, gut mit den Maschinen zu kommunizieren.“

Für sie laufen mehrere Entwicklungen zusammen: der Generationenwechsel, neue Formen der Kommunikation, der Umgang mit KI und die Fähigkeit zum kritischen Denken. Gerade Letzteres sei generationenübergreifend wichtig. Informationen dürften nicht ungeprüft übernommen und weitergegeben werden. Das sei sowohl gesellschaftlich als auch innerhalb eines Unternehmens relevant.

Was Sie zum Thema Weiterbildung im Maschinenbau wissen müssen

  • Warum wird Weiterbildung im Maschinenbau immer wichtiger? Automatisierung, globale Vernetzung und Künstliche Intelligenz verändern die Anforderungen an Beschäftigte. Kontinuierliche Qualifizierung hilft, neue technologische Kompetenzen aufzubauen.

  • Welche Rolle spielt KI bei der Weiterbildung im Maschinenbau? KI erfordert neue Fähigkeiten in Entwicklung, Produktion und operativen Unternehmensbereichen. Dazu gehören technologisches Verständnis, der Umgang mit KI-Werkzeugen und die Bewertung ihrer Ergebnisse.

  • Welche Kompetenzen stehen bei der Weiterbildung im Maschinenbau im Mittelpunkt? Neben mechanischen und handwerklichen Grundlagen gewinnen KI-Kompetenzen, präzise Kommunikation, kritisches Denken und kontinuierliche Lernbereitschaft an Bedeutung.

  • Wie können Unternehmen die Weiterbildung im Maschinenbau organisieren? Dr. Irene Bader empfiehlt, Beschäftigten ausreichend Zeit für Qualifizierung einzuräumen. Ein modulares Bausteinsystem kann bedarfsgerechte Weiterbildungsangebote ermöglichen.

  • Warum ist Weiterbildung im Maschinenbau eine Zukunftsinvestition? Die für Qualifizierung eingesetzte Arbeitszeit dient dem langfristigen Kompetenzaufbau. Beschäftigte können sich dadurch auf veränderte Technologien und Arbeitsprozesse vorbereiten.