Frau die Kollegen etwas auf einem Whiteboard zeigt.

Chief Learning Officer sind unter anderem für Weiterbildungsangebote zuständig. (Bild: fizkes - stock.adobe.com)

Einen CEO kennt jeder, auch die Begriffe CFO und COO sind in der Wirtschaftswelt gängig. Einen CLO – also Chief Learning Officer – dagegen hat nicht jedes Unternehmen. Die Position des CLO wurde 1995 erstmals bei General Electric geschaffen.

CLOs sind normalerweise die Leiter von Personalentwicklungsabteilungen, Leiter für Schulungen und Fortbildungen oder firmeneigenen Ausbildungsstätten und Academies. Gerade in der derzeitigen Situation, in der Unternehmen um Führungskräfte kämpfen, ist diese Position also besonders wichtig, um Mitarbeitende einerseits zu halten, aber auch ein gutes Arbeitsumfeld zu schaffen, um neue Beschäftigte an das Unternehmen zu binden.

In den vergangenen Jahren haben sich die Aufgabenbereiche für CLOs verändert, erklärt Andreas Rothkamp, Vice President DACH des Corporate-Learning-Spezialisten Skillsoft. Neben ihren Tätigkeiten als Leiter für Schulungen etc. werden sie Rothkamp zufolge immer mehr zur Stimme der Belegschaft und zu Architekten der Unternehmenskultur. Sie sind inzwischen auch Ausbilder, Vermittler und verantwortlich dafür, dass das Lernen im Alltag und Arbeitsleben integriert werden kann.

Was einen CLO erfolgreich macht, hat Skillsoft nun zusammen mit Branchenexperten herausgearbeitet. Herausgekommen sind fünf Punkte:

Eine zentrale, skalierbare und qualifizierbare Lernumgebung schaffen

Der Bereich Learning & Development sollte keinesfalls in jeder Abteilung einzeln und ohne Anbindung an andere Unternehmensbereiche umgesetzt werden, erklärt Rothkamp. Von einem CLO erwartet er eine klare Definition der zentralen Serviceleistungen und -programme, der regionalen Serviceleistungen und -programme sowie der Bedürfnisse der einzelnen Geschäftseinheiten. „Anhand eines solchen Modells lässt sich der Fokus auf strategische Programme und Investitionen richten, während lokale oder vertikale Lernangebote und Schulungen ergänzt werden können“, sagt Rothkamp.

Einer der Vorteile: Durch die höhere Transparenz zeigt sich besser, welche Qualifikationen und Fähigkeiten es bereits bei den Mitarbeitenden gibt.

Strategie mit Unternehmensstrategie abstimmen

Für CLOs ist es wichtig, eng mit der Geschäftsführung zusammenzuarbeiten. Denn nur so können Lernangebote geschaffen werden, die sich mit den Qualifikationen und Fähigkeiten, die künftig für das Unternehmen wichtig sind, beschäftigen. Ebenfalls wichtig laut Rothkamp: Chief Learning Officer müssen genauso auf veränderte Marktanforderungen, als auch auf Veränderungen in der Art zu arbeiten und Teams zu führen, achten.

„Sie müssen die in näherer und weiterer Zukunft zu schaffenden Jobs erkennen und für deren Anforderungen sensibilisiert sein“, so Rothkamp. Auch den verändernden Arbeitsmarkt sollten CLOs im Blick haben.

Skills-Taxonomien erstellen

Skills-Taxonomien sind Klassifikationsschemata mit denen Unternehmen ihren Bedarf an Qualifikationen und Fähigkeiten planen können. „Mit Dutzenden von Trainings Tools können Mitarbeiter im Arbeitsfluss, bei Bedarf (on-Demand) oder anhand von gesteuerten Fortbildungsprogrammen lernen. CLOs müssen diese komplexen Prozesse verwalten, die zudem mit Personaldaten sowie der IT-Infrastruktur und Jobarchitektur integriert sein sollten“, so Rothkamp.

