Digitale Ökosysteme im Maschinenbau

Digitale Ökosysteme stoßen an Datengrenzen

Digitale Ökosysteme gelten als strategischer Hebel. Ein Report von Aveva und IMD zeigt jedoch: Zwischen Anspruch und Umsetzung klafft eine deutliche Lücke.

Warum bremsen digitale Ökosysteme im Maschinenbau? Ein Report von Aveva und IMD zeigt Lücken bei Daten, Governance und Integration.
Warum bremsen digitale Ökosysteme im Maschinenbau? Ein Report von Aveva und IMD zeigt Lücken bei Daten, Governance und Integration. Im Bild von links Professor Mike Wade, Direktor des IMD Global Center for Digital and AI Transformation und Aveva-CEO Caspar Herzberg.

Summary: Aveva und die Business School IMD haben den ersten Industrial Intelligence Report zu digitalen Ökosystemen und vernetzten Industrien veröffentlicht. Befragt wurden 275 Führungskräfte aus zwölf Branchen; vorgestellt wurden die Ergebnisse im Umfeld der Aveva World. Der Report zeigt, dass digitale Ökosysteme strategisch wichtig sind, aber Daten, Governance und Systemintegration den industriellen Fortschritt bremsen.

Digitale Ökosysteme spielen für den Maschinenbau zunehmend eine strategische Schlüsselrolle. Aveva und die Business School IMD haben nun den ersten Industrial Intelligence Report zu digitalen Ökosystemen und der Zukunft vernetzter Industrien veröffentlicht.

Aveva-CEO Caspar Herzberg erklärte auf der Konferenz Aveva World, das Ziel der Studie sei es gewesen, zu untersuchen, warum industrielle Intelligenz oft an den Grenzen einer Organisation stoppt und wie digitale Ökosysteme helfen können , diese Grenzen zu überwinden. Dafür wurden 275 Führungskräfte aus zwölf verschiedenen Branchen befragt.

Die Ergebnisse zeigen: Obwohl 74 Prozent der Führungskräfte digitale Ökosysteme als strategische Priorität betrachten, teilen nur 27 Prozent Daten in substanziellem oder umfangreichem Maß mit ihren Ökosystempartnern. Mehrere Fallstudien verdeutlichen außerdem die Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung. Integrationsaufwand, veraltete Systeme und schwache Governance bremsen den Fortschritt.

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Das Potenzial industrieller Intelligenz

Unternehmen bauen zunehmend digitale Ökosysteme auf, um übergeordnete unternehmerische Herausforderungen zu bewältigen – ob schnellere Innovation, der Umgang mit Lieferkettenvolatilität oder die Dekarbonisierung komplexer globaler Betriebe.

Wie die Forschung zeigt, bleibt die Lücke zwischen Ambition und Umsetzung bei digitalen Ökosystemen jedoch groß. Zu verstehen, warum diese Lücke fortbesteht und wie Unternehmen beginnen, sie zu schließen, ist zu einer strategischen Notwendigkeit geworden.

Was ist mit digitalen Ökosystemen gemeint? Ein digitales Ökosystem ist mehr als eine Plattform oder ein Kundenportal. Es verbindet Maschinen, Software, Daten, Zulieferer, Betreiber, Servicepartner und oft auch Drittanbieter in einer gemeinsamen digitalen Umgebung. Im Maschinenbau kann das zum Beispiel heißen: Eine Anlage liefert Betriebsdaten, der Hersteller analysiert diese Daten, Serviceeinsätze werden automatisiert angestoßen, Ersatzteile rechtzeitig disponiert und zusätzliche Apps oder Services eingebunden.

Was ist industrielle Intelligenz? Der Report definiert sie als organisationale Fähigkeit, die Betriebstechnologie (OT), Informationstechnologie (IT) und künstliche Intelligenz (KI) integriert, um vernetzte, datengestützte Entscheidungsfindung über gesamte industrielle Ökosysteme hinweg zu ermöglichen.

