Automation of Automation soll den Engineering-Aufwand in der Robotik senken. Fraunhofer IPA sieht darin einen Hebel für flexible Fertigung und neue Rollen im Maschinenbau.
Redaktion ProduktionRedaktionProduktion
Humanoide Roboter haben viel Einsatzpotenzial, aber Themen wie Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und anwendungsbezogene Anforderungen müssen jeweils gelöst werden.Fotograf: Rainer Bez
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Summary: Dr.-Ing. Werner Kraus vom Fraunhofer IPA in Stuttgart beschreibt, wie Automation of Automation den Shopfloor verändert. Assistenzsysteme, digitale Zwillinge, Simulationen und selbstlernende Algorithmen sollen Engineering-Aufwand reduzieren. Auswirkungen zeigen sich in flexibler Fertigung, Kreislaufwirtschaft, neuen Robotikmärkten und im globalen Wettbewerb.
Der
industrielle Alltag am Shopfloor steht unter massivem Veränderungsdruck. Während
in der Vergangenheit die Effizienzsteigerung bei Massenprodukten im Vordergrund
stand, beschleunigen heute der Bedarf nach hoher Flexibilität und tendenziell
kleinere Losgrößen die technologische Entwicklung. Dabei rückt die Frage in den
Fokus, wie Roboteranwendungen so effizient projektiert werden können, dass sie
sich auch bei häufig wechselnden Produkten rechnen. Dr.-Ing. Werner Kraus, der
am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in
Stuttgart den Forschungsbereich Robotik- und Assistenzsysteme leitet, sieht
hier einen entscheidenden Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen
Industrie.
Der Flaschenhals im Engineering
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Während Themen
wie Deep Learning in den USA bereits ab 2012 massiv vorangetrieben wurden,
erreichte dieser Trend Europa mit einer Verzögerung von einigen Jahren. Seitdem
sind insbesondere in der Bildverarbeitung enorme Sprünge gelungen, die neue
Automatisierungsmöglichkeiten eröffnet haben. Doch die eigentliche
Herausforderung liegt heute nicht mehr in der technischen Machbarkeit, sondern
im Marktbedarf. „In vielen Produktionsbereichen führt die Entwicklung weg vom
Massenprodukt hin zu kleineren bis kleinsten Losgrößen“, analysiert Kraus die
aktuelle Lage. Das erfordere Roboter, die flexibel für wechselnde Produkte
geeignet sind, ohne dass ein Ingenieur jedes Mal hohen Zeitaufwand in die
Neuprogrammierung investieren muss.
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Um diese
Komplexität beherrschbar zu machen, verfolgt das Fraunhofer IPA den Ansatz der
„Automation of Automation“. In der Praxis bedeutet dies den Einsatz von
Assistenzsystemen, digitalen Zwillingen, Simulationen und selbstlernenden
Algorithmen, um die Planungsphase massiv zu stützen. Kraus beschreibt die
Vorteile dieser Rollenverteilung: „Wenn ein Roboter in der Fertigung nur eine
Erfolgsquote von 80 Prozent hat, macht man sich mit Sicherheit in der
Produktion keine Freunde. Aber wenn ein Assistenzsystem dem Ingenieur 80
Prozent der Arbeit abnimmt und er nur noch die Korrekturen vornimmt, ist der
daraus resultierende Mehrwert enorm.“
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Der Ingenieur als Kurator
Dr.-Ing. Werner Kraus, der am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart den Forschungsbereich Robotik- und Assistenzsysteme leitet: „Wenn ein Roboter in der Fertigung nur eine Erfolgsquote von 80 Prozent hat, macht man sich mit Sicherheit in der Produktion keine Freunde. Aber wenn ein Assistenzsystem dem Ingenieur 80 Prozent der Arbeit abnimmt und er nur noch die Korrekturen vornimmt, ist der daraus resultierende Mehrwert enorm.“Fotograf: Rainer Bez
Dieser Wandel
verändert das Berufsbild nachhaltig. Weg vom tiefen Eintauchen in Robotics
Foundation Models, hin zu einer fast schon beratenden oder unternehmerischen
Funktion. Die Kernkompetenz wird künftig darin bestehen, den Praxisbezug
sicherzustellen und die Kundenanforderungen im Detail zu durchdringen, um
maßgeschneiderte Lösungen zu ermöglichen.In diesem Kontext spielt auch die
Demokratisierung der Robotik eine zentrale Rolle. Wo vor einem Jahrzehnt für
einfache Palettieraufgaben noch externe Experten oder Systemintegratoren nötig
waren, agiert heute der Mittelständler zunehmend eigenständig.
Robotik als Enabler der Kreislaufwirtschaft
Ein bisher
unterschätzter Bereich für den Einsatz intelligenter Robotik ist die
Nachhaltigkeit. Die Kreislaufwirtschaft bietet laut Kraus ein perfektes
Spielfeld für KI-Anwendungen. Während in der Montage jedes Teil neu und exakt
definiert ist, sieht sich die Demontage etwa von Elektroautobatterien mit
Unwägbarkeiten wie Verschleiß, Rost und Beschädigungen konfrontiert. Ein Mensch
nutzt hier seine Erfahrung statt einer festen Anleitung. Genau dieses Vorwissen
wird nun Robotern mitgegeben, wie das Pilotprojekt „Demobat“ zur
Batteriedemontage zeigt.