Positive Lernerfahrungen teilen

Skillsoft ist sich sicher: Für kontinuierliches Lernen ist nicht die Anzahl an Programmen entscheidend, sondern die positiven Lernerfahrungen. Für CLOs bedeutet das, die Lernerfahrung zu demokratisieren und für alle Beschäftigten zugänglich zu machen. Dazu zählt auch, die neuesten Technologien zu kennen, die neue Arten des Lernens ermöglichen und die passenden Inhalte für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeitenden zu finden.

In diesem Zusammenhang werden laut Hans-Gerd Servatius Learning Experience Platforms immer wichtiger. Dabei steht das persönliche Lernerlebnis im Vordergrund. Lernen soll durch „Mikrolernen“ in die Arbeit integriert werden. So wurden zum Beispiel Videos, Artikel und Podcasts in die Lerneinheiten integriert und Inhalte werden On Demand angeboten. Der nächste Schritt ist laut Servatius, persönliche KI-basierte Empfehlungen für Lerneinheiten anzubieten.

Unternehmenskultur aktiv mitgestalten

CLOs sind laut Rothkamp auch die „Führungskräfte für die Unternehmenskultur“.  Das beziehe sich auf die Umsetzung von Werten wie Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion sowie die ausnahmslose Befähigung aller Mitarbeiter. Fast jedes größere Unternehmen müsse sich heute aber auch mit notwendigen Anpassungen an veränderte Marktanforderungen, dem Transformieren seiner Produkte und Serviceleistungen sowie der damit einhergehenden Schulung seiner Belegschaft auseinandersetzen.

Demnach muss ein Chief Learning Officer auch die Unternehmenskultur, die Werte und die Vergütungssysteme kennen und in der Führungsetage Dinge ansprechen, die nicht gut funktionieren.

Chief Learning Officer in der Industrie: Drei Beispiele

Große Unternehmen wie American Express, Nike und JP Morgan haben schon längst einen Chief Learning Officer. Aber auch in der Industrie ist diese Position in vielen Unternehmen besetzt. Zum Beispiel bei Siemens. Hier ist Thomas Leubner als CLO tätig. Er schreibt auf Twitter: Wir arbeiten weltweit daran, die heutigen und künftigen Generationen mit Kompetenzen für die digitale Welt auszustatten. Leubner kümmerte sich bei Siemens unter anderem um den digitalen Ausbildungsstart in der Coronakrise.

Er erklärte unter anderem: „Die Ausbildung ist ein Fundament für die Zukunft unseres Unternehmens. Ein klarer Schwerpunkt unserer Ausbildung ist der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Technologien, die die Arbeitswelt und die Gesellschaft enorm verändern. Schon seit Jahren passen wir unsere Ausbildung ständig an neue Erfordernisse, digitale Inhalte und entsprechend agile Didaktik an, um unsere Azubis fit für die Zukunft zu machen“.

Bei SAP ist Maxwell Wessel der CLO. Er schreibt auf Linkedin: „Die Mission von SAP Learning, Chancen für die mehr als 440.000 Kunden, die mehr als drei Millionen Entwickler und Partner in unserem Ökosystem und die mehr als 100.000 Mitarbeiter in unserem Unternehmen zu schaffen, ist schlichtweg inspirierend.“

Oliver Fischer leitet als CLO die Daimler Corporate Academy. Er ist unter anderem für die Entwicklung, Planung und Durchführung neuer globaler Lernkonzepte und Strategien zur Fort- und Weiterbildung bei Daimler verantwortlich.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Ein CLO ist ein Business-Influencer, wie Andrew Fayad hier schreibt. Während sich ein CEO auf die allgemeine Führung und das Management eines Unternehmens konzentriert, ist der CLO dazu da, Veränderungen zu beeinflussen und das Lernen zu verbessern, um die Ziele der Unternehmensleitung zu erreichen. Ein guter CLO sei darauf spezialisiert, Lernen und Entwicklung zu einem Teil der täglichen Mitarbeitererfahrung zu machen, so Fayad.

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