Dort, wo Ökosysteme funktionieren, erzielen Unternehmen durch den Einsatz ihrer industriellen Intelligenz greifbare Ergebnisse. „Wir haben herausgefunden, dass je mehr Daten von Organisationen geteilt wurden, desto mehr Wert wurde geschaffen“, berichtet Professor Mike Wade, Direktor des IMD Global Center for Digital and AI Transformation und Professor für Strategie und Digitales an der IMD. Die Hürden bleiben jedoch erheblich und betreffen Unternehmensstrategie, Governance und Technologie.

 „Governance, Integration und Lernfähigkeit sind derzeit wichtiger als Algorithmen. Ökosysteme schaffen bereits operativen Mehrwert. Die nächste Phase besteht darin, dieses Fundament durch besseres Teilen von Daten, Koordination, klarere Rollen und bewusstere Führung in strategische Vorteile umzuwandeln“, so Wade weiter.

KI verwandelt Zusammenarbeit in Echtzeit-Systeme

Industriesektoren verfügen aus operativer Notwendigkeit heraus über jahrzehntelange Erfahrung in der Zusammenarbeit. Neu ist Wade zufolge, dass Daten, KI und vernetzte Plattformen diese Kooperationen in Echtzeit-Systeme verwandeln, die von Intelligenz angetrieben werden.

Die größte Barriere war dabei nicht – wie oft angenommen – die Unternehmenskultur. „Das Problem war nicht die Strategie, nicht die Absicht, nicht die Motivation. Es waren tatsächlich die praktischen Herausforderungen, diese Silos aufzubrechen und die Systeme dazu zu bringen, miteinander zu kommunizieren“, berichtet Wade.

Die Menschen seien weniger um ihre Daten besorgt. Vielmehr seien die Datenstandards und die Governance dieser Standards das Hindernis, ergänzt Herzberg.

Drei neue Partnerschaften für Aveva

  • Aveva und Amazon Web Services: Aveva und AWS haben eine mehrjährige strategische Zusammenarbeit vereinbart, um die Industrial-Intelligence-Plattform CONNECT auf der AWS-Infrastruktur auszubauen. Kunden sollen damit Cloud-native Industrieanwendungen schneller und kosteneffizienter nutzen können – unter anderem über den AWS Marketplace und gemeinsame Migrationsprogramme.
  • Aveva und Snowflake: Aveva und Snowflake ermöglichen künftig eine direkte Zero-Copy-Integration zwischen der CONNECT-Plattform und der KI Data Cloud von Snowflake. Industrieunternehmen können damit operative und unternehmensseitige Daten zusammenführen und analysieren, ohne aufwendige Datenpipelines oder Doppelspeicherungen.
  • Aveva und IFS: Aveva und IFS stellen mit „Continuous Asset Decision Intelligence" eine gemeinsame Lösung vor, die Echtzeit-Betriebsdaten mit Wartungsplanung, Personalkapazitäten und Kapitalplanung verbindet. Ziel ist es, den Weg von der Erkenntnis zur konkreten Entscheidung über den gesamten Anlagenlebenszyklus zu verkürzen.

FAQ zu digitale Ökosysteme im Maschinenbau

Was sind digitale Ökosysteme im Maschinenbau? – Digitale Ökosysteme verbinden Maschinen, Software, Daten, Zulieferer, Betreiber, Servicepartner und Drittanbieter in einer gemeinsamen digitalen Umgebung.

Warum sind digitale Ökosysteme strategisch wichtig? – Sie können helfen, Innovation zu beschleunigen, Lieferkettenvolatilität zu bewältigen und komplexe globale Betriebe zu dekarbonisieren.

Welche Rolle spielt industrielle Intelligenz für digitale Ökosysteme? – Industrielle Intelligenz integriert OT, IT und KI, um datengestützte Entscheidungen über vernetzte industrielle Ökosysteme hinweg zu ermöglichen.

Warum kommen digitale Ökosysteme oft nur langsam voran? – Integrationsaufwand, veraltete Systeme, Datenstandards und schwache Governance bremsen laut Report die Umsetzung.

Wie viele Führungskräfte priorisieren digitale Ökosysteme? – Laut Report betrachten 74 % der befragten Führungskräfte digitale Ökosysteme als strategische Priorität.