Investitionen steigen, Exporte schwächeln: Das Bruttoinlandsprodukt tritt im dritten Quartal 2025 auf der Stelle. Eine Analyse der Ursachen und Entwicklungen.
Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte im 3. Quartal 2025 gegenüber dem 2. Quartal 2025.ImageFlow - stock.adobe.com)
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Wie entwickelte sich das Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal 2025?
Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen BundesamtesUwe Voelkner / bundesfoto
Das preis-, saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) blieb im dritten Quartal 2025 unverändert gegenüber dem Vorquartal. Dies bestätigt die Schnellmeldung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom 30. Oktober 2025. Im Vergleich zum Vorjahresquartal verzeichnete das BIP einen preisbereinigten Anstieg von 0,3 %. Destatis-Präsidentin Ruth Brand: „Die Konjunktur wurde im 3. Quartal von schwachen Exporten gebremst, während die Investitionen leicht zulegten.“
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Welche Rolle spielten Investitionen und Exporte?
Die Bruttoanlageinvestitionen nahmen im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 % zu. Besonders bei Ausrüstungen – Maschinen, Geräten und Fahrzeugen – wurde mit einem Anstieg von 1,1 % wieder mehr investiert. Dies spiegelte sich auch in steigenden gewerblichen Pkw-Neuzulassungen wider. Demgegenüber gingen Bauinvestitionen um 0,5 % zurück.
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Der Außenhandel konnte keine positiven Impulse setzen: Insgesamt wurden 0,7 % weniger Waren und Dienstleistungen exportiert als im zweiten Quartal 2025. Während die Warenausfuhren nur leicht um 0,1 % sanken, brachen die Dienstleistungsexporte um 2,6 % ein – insbesondere durch rückläufige Lizenzgebühren, Franchisegebühren sowie Instandhaltungs- und Reparaturleistungen. Die Importe blieben insgesamt stabil, mit einem Anstieg bei Warenimporten von 0,9 % und einem Rückgang bei Dienstleistungsimporten um 1,9 %.
Welche Entwicklungen zeigten sich beim Konsum?
Der Konsum stagnierte insgesamt im Quartalsvergleich. Private Haushalte gaben 0,3 % weniger aus, vor allem aufgrund geringerer Ausgaben für Gastronomie- und Beherbergungsleistungen. Im Gegensatz dazu stiegen die Konsumausgaben des Staates um 0,8 %.
Im Vorjahresvergleich erhöhten sich die gesamten Konsumausgaben um 1,1 %. Der private Konsum profitierte von gestiegenen Ausgaben für Kraftfahrzeuge (+0,8 %), während der Staatskonsum mit +1,7 % insbesondere durch mehr soziale Sachleistungen zulegte.
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Wie entwickelte sich die Bruttowertschöpfung in den Wirtschaftsbereichen?
Die Bruttowertschöpfung legte preis-, saison- und kalenderbereinigt im dritten Quartal 2025 um 0,1 % zu. Dabei verlief die Entwicklung je nach Branche unterschiedlich. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen Rückgang um 0,9 %, mit besonders schwachen Leistungen in verschiedenen Unterbereichen. Positiv entwickelten sich hingegen die Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen und elektrischen Ausrüstungen.
Im Baugewerbe setzte sich der Rückgang mit -0,6 % fort. Die Dienstleistungsbereiche konnten dagegen ihre Wertschöpfung insgesamt steigern. Besonders stark war der Anstieg im Bereich Information und Kommunikation (+0,8 %) sowie im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe (+0,7 %). Rückgänge gab es bei Unternehmensdienstleistern (-0,1 %) und bei sonstigen Dienstleistern (0,0 %).
FAQ – Wirtschaftsdaten Q3/2025
Was bedeutet eine stagnierende Wirtschaftsleistung?
Eine Stagnation des BIP bedeutet, dass die gesamtwirtschaftliche Leistung im Vergleich zum Vorquartal nicht zu- oder abgenommen hat. Es liegt weder Wachstum noch Schrumpfung vor.
Warum sind die Exporte gesunken?
Vor allem Dienstleistungsexporte gingen deutlich zurück. Gründe dafür sind rückläufige Einnahmen aus Lizenzvergaben, Software-Franchises und Instandhaltungsdienstleistungen.
