Modulare Montage, Montageinsel, FTS
Zwischen den Montageinseln übernehmen FTS die für die Produktion benötigten Teile. Ein zentraler Rechner steuert die FTS – er erkennt den Bedarf jeder einzelnen Station. - Bild: Audi

Audi-Produktionsvorstand Hubert Waltl erhofft sich durch die neue Fertigungsmethode einen Effizienzgewinn von etwa 20 % innerhalb der nächsten zehn Jahre. „Wenn wir also die bisherige ‚Perlenkette‘ durcheinander bringen und in Echtzeit produzieren, bedeutet das auch ganz neue Anforderungen an die Logistik“, sagt Rusitschka.

Es sei demnach nicht nur möglich, zu sagen, welche Autos Audi in zwei Tagen bauen werde, sondern man denke in einem integrierten Gesamtsystem. „Denn Produktion und Logistik sind keine getrennten Gewerke mehr, sondern ein übergeordnetes Steuerungssystem wird genau diese beiden Umfänge miteinander integrieren. Das übergeordnete System gibt den Impuls, welche Station das Fahrzeug als nächste anfahren wird und der Logistikauftrag wird somit automatisch ausgelöst“, klärt Rusitschka auf.

Laut ihm geht es in der modularen Montage nicht darum, den Mitarbeiter abzulösen. Vielmehr gehört der Mitarbeiter in den Mittelpunkt gerückt um ihm ideal zu assistieren, dass er immer genau die richtigen Arbeitsbedingungen vorfindet. „Außerdem kann man gehandicapten Mitarbeitern bei den modularen Arbeitsplätzen etwas mehr Zeit einräumen, was am Fließband nicht möglich ist, da ihm nach beispielsweise einer Taktzeit von 90 Sekunden das Fahrzeug wieder weggenommen wird“, so Rusitschka.

Produktion der Zukunft: Montagestraßen und fahrerlose Roboterwagen

modulare Montage, Hubert Waltl, Audi
Audi-Produktionschef Hubert Waltl über die modulare Montage: „Das Fließband hat als serieller Taktgeber ausgedient. Nur mit einem immer gleichen Produkt ergab die Fließbandfertigung Sinn. Heute wollen unsere Kunden genau das Gegenteil. Jeder Audi soll mit dem Wunsch nach Individualisierung so einzigartig sein wie ein Maßanzug. Unsere Produktion soll das durch neue Fertigungsverfahren möglich machen." - Bild: Audi

Waltl glaubt, dass „die Technologien schneller Einzug halten werden, als wir heute glauben.“ Wie lange es dauern wird, bis alle Werke umgestellt sein werden, könne er zwar noch nicht sagen. Aber: „In zehn Jahren wird die gesamte Produktion völlig anders aussehen“, ist Waltl überzeugt.

Dabei transportierten fahrerlose Roboterwagen Karosserien durch die Montagestraße. An der einen Station sollen Türdichtungen angebracht werden, an der anderen werde die Antenne angeschraubt. Doch es gebe keine vorgegebene Reihenfolge mehr, keinen immer gleichen Takt, in dem sich die Autos auf einem Fließband vorwärts bewegten. „Uns war klar, das ist so revolutionär, dass wir das Fließband schlussendlich auflösen werden“, sagt Waltl.

Doch geblieben sei bislang das Prinzip der immer gleichen Reihenfolge der Arbeitsschritte, die im immer gleichen Tempo ausgeführt werden müssten. Das will Rusitschka mit der modularen Fertigung ändern. Das Prinzip klingt einfach: „Wenn ein Arbeitsschritt länger als ein anderer dauert, bleibt der Roboter mit der Karosserie einfach länger an dieser Station stehen. Trotzdem bildet sich dann keine Schlange von Fahrzeugen, sondern der Computer errechnet, welche Arbeitsschritte vorgezogen werden können, und schickt die Roboterwagen automatisch zur nächsten freien Station“, schließt Rusitschka.

Zusammenfassung der Vorteile

  • Vorteile bei der Montage durch statische Prozesse, zum Beispiel weniger Laufwege
  • Keine Gefahr eines Bandstopps, weil nur an einer Stelle etwas hakt
  • Vorteilhaft für Psyche und Gesundheit, wenn immer die gleiche Zeit für die gleiche Arbeit vorhanden ist
  • Weniger Restriktionen in der Produktion, was die Sequenz angeht – flexibleres Reagieren auf Kundenwünsche möglich
  • Mitarbeiter mit gewisser Leistungseinschränkung sind integrierbar
  • Weniger Nacharbeiten oder Fertigstellungsaufwendungen notwendig. Bei Verzögerungen eines Lieferanten wird die entsprechende Station hinten angestellt; in der Linie hingegen wird weiterproduziert und erst dann folgen Nacharbeiten
  • Planungsaufwendungen werden weniger
  • Die Volumen- und Multimix-Flexibilität steigt, da die Produktion reaktiver ist und mehr Individualisierungen für den Kunden – eventuell auch eine Art der Personalifizierung – möglich sind
  • Beschleunigung der Prozesse