Elektromotoren gewinnen im Schiffsbetrieb an Bedeutung. Sie gelten als leiser, sauberer und zukunftsfähiger als Verbrenner, müssen aber Wasser, Salz und hohen Belastungen standhalten.
Redaktion ProduktionRedaktionProduktion
Unterwasseraufnahme eines arbeitenden Schiffspropellers, der die Umstellung auf leisere und effizientere Elektromotoren in der Schifffahrt veranschaulicht.Melisa - stock.adobe.com
Anzeige
Summary:
ELIN Motoren beschreibt, wie elektrische Antriebe im Schiffsbetrieb ausgelegt
werden müssen. Reedereien setzen sie als Hilfs-, Neben- und Hauptantrieb ein,
während Schutzklassen, Schiffsklassen, Bauraum und Gesamtsystem entscheidend
sind. Die Entwicklung soll mehr Effizienz, Betriebssicherheit und
Klimaneutralität in der Schifffahrt unterstützen.
Warum
Elektromotoren im Schiffsbetrieb wichtiger werden
Sie wollen mehr über das Industrial Metaverse erfahren? Klicken Sie hier!
Elektrizität
und Wasser gelten gemeinhin als heikle Kombination. Im maritimen Einsatz zeigt
sich jedoch ein anderes Bild: Immer mehr Reedereien nutzen Elektromotoren im
Schiffsbetrieb – als Hilfsantrieb, Nebenantrieb oder auch als Hauptantrieb. Der
Grund liegt in den technischen und ökologischen Vorteilen: Elektrische Antriebe
arbeiten sauberer und deutlich leiser als klassische Verbrennungsmotoren.
Anzeige
Gleichzeitig
sind die Anforderungen hoch. Elektromotoren müssen im Schiffsbetrieb
Spritzwasser, Salz, Schwingungen und weiteren Umwelteinflüssen widerstehen. Wie
aus der vorliegenden Fachinformation von ELIN Motoren hervorgeht, sind
hochwertige elektrische Antriebe darauf ausgelegt, Verfügbarkeit und
Betriebssicherheit auch unter anspruchsvollen maritimen Bedingungen
sicherzustellen.
Bis
2050 soll der Seeverkehr klimaneutral werden – so die Maßgabe der
Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO. Neben dem CO2-Ausstoß rückt
dabei auch die Geräuschentwicklung in den Fokus. Je geringer die Vibrationen
eines Antriebs sind, desto leiser arbeitet er und desto achtsamer fällt der
Umgang mit der maritimen Umwelt aus.
Anzeige
Welche
Rolle Hybridlösungen im Übergang spielen
Klassische
Verbrennungsmotoren können diese Anforderungen langfristig nur begrenzt
erfüllen. Deshalb gewinnen moderne Technologien wie Elektromotoren an
Bedeutung. Kurzfristig stehen laut Textvorlage vor allem Hybridlösungen im
Fokus, weil sie einen schrittweisen Übergang in Richtung klimaneutraler
Schifffahrt ermöglichen.
Ein
zentraler Punkt ist dabei die Integration in bestehende Flotten. Reedereien
ersetzen in vielen Fällen nicht komplette Schiffe, sondern modernisieren
gezielt den Antrieb. Dadurch entstehen Retrofit- und Plug&Play-Konzepte,
bei denen Elektromotoren in vorhandene Strukturen eingebunden werden müssen.
Der verfügbare Bauraum, bestehende Aufnahmen und wirtschaftliche Effizienz
bestimmen die Auslegung maßgeblich.
ELIN
Motoren verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung einer frühen
technischen Abstimmung. „Wir nehmen uns deshalb initial viel Zeit für unsere
Kundinnen und Kunden und gehen vertieft in den technischen Diskurs“, beschreibt
Bernd Passath, Sales Manager bei ELIN Motoren und Experte für maritime
Antriebstechnik. Das
österreichische Unternehmen blickt auf eine 130-jährige Geschichte zurück und
ist im maritimen Umfeld als Spezialist für anspruchsvolle Kleinserien und
elektrische Antriebe positioniert.
