In einem BMW-Werk stehen mehrere silberne Autos hintereinander.

BMW stoppt seine Produktion in Europa für einen Monat. - Bild: BMW Group

| von Anja Ringel

In Zeiten von Hamsterkäufen und Panikmache in den sozialen Netzwerken hat BMW-Chef Oliver Zipse die Corona-Krise auf der Jahrespressekonferenz des Autobauers eher pragmatisch beschrieben: „Es gibt eine Zeit während Corona. Und es wird eine Zeit nach Corona geben“, sagte er. BMW ist gerade – wie der Rest von Europa – in der Zeit während Corona.

Und dieser Umstand zwingt nun auch den Münchner Autobauer zu Maßnahmen: Der Autobauer wird seine europäischen Werke und den Standort in Rosslyn (Südafrika) für vier Wochen schließen. Erst ab 19. April sollen wieder Autos über die Bänder laufen. „Wir befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation“, sagte der BMW-Chef.

Das Produktionsvolumen werde flexibel an die Nachfrage angepasst. Es gehe aber auch darum, die Mitarbeiter bestmöglich zu schützen, doch habe man natürlich auch die Wirtschaftlichkeit im Blick: „Der Fokus liegt kurzfristig insbesondere auf der Stabilisierung von Liquidität und Ergebnis, sagte Finanzvorstand Nicolas Peter.

Corona-Krise: So steht BMW zum Thema Kurzarbeit

Rund 30.000 BMW-Mitarbeiter sind laut Vorstandsmitglied Milan Nedeljković europaweit von den zeitweiligen Werksschließungen betroffen.

Kurzarbeit ist dagegen noch kein Thema beim Münchner Autobauer. Zumindest noch nicht.  Vorstandsmitglied Ilka Horstmeier, die auch den Corona-Krisenstab bei BMW leitet, geht davon aus, dass es sich bei den aktuellen Umständen um einen temporären Absatzrückgang handelt. Deshalb werde man zunächst auf die Arbeitszeitflexibilität – also Zeitkonten – zurückgreifen. Auf diesen Konten können die Mitarbeiter bis zu 300 Überstunden ansparen, aber auch bis zu 300 Stunden ins Minus gehen.

BMW-Chef Oliver Zipse und Finanzvorstand Nicolas Peter stehen vor einem BMW i4.
BMW-Chef Oliver Zipse (rechts) und Finanzvorstand Nicolas Peter auf der Jahrespressekonferenz von BMW. - Bild: BMW Group

Horstmeier erklärte, der Konzern sei vorbereitet, weitere Schritte zu unternehmen – das betreffe auch das Thema Kurzarbeit. Ob es zu Kurzarbeit kommen wird oder nicht, werde je nach Situation und Standort entschieden.

Gleichzeitig betonte BMW-Chef Zipse aber auch: das Unternehmen bleibe weiter arbeitsfähig. Soweit möglich, seien die Mitarbeiter im Homeoffice. Auch in der Lieferkette habe der Autobauer noch keine Ausfälle, sagte Einkaufsvorstand Andreas Wendt. Bisher sei keine einzige Lieferkette abgerissen. Nun würden aber auch Lieferpartner schrittweise die Produktion zurückfahren.

In China verbessert sich die wirtschaftliche Situation

Anders als in Europa, kehrt in der chinesischen Wirtschaft langsam wieder Normalität ein. Von einer „Zeit nach Corona“ sprechen die Vorstände aber noch nicht: Wie auch der Mitbewerber Volkswagen, merkt BMW in der Volksrepublik jedoch eine Entspannung der Situation: Vorstandsmitglied Pieter Nota sagte, nachdem im Februar der Absatz komplett eingebrochen sei, zeigen „viele Zeichen wieder in die richtige Richtung“.

95 Prozent der chinesischen Händler seien inzwischen wieder aktiv. Eine belastbare Wachstumsprognose für den chinesischen Markt könne er jedoch noch nicht  abgeben, dafür sei es noch zu früh, erklärte er.

So verlief das Geschäftsjahr 2019 für BMW

Auf der Jahrespressekonferenz beschäftigte den Konzern natürlich auch die Vor-Corona-Zeit – also das Geschäftsjahr 2019. Finanzvorstand Peter sagte, der Autobauer habe in einem für die gesamte Branche herausfordernden Umfeld seine Leistungskraft gezeigt.

In Zahlen heißt das: Der Konzernumsatz stieg um 7,6 Prozent auf mehr als 104 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern lag allerdings mit rund sieben Milliarden Euro mehr als 26 Prozent unter dem Vorjahr – unter anderem wegen einer Rückstellung für eine mögliche Kartellstrafe der EU.

Auch der Gewinn war deshalb rückläufig: Mit rund fünf Milliarden Euro lag er knapp 29 Prozent unter dem des Vorjahres.

Ausblick 2020: Der Coronavirus beeinflusst die Prognose

Die Corona-Krise spielte auch beim Ausblick für BMW eine wesentliche Rolle: Die Maßnahmen zur Verlangsamung der Verbreitung des Erregers werden sich deutlich auf die Geschäftsentwicklung auswirken, sagte Peter. Prognosen seien in diesen Zeiten schwierig, aber nicht unmöglich. Die BMW-Gruppe geht davon aus, dass sich der Absatz im Jahr 2020 in allen Märkten negativ entwickeln wird. Aber: Das Unternehmen geht davon aus, dass sich die Absatzsituation in allen Märkten nach einigen Wochen wieder normalisieren wird, erklärte Peter.

Vor den Corvid-19-Auswirkungen rechnete der DAX-Konzern mit einem „deutlich steigenden Konzernergebnis vor Steuern“ – auch weil die Kartellrückstellung entfällt. Nun geht Peter davon aus, dass das Konzernergebnis vor Steuern deutlich rückläufig sein wird.

Auch die zu erwartende EBIT-Marge wurde angepasst: Ursprünglich rechnete das Unternehmen mit einem Wert zwischen sechs und acht Prozent. „Für das Gesamtjahr rechnen wir momentan mit einer Belastung der EBIT-Marge im Segment Automobile von rund vier Prozentpunkten“, sagte Peters.  

Hohe Investitionen bei BMW

BMW-Chef Zispe kündigte außerdem an, dass das Unternehmen bis 2025 mehr als 30 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investieren wird. Man müsse trotz Corona vorausdenken sagte er – und sich auf die Zeit „nach Corona“ vorbereiten.