Aktuelle Umfrage: Maschinenbau steht unter Druck
Wie steht es wirklich um Maschinenbauer und Zulieferer? Die diesjährige Maschinenbau-Umfrage von Tebis Consulting bringt die Realität auf den Punkt: hoher Druck, sinkender Spielraum – aber auch echte Chancen für mutige Entscheider.
Basierend auf einer Befragung von 78 Unternehmen, vor allem kleinen und mittelständischen Betrieben aus der zerspanenden Fertigung und der Zulieferindustrie, liefert die Studie ehrliche Einblicke in den aktuellen Zustand der Branche.
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Die Rückmeldungen
zeigen: Viele Fertigungsbereiche arbeiten deutlich unter Kapazität, in
einzelnen Fällen mit existentiellen Folgen. Jedes zweite Unternehmen bewertet
das aktuelle Auftragsvolumen als kritisch oder sehr kritisch – kein einziger
Betrieb sieht die Lage als „sehr gut“. Die Branche steht unter Druck: Aufträge
bleiben aus, Kapazitäten sind ungenutzt und viele Betriebe fokussieren sich auf
Stabilisierung statt Wachstum. Auch die Ertragslage hat
sich verschlechtert, die Kombination aus Preisdruck, Auslastungsproblemen und
teils gestiegenen Kosten verringert die Margen.
57 Prozent der Unternehmen
melden eine schlechtere Umsatzrendite als im Vorjahr. Steigende Kosten,
Preisdruck und Unterauslastung setzen die Unternehmen massiv unter Druck. Viele
Betriebe fahren aktuell auf Sicht – und konzentrieren sich auf
Verlustbegrenzung statt Expansion. Der Mitarbeiterabbau
schreitet ebenfalls voran – So gab die Hälfte der Unternehmen an, dass sich die
Mitarbeiterzahl in den letzten 15 Monaten reduziert hat. Trotz Inflation und
Fachkräftemangel zeigen sich die Unternehmen im Hinblick auf die Personalkosten
zurückhaltend. So planen etwa 40 Prozent keine Lohnerhöhungen, 45 Prozent bleiben im Bereich
von 1 Prozent bis 4 Prozent.
Durchwachsen-positiv
gestalten sich dafür die Angaben zur Materialpreis-Situation – bei 19 Prozent der
Befragten ist sie derzeit kein Thema. Für weitere 22 Prozent dagegen weiterhin
problematisch. Die Energiepreiskosten stellen für 52 Prozent und damit mehr als die
Hälfte der Unternehmen weiterhin ein Problem dar. Anders formuliert: Die
Planbarkeit in der Branche ist stark abhängig von Verträgen, Standorten und
Energieträgern.
Als größte
Herausforderung bewerten derzeit 90 Prozent der Unternehmen die hohen
Produktionskosten– noch vor Energiekosten, Fachkräftemangel und Bürokratie. Die
zentrale Frage lautet: Wie lassen sich Kosten senken, ohne an Qualität zu
verlieren?
Der Ausblick ist eher
düster
Besonders sichtbar wird
die gegenwärtig schlechte Stimmung, wenn es um die Bewertung des
Auftragsvolumens für die nächsten 12 Monate geht: Ein Viertel erwartet eine
Verbesserung, davon jedoch nur 5 Prozent im nennenswerten Umfang. Gleichzeitig gehen
33 Prozent von einem weiteren Rückgang aus, während 43 Prozent mit Stagnation rechnen. Von
der Marktbereinigung profitieren die Befragten bislang derzeit übrigens noch
nicht, erwarten dies aber für die Zukunft. Auch ein Ende des Preisverfalls
scheint sich abzuzeichnen: Für viele ein Signal für bessere Planbarkeit auf
Erlösseite. Die Erwartungen sind vor diesem Hintergrund zurückhaltend, aber
nicht ohne Hoffnung: Viele bewerten 2025 als Übergangsjahr, eine Trendwende
erwartet man für 2026 oder später.
Effizienz als
Überlebensstrategie
91 Prozent der Unternehmen
setzen auf Effizienzsteigerung – vom optimierten Workflow bis zu smarteren
Prozessen. Das Ziel: Kosten senken, Produktivität sichern und die
Wettbewerbsfähigkeit stärken. Der Fokus liegt klar auf Optimierung bestehender
Abläufe statt auf radikalen Umbrüchen. Als weitere wichtige
Stellhebel neben der Effizienzsteigerung werden die Motivation der Mitarbeiter
sowie Strategie und Geschäftsmodell betrachtet. Auch der Aufbau von
Kooperationen wird von 43% als bedeutend eingeschätzt. Die aktuelle Marktlage
stellt für viele Unternehmen weiterhin eine Herausforderung dar. Zwar rechnen
59 Prozent der Befragten mit guten Chancen, auch 2026 erfolgreich am Markt agieren zu
können, lediglich 13 Prozent sehen dagegen „sehr gute Chancen“.