Anzeige
Wie
Schutzklassen und Bauraum die Auslegung bestimmen
Bereits
in der Angebotsphase müssen zentrale Rahmenbedingungen geklärt werden. Dazu
zählen vor allem die Schutzklassen. Sie definieren, wie gut ein Elektromotor
gegen das Eindringen von Wasser und salzhaltiger Luft geschützt sein muss. „Schutzklassen
bis IP68 sind möglich, wo der Motor zeitweise oder dauerhaft untergetaucht
werden darf“, so Passath.
Neben
der Schutzklasse spielen die konkreten Bedingungen an Bord eine entscheidende
Rolle. Jedes Schiff bringt andere Voraussetzungen mit. Der verfügbare Bauraum
kann stark variieren, teilweise sind auch Aufnahmen bereits vorgegeben. Hinzu
kommt die Hebellänge: Ein Schiff mit 300 Metern Länge stellt andere
Anforderungen an den elektrischen Antrieb als ein Schiff mit 50 Metern Länge.
Auch
die Motortechnologie ist individuell zu wählen. Je nach Anforderung kommen
Permanentmagnet-, Synchron- oder Asynchronmaschinen in unterschiedlichen
Ausführungen und Leistungsklassen infrage. Für den Schiffsbetrieb ist zudem ein
variabler Frequenzbetrieb erforderlich. Schleifringtechnologien wären
grundsätzlich möglich, kommen auf Schiffen jedoch selten zum Einsatz.
Käfigmotoren werden dagegen wegen ihrer Robustheit und Zuverlässigkeit häufiger
verwendet.
Anzeige
Zu
klären sind außerdem Motorleistung, Drehzahl und Betriebsart. Elektromotoren
können im Dauerbetrieb bei kontinuierlich hoher Drehzahl eingesetzt werden,
etwa bei Überfahrten auf hoher See. Auch für Halbtaucher in Häfen eignen sich
elektrische Antriebe. „Da Halbtaucher hohe Gewichte und Volumen bewegen,
brauchen sie kurzfristig sehr, sehr viel Leistung“, weiß Passath.
Welche
Anforderungen Schiffsklassen an Elektromotoren stellen
Elektromotoren
im Schiffsbetrieb müssen auch Anforderungen aus Schiffsklassen erfüllen. Diese
betreffen unter anderem Lagerkonzepte, mechanische Belastungen und
sicherheitsrelevante Kriterien. „Hinter
den einzelnen Schiffsklassen steht ein großes Versicherungsnetzwerk, da müssen
die Schiffe und eben auch die Elektromotoren spezifische Kriterien erfüllen“,
erklärt der Experte.
Anzeige
Ein
Beispiel sind Wellengang und Schwingungen. Der Wellengang wirkt auf das Schiff,
die Schwingungen werden auf das Fundament übertragen. Am Ende muss der
Elektromotor diese Kräfte aufnehmen können. Je nach Schiffsklasse muss der
Antrieb entsprechend ausgelegt werden. „Das
muss alles individuell abgeklärt werden“, betont der Experte.
Neben
Schiffsklassen spielen auch Klimaklassen eine Rolle. Abhängig vom Einsatzgebiet
kann ein Elektromotor etwa eine Antikondensatheizung benötigen. Zusätzliche
Temperatursensoren können helfen, ein Überhitzen frühzeitig zu erkennen.
Zwischenfälle auf hoher See sollen dadurch möglichst vermieden werden.
Auch
Redundanz ist ein wichtiger Aspekt. Passath nennt den elektrifizierten
Voith-Schneider-Propeller als Beispiel: „Den Voith-Schneider-Propeller haben
wir erfolgreich elektrifiziert und zwei separate Wicklungen in den Elektromotor
integriert. Selbst wenn eine Spulenseite mal ausfallen sollte, kann das System
weiterlaufen.“
Anzeige
Wie
der Elektromotor ins Gesamtsystem passt
Ein
Elektromotor ist im Schiffsbetrieb nicht isoliert zu betrachten. Er muss Teil
eines funktionierenden Gesamtsystems sein, das Umrichtertechnik, Bordnetz,
Automatisierung und Energiemanagement einbindet. „Wir
arbeiten oft mit Systemintegratoren zusammen, die beispielsweise die
Umrichtertechnik und das Boardnetzwerk angeboten bekommen und dann dafür den
optimalen Motor mit gewissen elektrischen Charakteristika suchen“, erklärt
Passath.
