Nexperia-Chips: Warum der Streit globale Folgen haben könnte
Der Konflikt um Nexperia-Chips zwischen China und den Niederlanden spitzt sich erneut zu. Nach einer vorübergehenden Entspannung warnte Peking nun vor neuen Spannungen und möglichen Folgen für die globale Halbleiter-Lieferkette.
Wieder im Fokus: Nexperia. China warnt im andauernden Streit mit dem niederländischen Chiphersteller vor neuen Konflikten.gguy - stock.adobe.com
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Summary:
China kritisiert Maßnahmen des niederländischen Chipherstellers Nexperia und warnt vor neuen Konflikten. Hintergrund sind gesperrte Benutzerkonten für Mitarbeitende in China sowie der bereits seit Oktober schwelende Streit um Exportbeschränkungen. Der Konflikt betrifft auch die internationale Halbleiter-Lieferkette und damit wichtige Industriezweige wie die Automobilbranche.
Warum China im Streit um Nexperia-Chips erneut warnt
Im anhaltenden Konflikt um Nexperia-Chips hat China die Niederlande vor neuen Spannungen gewarnt. Das Handelsministerium in Peking reagierte mit scharfer Kritik auf eine Mitteilung des chinesischen Ablegers des niederländischen Chipherstellers.
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Wie aus der Erklärung hervorgeht, hatte die Konzernzentrale in den Niederlanden Benutzerkonten von Mitarbeitenden in China gesperrt. Die Maßnahme habe Produktion und Betrieb des Unternehmens erheblich beeinträchtigt, kritisierte das Handelsministerium.
«Sollte dies zu einer weiteren Krise in der globalen Halbleiter-Lieferkette führen, muss die niederländische Seite die volle Verantwortung dafür übernehmen», betonte die Behörde.
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Welche Folgen die Kontosperrungen für den Betrieb hatten
Nach Angaben von Nexperia China hatte die Sperrung der Nutzerkonten am 3. März weitreichende Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit des Unternehmens in der Volksrepublik. Besonders betroffen waren demnach operative Abläufe wie Bestellprozesse.
Wie aus der Mitteilung hervorgeht, konnte der Betrieb inzwischen größtenteils wieder aufgenommen werden. Dennoch habe die Deaktivierung der Konten «neue Konflikte» ausgelöst und die laufenden Verhandlungen zusätzlich erschwert.
Der aktuelle Streit ist Teil eines länger andauernden Konflikts rund um den Halbleiterhersteller. Bereits im Oktober hatte Peking den Export von Nexperia-Halbleitern, die in China verarbeitet werden, gestoppt.
Diese Maßnahme traf insbesondere Europas Autoindustrie, die zu den wichtigsten Abnehmern der Chips zählt. Der Exportstopp löste in der Branche erhebliche Sorgen über mögliche Störungen in der Lieferkette aus.
Auslöser des Konflikts waren Berichte, wonach der chinesische Eigentümer von Nexperias Mutterunternehmen Wingtech technologisches Wissen sowie Produktionskapazitäten nach China verlagern wollte.
Hintergrund: Der Fall Nexperia im globalen Chip-Krieg
Das Unternehmen: Nexperia (Hauptsitz Nijmegen, NL) ist ein führender Hersteller von Standard-Halbleitern (MOSFETs, Dioden). Es entstand 2017 aus der Abspaltung der Standard-Sparte von NXP Semiconductors und gehört seit 2019 dem chinesischen Konzern Wingtech.
Die strategische Relevanz: Im Gegensatz zu High-End-Prozessoren produziert Nexperia die "Arbeitstiere" der Elektronik. Jedes moderne Elektroauto enthält hunderte Nexperia-Komponenten. Ein Lieferstopp trifft die deutsche Automobilindustrie unmittelbar.
Der geopolitische Kontext: Der Streit ist Teil einer größeren Eskalation. Die Niederlande haben (auf Druck der USA) Exportbeschränkungen für High-Tech-Lithographie (ASML) verschärft. China reagiert darauf mit verstärkter Kontrolle über Firmen in chinesischem Besitz, um Technologietransfer zu sichern.
Standorte unter Druck: Mit großen Werken in Hamburg und Manchester steht Nexperia auch im Fokus europäischer Sicherheitsbehörden, die eine Abhängigkeit von chinesischen Eigentümern bei kritischer Infrastruktur kritisch prüfen.
Wie die niederländische Regierung reagierte
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Das niederländische Wirtschaftsministerium griff daraufhin in die Unternehmensführung ein. Kurz darauf suspendierte das Wirtschaftsgericht auf Initiative von Vorstandsmitgliedern den chinesischen Vorsitzenden und setzte einen Interims-Vorstand ein.
Diese Maßnahmen führten zu einer deutlichen Verschärfung der Spannungen mit China. Zwar wurde das Exportverbot später gelockert, doch Peking fordert weiterhin, dass die Kontrolle über das Unternehmen wieder aufgehoben wird.
Wie aus der aktuellen Stellungnahme des chinesischen Handelsministeriums hervorgeht, erschweren die jüngsten Entwicklungen nun erneut die laufenden Gespräche zwischen beiden Seiten.
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Mit Material der dpa
FAQ: Nexperia-Chips
• Warum stehen Nexperia-Chips im Zentrum eines internationalen Konflikts? – Der Streit entstand, nachdem Berichte über eine mögliche Verlagerung von Technologie und Produktionskapazitäten nach China aufkamen und die niederländische Regierung daraufhin in die Unternehmensführung eingriff.
• Welche Rolle spielen Nexperia-Chips für die Industrie? – Nexperia-Chips werden unter anderem von der europäischen Automobilindustrie genutzt und sind Teil globaler Halbleiter-Lieferketten.
• Welche Auswirkungen kann der Streit um Nexperia-Chips haben? – Laut chinesischem Handelsministerium könnte der Konflikt zu weiteren Problemen in der globalen Halbleiter-Lieferkette führen.
• Warum kritisiert China Maßnahmen bei Nexperia-Chips? – Peking sieht durch die Sperrung von Benutzerkonten und die Eingriffe in die Unternehmensführung eine Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit des Unternehmens in China.