Wie steht es um die Investitionen?
Ausrüstungsinvestitionen zogen wieder an, während Bauinvestitionen leicht sanken – besonders im Wohnbau. Der Tiefbau entwickelte sich dagegen positiv.
Wie entwickelte sich der Konsum?
Während der private Konsum leicht zurückging, legte der Staatskonsum zu. Auf Jahressicht stiegen beide Komponenten.
Welche Branchen entwickelten sich am besten?
Positive Impulse kamen vor allem aus den Bereichen Information und Kommunikation sowie Handel, Verkehr und Gastgewerbe.
Wie ist Deutschlands Lage im Vergleich zur EU?
Deutschland blieb hinter dem EU-Durchschnitt zurück, insbesondere verglichen mit Spanien und Frankreich.
Im Jahresvergleich erhöhte sich die Bruttowertschöpfung um 0,3 %. Die Dienstleistungsbereiche legten um 0,6 % zu, besonders im öffentlichen Sektor, Erziehung und Gesundheit (+1,9 %), sowie bei Handel, Verkehr und Gastgewerbe (+0,9 %). Im Bereich Information und Kommunikation stieg die Wirtschaftsleistung um 1,0 %.
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Demgegenüber verzeichneten Finanz- und Versicherungsdienstleister (-3,0 %), sonstige Dienstleister (-0,7 %) sowie Unternehmensdienstleister (-0,6 %) Rückgänge. Das Baugewerbe verlor im Vorjahresvergleich 3,0 %, vor allem im Hoch- und Ausbau. Lediglich der Tiefbau konnte zulegen. Im Verarbeitenden Gewerbe betrug der Rückgang 0,3 %, wobei insbesondere chemische Erzeugnisse sowie Kraftfahrzeuge und -teile schwächer abschlossen. Positiv entwickelten sich hingegen elektrische Ausrüstungen.
Was zeigen die Zahlen zur Erwerbstätigkeit und Arbeitsproduktivität?
Die Zahl der Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland betrug im dritten Quartal 2025 rund 46,0 Millionen – 23.000 weniger als im Vorjahresquartal. Die Rückgänge im Verarbeitenden Gewerbe und im Bau konnten durch Zuwächse im Dienstleistungsbereich nicht vollständig ausgeglichen werden.
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Die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden pro Erwerbstätigen blieben gegenüber dem Vorjahr konstant. Das gesamte Arbeitsvolumen stagnierte ebenfalls. Die Arbeitsproduktivität – gemessen am preisbereinigten BIP je Erwerbstätigenstunde – stieg um 0,3 %, je Erwerbstätigen gerechnet um 0,4 %.
Wie entwickelten sich Einkommen, Konsum und Sparquote?
Das nominale BIP lag im dritten Quartal 2025 um 3,4 % höher als im Vorjahresquartal, das Bruttonationaleinkommen stieg um 3,5 %, das Volkseinkommen um 3,7 %. Das Arbeitnehmerentgelt legte um 5,4 % zu, während die Unternehmens- und Vermögenseinkommen um 0,7 % sanken.
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Die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer stiegen um 5,1 %, die Nettolöhne um 4,7 %. Der Konsum legte mit +3,4 % stärker zu als das gesamtwirtschaftliche Einkommen (+2,6 %). Dadurch sank die Sparquote auf 9,6 %, nach 10,4 % im dritten Quartal 2024.
Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?
Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland hinterher. Während Spanien im dritten Quartal 2025 ein Wachstum von 0,6 % verzeichnete und Frankreich 0,5 % zulegte, stagnierte die deutsche Wirtschaft wie Italien bei 0,0 %. Die EU insgesamt wuchs um 0,3 %. Im Vorjahresvergleich betrug das BIP-Wachstum in Deutschland nur 0,3 %, in der EU dagegen 1,6 %.
Revidierte Zahlen aus den Vorquartalen
Die Ergebnisse der ersten beiden Quartale 2025 wurden mit neuen statistischen Informationen überprüft, ergaben aber keine Änderungen beim preisbereinigten Bruttoinlandsprodukt.