Das Digitalisierungsbudget vieler Unternehmen wächst 2026 deutlich. Gleichzeitig zeigt sich: Trotz steigender Investitionen – insbesondere in KI – bleiben Reifegrad, Strategie und Umsetzung häufig hinter den Erwartungen zurück.
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Digitale Dokumentenverwaltung als Teil wachsender Digitalisierungs- und KI-Budgets in Unternehmen.Alek - stock.adobe.com
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Summary: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen
erhöhen laut Horváth ihr Digitalisierungsbudget um durchschnittlich 30 %. Ein
Drittel fließt in KI, doch viele Anwendungen gelten als unreif. Fehlende
Strategien, klare Verantwortlichkeiten und mangelnde Integration bremsen den
Nutzen.
Wie entwickelt sich das Digitalisierungsbudget 2026?
Unternehmen investieren zunehmend in digitale Technologien.
Wie aus der „Digital Value Studie“ der Managementberatung Horváth hervorgeht,
erhöhen 67 % der befragten Firmen ihr Digitalisierungsbudget – im Durchschnitt
um 30 %. Ein wachsender Anteil entfällt dabei auf künstliche
Intelligenz: Rund 30 % der Budgets fließen bereits in KI-Technologie und deren
Implementierung. Die hohe Investitionsbereitschaft wird laut Studie nicht nur
durch tatsächlichen Bedarf getrieben, sondern auch durch intensiven
Vertriebsdruck von Anbietern.
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Warum bleibt der Nutzen der KI-Investitionen begrenzt?
Trotz steigender Ausgaben bewerten viele Unternehmen die
verfügbaren Lösungen kritisch. 66 % der Befragten stufen die Reife vieler
KI-Angebote als unzureichend ein. Gleichzeitig ist die Investitionsbereitschaft
des Topmanagements für KI höher als für andere Technologien. „Die Investitionsbereitschaft ist nach einem Jahr der
Verunsicherung und des Zögerns deutlich gestiegen – und KI ist längst kein
Addon mehr, sondern integraler Bestandteil der Digitalbudgets. Entscheidend ist
jetzt, den Wertbeitrag systematisch zu steuern, anstatt nur Projekte zu
addieren“, sagt Rainer Zierhofer, Studienleiter und Partner bei Horváth.
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Welche strategischen Defizite bestehen?
Ein zentrales Problem liegt in der strategischen
Ausrichtung. Nur etwa jedes zweite Unternehmen verfügt über eine ganzheitliche
Digitalisierungsstrategie mit klar definierten Zielen. Ein Viertel arbeitet mit Teilstrategien, 19 % verfolgen
lediglich bereichsspezifische Ansätze und 4 % agieren vollständig ohne
strategische Grundlage. Diese Fragmentierung erschwert eine konsistente
Umsetzung. Zudem wird die Komplexität vieler Digitalisierungsprojekte
unterschätzt. Nur ein Drittel der Unternehmen bewertet systematisch die
Umsetzungsrisiken geplanter Maßnahmen. „Damit ist eine Implementierungsschwäche quasi
vorprogrammiert – was oft in einer negativen Kosten-/Nutzen-Bilanz resultiert,
zu Frust führt und dadurch auch die Akzeptanz für diese Maßnahmen reduziert“,
so Zierhofer.
Wer trägt die Verantwortung für das
Digitalisierungsbudget?
Die Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen Regionen.
In Deutschland liegt die Verantwortung für Digitalisierung überwiegend bei CIOs
oder der IT-Leitung (70 %). In den USA hingegen ist die Verantwortung häufiger auf
CEO-Ebene angesiedelt. Dadurch ist Digitalisierung dort stärker mit
unternehmerischen Zielen verknüpft. Die starke technische Verankerung in Deutschland birgt laut
Studie das Risiko, dass Business-Mehrwert, Kundennutzen und neue
Geschäftsmodelle in den Hintergrund treten.
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Wie wird der Wertbeitrag gemessen?
Die Bewertung des Digitalisierungsbudgets erfolgt oft
unzureichend. Nur 44 % der Unternehmen messen den Wertbeitrag regelmäßig im
Rahmen eines etablierten Prozesses. Weitere 25 % analysieren ad hoc, 20 % lediglich einmalig und
11 % gar nicht. Deutsche Unternehmen schneiden hier vergleichsweise besser ab:
73 % geben an, regelmäßig zu messen.
Woran scheitert die Umsetzung?
Die Studie identifiziert zentrale Erfolgsfaktoren wie die
Integration in das Performance Management, klare Verantwortlichkeiten und die
Verankerung in Zielsystemen. Allerdings sind diese Faktoren selten vollständig umgesetzt.
Nur 54 bis 59 % der Unternehmen sehen diese Aspekte als nachhaltig etabliert. Zu den größten Herausforderungen zählen:
Silodenken und mangelnde Zusammenarbeit (67 %),
unzureichendes End-to-End-Prozessmanagement (66 %),
fehlende KPI-Zielwerte (65 %),
Implementationsschwächen (64 %) sowie
unzureichendes Management-Commitment (63 %). „Viele Unternehmen wissen, was wirkt. In der Umsetzung
mangelt es dann jedoch oft an Disziplin und Konsequenz. Gerade bei Trendthemen
besteht somit die Gefahr, am konkreten Nutzen vorbeizudigitalisieren“, erklärt
Zierhofer.
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Fazit: Mehr Budget, aber strukturelle Defizite
Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Das
Digitalisierungsbudget wächst dynamisch, insbesondere durch KI-Investitionen.
Gleichzeitig fehlen in vielen Unternehmen die strukturellen Voraussetzungen, um
daraus nachhaltigen Mehrwert zu generieren. Ganzheitliche Strategien, klare Verantwortlichkeiten
und belastbare Bewertungssysteme gelten als entscheidende Hebel für eine
erfolgreiche Digitalisierung.
FAQ – Digitalisierungsbudget
Warum steigt das Digitalisierungsbudget so stark? –
Unternehmen erhöhen ihre Investitionen, um digitale Transformation und KI
voranzutreiben; im Schnitt um 30 %.
Wie hoch ist der KI-Anteil am Digitalisierungsbudget? –
Rund ein Drittel der Mittel fließt bereits in KI-Projekte und deren
Implementierung.
Warum bringt das Digitalisierungsbudget oft nicht den
gewünschten Nutzen? – Fehlende Strategien, geringe Integration in
Performance-Systeme und unklare Verantwortlichkeiten bremsen die Wirkung.
Wer verantwortet das Digitalisierungsbudget in
Unternehmen? – In Deutschland meist CIOs, während in den USA häufiger CEOs
verantwortlich sind.
Wie wird der Erfolg des Digitalisierungsbudgets gemessen?
– Nur 44 % der Unternehmen nutzen regelmäßige, strukturierte
Bewertungsprozesse.