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Dabei geht es
neben der Effizienz vor allem um die Sicherheit. Angesichts der
Explosionsgefahr bei Batterien, dem sogenannten Thermal Runaway, ist ein
Roboter, der flexibel auf den Zustand der Batterie reagiert, ein echter
Gamechanger. Zudem zwingen steigende EU-Recyclingquoten für Rohstoffe wie
Lithium zur Automatisierung, da das Volumen der Rückläufer in den kommenden
Jahren massiv ansteigen wird.
Blue Ocean: Jenseits der Werkshalle
In der
strategischen Ausrichtung setzt Kraus auf eine „Blue Ocean Strategie“. Ziel ist
es, Märkte zu besetzen, in denen noch kein hoher Wettbewerbsdruck durch
etablierte Akteure herrscht. Ein illustratives Beispiel ist ein autonomer
Reithofroboter, der in einer Reithalle in Ludwigshafen den Boden einebnet. Was
früher manuell mit dem Traktor erledigt wurde, übernimmt nun ein
navigationsseitig simples, aber hochwirksames System, das dem Betreiber täglich
bis zu zwei Stunden Arbeitszeit spart. Die enorme Resonanz auf dieses Projekt
mit über 1,7 Millionen Facebook-Views führte bereits zur Produktion einer
Kleinserie.
Vergleichbare
Technologien kommen auch im ROX-Projekt für den Rheinmetall Konzern zum
Einsatz, um den Werksverkehr in Munitionsfabriken zu automatisieren. Der
entscheidende Punkt ist hier nicht die Programmierung an sich, sondern die
Identifizierung des echten Bedarfs.
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Humanoide und der globale Wettbewerb
Das Thema
humanoide Roboter wird derzeit stark durch Marketingmaßnahmen und hohe
Investitionssummen getrieben. Die Realität hinkt den Erwartungen oft noch
hinterher; selbst das Stapeln einer Kiste von A nach B bleibt für humanoide
Systeme eine extreme Herausforderung. Doch die massiven Entwicklungsgelder
erzeugen wertvolle Spillover-Effekte für die gesamte Industrie. Ein Beispiel
ist die Teleoperation: Kann ein Roboter ein Problem nicht autonom lösen, greift
ein Mensch remote ein – ein Verfahren, das sich bereits bei autonomen
Fahrzeugen wie denen von Waymo bewährt hat.
Gleichzeitig
findet eine technologische Konvergenz statt. Da Beine oft nicht notwendig sind,
setzen viele Hersteller den humanoiden Oberkörper lieber auf Räder. Diese
Entwicklung könnte einen ähnlichen Verlauf nehmen wie bei den Cobots: Nach
einem massiven Hype folgte Ernüchterung, bevor kollaborierende Roboter
schließlich ihren festen Platz beim Schweißen oder in der Maschinenbeladung
fanden.
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Im globalen
Wettbewerb, insbesondere gegenüber China, ist Schnelligkeit gefragt. China
nutzt humanoide Tanzroboter als Lernplattform, um unter realen Bedingungen
Erfahrungen zur Robustheit zu sammeln. Europa verfügt zwar über
jahrzehntelanges Produktionswissen, doch dessen Halbwertszeit schrumpft. „Wir
müssen raus aus dem Labor und rein in die Anwendung, auch wenn es am Anfang
nicht die perfekte 100-Prozent-Lösung ist“, fordert Kraus. Die Dynamik in der
europäischen Robotik-Entwicklung ziehe jedoch spürbar an, was sich auch in
größeren Finanzierungsrunden widerspiegele.
Fazit: Prozesse neu denken
Der Erfolg von
Robotik-Technologien wird künftig nicht davon abhängen, den Menschen eins zu
eins zu kopieren. Vielmehr müssen Prozesse vollkommen neu gedacht werden. Robotik
ist kein universelles Allheilmittel, sondern ein Werkzeug, das dort, wo es
sinnvoll ist, durch KI so smart gemacht werden muss, dass es sich nahtlos in
flexible Produktionsumgebungen integriert.
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𝐅𝐀𝐐: 𝐀𝐮𝐭𝐨𝐦𝐚𝐭𝐢𝐨𝐧 𝐨𝐟 𝐀𝐮𝐭𝐨𝐦𝐚𝐭𝐢𝐨𝐧
Was bedeutet Automation of Automation? – Automation of Automation beschreibt den Ansatz, Engineering-Aufwand durch Assistenzsysteme, digitale Zwillinge, Simulationen und selbstlernende Algorithmen zu reduzieren.
Warum ist Automation of Automation für den Shopfloor relevant? – Kleinere Losgrößen und häufig wechselnde Produkte verlangen Roboterlösungen, die schneller und flexibler projektiert werden können.
Welche Rolle spielt Automation of Automation für Ingenieure? – Ingenieure werden stärker zu Kuratoren und Anwendungskennern, die Kundenanforderungen verstehen und Lösungen praxisnah absichern.
Wie unterstützt Automation of Automation die Kreislaufwirtschaft? – In der Demontage, etwa bei Batterien, kann flexible Robotik mit KI auf Verschleiß, Rost oder Beschädigungen reagieren.
Warum ist Automation of Automation im Wettbewerb wichtig? – Sie kann helfen, Robotikanwendungen schneller aus dem Labor in reale industrielle Anwendungen zu bringen.