Für 2026 wird vor allem
der Rüstungssektor als Wachstumstreiber wahrgenommen – 88 Prozent der Befragten
erwarten dort positive Entwicklungen. Klassische Branchen wie Automotive oder Consumer gelten hingegen als weitgehend stagnierend. Der Maschinenbau
liegt mit 20 Prozent im Mittelfeld. Zwar setzen viele Unternehmen auf vereinzelte
Wachstumssegmente, eine breit angelegte Erholung des Marktes ist jedoch nicht
in Sicht. Der Kurs bleibt entsprechend defensiv. Als klare Zukunftsfelder
werden insbesondere Nischenmärkte wie Aerospace sowie Halbleitertechnologie
wahrgenommen – so sehen es jeweils mehr als 40 Prozent. In diesem Bereich ergeben sich
greifbare Chancen für strategisch agile Unternehmen.
China ist wichtigster
Wettbewerber
Lohnkosten (67 Prozent),
Bürokratie (62 Prozent) und Energiekosten (56 Prozent) sind nach Angaben der Geschäftsführer
die wichtigsten Faktoren für die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Auch die
Verfügbarkeit von Fachkräften sowie die internationalen Handelsbedingungen
werden mit je 38 Prozent bzw. 33 Prozent als bedeutsam angesehen. Die Unternehmen kämpfen
also vor allem mit strukturellen Standortfaktoren. Stichwort Standort – als
stärkste Wettbewerber für den heimischen Maschinen- und Anlagenbau werten die
Befragten China mit 85 Prozent mit seiner kostengünstigen Großserienproduktion sowie
mit 46 Prozent die osteuropäischen Länder aufgrund von Lohn- und Betriebskosten.
Zudem belasten
Bürokratie und regulatorische Vorgaben die hiesigen Betriebe erheblich – sie
kosten Zeit, hemmen Innovationen, und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Kunden erwarten kürzere Lieferzeiten,
höhere Qualität und niedrigere Preise. Der draus resultierende Handlungsdruck
ist hoch, während die finanziellen und personellen Spielräume zunehmend
schrumpfen.
Dennoch zeigt sich: In
Unternehmen, die Prozesse konsequent digitalisiert und bestehende Standards
überprüft haben, konnten Effizienzgewinne und Margensteigerungen nachweislich
realisiert werden. Das vorhandene Potenzial ist erheblich, wird jedoch längst
nicht überall ausgeschöpft.
Was das Jahr 2026
betrifft, blicken die Befragten überwiegend zuversichtlich auf ihre
Marktchancen: 72 Prozent der Unternehmen sehen gute oder sehr hohe Chancen, auch 2026
erfolgreich am Markt zu sein. Die Mehrheit der Unternehmen setzt auf Anpassung,
Effizienz und Nähe zum Markt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die
Voraussetzungen für Stabilität sind gegeben – auch wenn der Weg dorthin
herausfordernd bleibt.
Automatisierung und
Robotik als Technologietreiber
In punkto
technologischer Entwicklung sieht sich mehr als die Hälfte als
wettbewerbsfähig, aber nicht an der Spitze an. Als wichtigste
Technologietreiber sehen 64 Prozent der Unternehmen derzeit Automatisierung und
Robotik an – gefolgt von Hochpräzisionsbearbeitung mit 38 Prozent. Auch künstliche
Intelligenz und digitale Zwillinge spielen mit jeweils 21 Prozent eine Rolle. 8 Prozent der
befragten Unternehmen setzen KI bereits regelmäßig ein. Weitere 26 Prozent haben erste
Schulungen begonnen. Bei Themen wie IoT oder
3D-Druck liegt der Einfluss noch im einstelligen Bereich. Insgesamt lässt sich
feststellen, dass der Fokus auf Effizienz und Fertigungsqualität gerichtet
wird.
65 Prozent der Unternehmen
sehen hohe Investitionskosten als größte Hürde, gefolgt von fehlenden Standards
und Schnittstellen (46 Prozent) sowie langen Amortisationszeiten (44 Prozent). Auch der
Fachkräftemangel (36 Prozent) bleibt ein zentrales Hindernis. Die Betriebe kennen mithin
in Bezug auf neue Technologien ihren Bedarf, doch es mangelt an geeigneten
Rahmenbedingungen. Planungssicherheit, Investitionsanreize und einfache
Prozesse gelten als Schlüsselfaktoren, um Innovationen tatsächlich in die
Praxis umzusetzen.
Ohne gezielte Förderung
und bessere Umsetzungsmöglichkeiten bleiben viele Technologien also vielerorts
noch Zukunftsmusik. Wer jedoch frühzeitig in neue Technologien investiert – und
sei es zunächst nur in Schulung und Sensibilisierung – legt das Fundament für
Differenzierung und die Wertschöpfung von morgen.
Fazit
Die Auswertung der Antworten gibt einen schonungslosen,
aber aufschlussreichen Einblick in eine Branche zwischen Routine, Reformstau
und Zukunftsanspruch. Die Umfrageergebnisse zeigen aber auch: Die große Stärke
der Branche bleibt ihre Standhaftigkeit – wer sich bisher behauptet hat, ist
auch bereit, die nächsten Schritte zu gehen.