Audi schafft das Fließband ab. Startet die VW-Tochter damit eine Revolution in der Industrie?

Im Jahre 1913 hatte Henry Ford einen genialen Einfall. Er führte in seiner Autofabrik das Fließband ein. Über 100 Jahre später produzieren die Autobauer weltweit dank Fords Idee 90 Millionen Autos pro Jahr. Damit nicht genug. Auch fast alle anderen Industriezweige adaptierten die Idee des Amerikaners.

Aber der Ablauf gilt - aus Sicht von Audi - mittlerweile als zu starr. Audi-Produktionsvorstand Hubert Waltl will deshalb das Fließband abschaffen.

Die Autos sollen nicht erst auf der Straße, sondern schon als Karosserie auf dem Weg durch die Fabrik digital vernetzt und autonom unterwegs sein. Selbstfahrende Autos und die Warteschlange an der Supermarkt-Kasse haben Audi auf die Idee gebracht, erklärte der Autobauer auf einer Presseveranstaltung.

Waltl erklärt: "Nur mit dem einen, immer gleichen Produkt ergab die Fließband-Fertigung vor 100 Jahren Sinn. Heute wollen unsere Kunden genau das Gegenteil: Jeder Audi soll so einzigartig sein wie ein Maßanzug." Die Individualisierung der Fahrzeuge sei gefragt, insbesondere von den Premiumherstellern.

Ein weiterer Grund für den Abschied vom Fließband: Wenn das richtige Bauteil am Band fehlt, eine Maschine ausfällt oder die Linie für eine neue Modellvariante umgebaut wird, stehen die Bänder still. Künftig sollen 200 Montageinseln im Werk das Fließband ersetzen.

Roboter packen die Karosserie auf einen Transportwagen. Der findet autonom seinen Weg zu den verschiedenen Inseln. Waltl rechnet dadurch mit rund 20 Prozent mehr Produktivität. Beim Bau des Sportwagens R8 in Neckarsulm hat die modulare Montage das Fließband schon abgelöst. Als nächstes will Audi sie im ungarischen Motorenwerk Györ testen.

Audi ist bislang der einzige Automobilhersteller, der solche Pläne verfolgt. Bei den Premiumkonkurrenten Mercedes-Benz und BMW, aber auch beim Audi-Mutterkonzern VW gibt es keine derartigen Pläne. Sind die Ingolstädter damit revolutionärer Vorreiter oder befinden sie sich auf einem fatalen Irrweg, der sie ins Abseits der Produktionswelt manövriert. Stimmen Sie jetzt ab!