Wirtschaft

Industrieexporte: Wachstum bis 2035 halbiert

Die Industrieexporte aus Deutschland dürften laut Deloitte bis 2035 deutlich langsamer wachsen. Belastend wirken sinkende Ausfuhren in die USA und nach China, während Europa als Absatzraum an Bedeutung gewinnt.

Warum wachsen Industrieexporte bis 2035 nur noch um 1,3 %? Deloitte sieht Rückgänge in USA und China, Europa gewinnt an Gewicht.

Summary: Deloitte hat die Modellierung am 15. April 2026 in München vorgestellt und erwartet für die deutschen Industrieexporte von 2025 bis 2035 nur noch 1,3 % Wachstum pro Jahr statt 2,1 % in der vergangenen Dekade. Während USA und China an Gewicht verlieren, gewinnen Europa sowie Märkte wie Indien, Brasilien und Australien an Bedeutung. Für die Industrie rücken Diversifizierung, neue Absatzmärkte und weniger Handelshemmnisse in Europa in den Vordergrund.

Warum die Industrieexporte an Dynamik verlieren

Die deutschen Industrieexporte könnten bis 2035 deutlich an Tempo verlieren. Nach einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 2,1 % in den vergangenen zehn Jahren rechnet Deloitte bis 2035 nur noch mit 1,3 % pro Jahr. Wie aus der Studienreihe „Supply Chain Pulse Check“ hervorgeht, basiert die aktuelle Modellierung auf dem Global Trade Analysis Project der Purdue University und analysiert die künftigen Handelsmuster zwischen Deutschland und 71 Ländern in Maschinenbau, Elektro-, Auto- und Chemieindustrie. Die Exportdaten der vergangenen Jahre wurden vom Statistischen Bundesamt erhoben.

Treiber des schwächeren Wachstums sind vor allem die beiden größten Einzelmärkte USA und China. Die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten könnten laut Prognose um 1,5 % pro Jahr auf 65 Milliarden EUR im Jahr 2035 sinken, die Exporte nach China um 1,7 % pro Jahr auf 41 Milliarden EUR. Ende 2025 lagen die Werte noch bei 76 beziehungsweise 49 Milliarden EUR. Bereits im vergangenen Jahr gingen die Ausfuhren in die USA um 13 % und nach China um 16 % zurück.

Europa wird zum zentralen Absatzraum

Parallel dazu rücken die europäischen Märkte stärker in den Mittelpunkt. Frankreich ist mit 50 Milliarden EUR bereits zum zweitgrößten Exportmarkt vor China geworden, obwohl die Ausfuhren dorthin 2025 um 3 % zurückgingen. „Es ist damit zu rechnen, dass auch die Industrieexporte in die Niederlande und Großbritannien die Ausfuhren in die Volksrepublik in wenigen Jahren übersteigen“, sagt Oliver Bendig, Partner und Leiter der Industrie-Beratung bei Deloitte. „Als Industrienation braucht Deutschland ein neues Geschäftsmodell.“

In Summe könnten die zehn größten europäischen Märkte 2035 ein Volumen von 417 Milliarden EUR erreichen. Das wäre beinahe doppelt so viel wie die Absätze in die größten Märkte Asiens und Amerikas inklusive China und der USA. Auch im vergangenen Jahr legten die Ausfuhren in wichtige europäische Märkte zu: in die Niederlande um 3 %, nach Großbritannien um 4 % und nach Polen um 6 %. Laut Modellierung könnten die Absätze nach Polen und Spanien bis 2035 um 2,9 % beziehungsweise 2,3 % auf 56 und 38 Milliarden EUR wachsen.

Wo neue Wachstumschancen entstehen

Jenseits Europas rücken Länder des globalen Südens in den Fokus. Zwar sanken die Absätze nach Indien und Brasilien 2025 um 2 % beziehungsweise 3 %. Langfristig sieht Deloitte dort jedoch erhebliches Potenzial. Die Ausfuhren nach Indien könnten um 3,9 % und die Exporte nach Brasilien um 4,1 % wachsen. Für 2035 entspräche das einem Absatz von 13 beziehungsweise 11 Milliarden EUR. Auch Australien könnte mit einem Wachstum von 4,7 % auf 9 Milliarden EUR an Bedeutung gewinnen.

Die Modellierung berücksichtigt unter anderem das BIP-Wachstum, Trends in der geopolitischen Ausrichtung zwischen Deutschland und dem jeweiligen Handelspartner sowie die Entwicklung von Zöllen und nicht-tarifären Handelshemmnissen bis einschließlich März 2026. Eine vergleichbare Deloitte-Modellierung aus dem Jahr 2024 war noch von rund 2 % jährlichem Wachstum der Industrieexporte ausgegangen. Die neue Projektion markiert damit eine deutliche Verschiebung der Handelsaussichten.

Was das für das Geschäftsmodell bedeutet

Die Neugewichtung der Absatzmärkte erhöht den Druck auf Industrieunternehmen, ihre Strukturen anzupassen. „Die neuen Freihandelsabkommen sind Grund zur Hoffnung“, sagt Dr. Jürgen Sandau, Partner und Lieferkettenexperte bei Deloitte. „Doch Hoffnung allein reicht nicht. Die Unternehmen müssen ihre Lieferketten wie auch ihre Absatzmärkte diversifizieren und Europa muss seine Handelshemmnisse im Binnenmarkt weiter abbauen.“

Damit wird Europa nicht nur zum stabileren Absatzraum, sondern auch zum strategischen Hebel für künftiges Wachstum. Gleichzeitig gewinnen neue Freihandelsabkommen und alternative Märkte an Gewicht, wie aus der Mitteilung und der Deloitte-Studie hervorgeht.

Quelle: Deloitte

Die Exporte im Fokus

• Warum bremsen Industrieexporte bis 2035 ab? – Weil die Ausfuhren in die USA und nach China laut Modellierung langfristig zurückgehen könnten.

• Welche Rolle spielen Industrieexporte in Europa? – Die zehn größten europäischen Märkte könnten 2035 zusammen ein Volumen von 417 Milliarden EUR erreichen.

• Welche Länder bieten bei Industrieexporten zusätzliches Potenzial? – Vor allem Indien, Brasilien und Australien weisen laut Projektion überdurchschnittliche Wachstumsraten auf.

• Was bedeutet die Prognose für Industrieexporte der deutschen Industrie? – Diversifizierung von Lieferketten und Absatzmärkten sowie weniger Handelshemmnisse in Europa gewinnen an Bedeutung.