Entscheidend
ist ein effizienter Gesamtwirkungsgrad. „Nehmen wir einen Frequenzrichter als
Beispiel: Der hat einen gewissen Wirkungsgrad und dahinter einen elektrischen
Motor mit einem weiteren Wirkungsgrad geschaltet. Das Boardnetzwerk mit seinen
vielen Leitungen hat wieder einen Wirkungsgrad. Aber Wirkungsgrad mal
Wirkungsgrad mal Wirkungsgrad – das wird am Ende nicht besser“, führt Passath
aus.
Deshalb
muss der Elektromotor möglichst präzise auf das Gesamtsystem abgestimmt werden.
Ziel ist es, die Energieeffizienz zu erhöhen und den Antrieb harmonisch in das
bestehende Bordnetz einzubinden. Gerade bei Revitalisierungsprojekten wird
dieses Bordnetz laut Experte „ungerne angefasst“. Auf Schiffen sind hunderte
Kilometer Kabel verlegt, weshalb eine Erneuerung mit hohem Aufwand verbunden
wäre.
Wie
Monitoring die Entwicklung elektrischer Antriebe unterstützen kann
Elektrische
Antriebe sollen auch in vorhandene Schiffsautomations- und
Energiemanagementsysteme integriert werden. Bei vielen Neubauten sind solche
Systeme bereits üblich. Sie übernehmen eine wichtige Funktion, denn moderne
Schiffe werden nicht mehr von großen Crews, sondern teilweise nur noch von zwei
bis drei Personen navigiert und per Satellit getrackt. „Dadurch
können die Betriebszustände kontinuierlich überwacht werden“, weiß der Experte. Künftig
sollen diese Daten stärker in die Entwicklung von Elektromotoren einfließen.
„Bislang war es schwierig, diese Daten aus den Reedereien zu bekommen“, so
Passath.
Durch
modernes Monitoring und die daraus gewonnenen Felddaten lassen sich Belastungen
eines Schiffes besser erfassen. Die elektrische Maschine kann dadurch gezielter
an die realen Anforderungen angepasst und optimal ausgelegt werden. Elektrische
Antriebe werden damit zu einem zentralen Baustein für die Modernisierung der
Schifffahrt. Sie können leiser, sauberer und effizienter arbeiten als
klassische Verbrennungsmotoren. Voraussetzung ist jedoch eine individuelle
Auslegung, die Schiff, Einsatzgebiet, Schutzklasse, Redundanz und Gesamtsystem
berücksichtigt.
FAQ: Elektromotoren im Schiffsbetrieb
Warum gewinnen Elektromotoren im Schiffsbetrieb an Bedeutung? – Elektromotoren
arbeiten sauberer und leiser als klassische Verbrennungsmotoren und
unterstützen die Transformation hin zu klimaneutraler Schifffahrt.
Welche Schutzklasse brauchen Elektromotoren im Schiffsbetrieb? – Das hängt vom
Einsatzfall ab. Laut ELIN Motoren sind Schutzklassen bis IP68 möglich, wenn
Motoren zeitweise oder dauerhaft untergetaucht werden dürfen.
Welche Technik kommt bei Elektromotoren im Schiffsbetrieb zum Einsatz? – Je
nach Anforderung sind Permanentmagnet-, Synchron- oder Asynchronmaschinen in
unterschiedlichen Ausführungen und Leistungsklassen möglich.
Warum müssen Elektromotoren im Schiffsbetrieb individuell ausgelegt werden? –
Jedes Schiff bringt eigene Vorgaben zu Bauraum, Schiffsklasse, Klimaklasse,
Leistung, Drehzahl und Integration ins Bordnetz mit.
Welche Rolle spielt das Gesamtsystem für Elektromotoren im Schiffsbetrieb? –
Der Motor muss mit Umrichtertechnik, Bordnetz, Automatisierung und
Energiemanagement abgestimmt werden, damit Effizienz und Betriebssicherheit
erreicht werden.