Ein VW-Werksarbeiter steht an einem silvernen Auto, das gerade zusammengebaut wird.

Bald sind die Werke leer: Weil sich der Coronavirus immer mehr ausbreitet, stoppt VW seine Produktion in Europa. - Bild: Volkswagen AG

| von Anja Ringel

Eigentlich wollte die Volkswagen AG auf ihrer Bilanzpressekonferenz über das Geschäftsjahr 2019 informieren. Doch in Zeiten der Coronakrise waren Geschäftszahlen zunächst einmal zweitrangig.

VW-Chef Herbert Diess erklärte, dass Volkswagen nach und nach seine Produktion in Europa stoppen werde. Werke in Spanien, Portugal, der Slowakei und Italien seien bereits geschlossen. Die meisten anderen Standorte in Europa sollen spätestens nächste Woche folgen. „Oberstes Ziel ist es, die Ausbreitung des Coronavirus so stark wie möglich zu verlangsamen“, sagte Diess. Voraussichtlich zwei Wochen lang soll die Produktion stoppen.

VW: Sinkende Nachfrage führt zu Produktionsstopp

Gründe für den Produktionsstopp sind auch die deutlich verschlechterte Absatzlage und die unsichere Teileversorgung. Die aktuelle Woche sei abgesichert, sagte Vorstandsmitglied Stefan Sommer. Aber: VW arbeite momentan von Tag zu Tag, die Lieferkette aufrecht zu halten werde immer schwieriger. „Wir rechnen nächste Woche mit Unterbrechungen der Lieferketten“, erklärte Sommer.

Als Konsequenz möchte der Autobauer für seine deutschen Standorte Kurzarbeit ansetzen. „Wir prüfen die laufende Versorgung der Werke und werden abhängig davon Kurzarbeitergeld beantragen“, sagte Vorstandsmitglied Gunnar Kilian, der auch die VW-Taskforce zum Coronavirus leitet.

VW-Chef Diess wurde noch deutlicher: Er gehe davon aus, mit Kurzarbeitergeld die nächsten Wochen überbrücken zu können. Er sei froh, dass es sowohl auf EU- als auch auf Bundesebene deutliche Zusagen gebe, dass vom Coronavirus betroffenen Unternehmen geholfen werden soll. „Die Maßnahmen, die jetzt initiiert wurden, sind kraftvoll“, sagte Finanzvorstand Frank Witter. Ob zusätzliche Hilfen gebraucht werden, hänge davon ab wie lange und intensiv die Coronakrise dauern werde.

Innerhalb des VW-Konzerns sind weltweit 25 Coronafälle bekannt – drei davon in Wolfsburg, sagte Kilian. Zwei der drei Beschäftigten seien jedoch zuvor auf einer Reise und deshalb nicht im Unternehmen gewesen. Beim dritten Mitarbeiter seien die Kontaktpersonen in Quarantäne.

Der VW-Pressesprecher, VW-Chef Herbert Diess (Mitte) und Finanzvorstand Frank Witter (rechts) stehen an einem großen Tisch vor Kameras und informieren über die Auswirkungen der Corona.Krise.
VW-Chef Herbert Diess (Mitte) und Finanzvorstand Frank Witter (rechts) informierten auf einer Pressekonferenz über die VW-Maßnahmen zum Coronavirus. - Bild: Volkswagen AG

Die Corona-Krise hat natürlich auch Auswirkungen auf das laufende Geschäftsjahr. „Eine verlässliche Prognose ist derzeit nahezu unmöglich“, sagte Finanzvorstand Frank Witter. Der Konzern wolle das laufende Jahr nicht komplett abschreiben. Man wisse aber nicht, wie viel von der im Februar veröffentlichten Prognose noch übrig bleibe. Vor einem Monat ist VW noch davon ausgegangen, dass die Umsatzerlöse des Konzerns um bis zu vier Prozent über dem Vorjahreswert liegen werden.

VW-Chef Diess erklärte außerdem, dass die finanziellen Risiken noch nicht endgültig abschätzbar sind. Auch die Frage, wie die Konjunktur nach der Krise laufe, lasse sich noch nicht beantworten.

Coronavirus: Aufatmen in chinesischen VW-Werken

Ob die VW-Hauptversammlung wie geplant am 7. Mai stattfinden kann, steht ebenfalls noch nicht fest. Die Versammlung müsse als Präsenzveranstaltung abgehalten werden, erklärte Finanzvorstand Witter. Da lasse das Börsengesetz wenig Spielraum zu. Er könne deshalb nicht sicher sagen, ob es bei dem Termin im Mai bleibt, sagte Witter.

Gute Nachrichten gibt es dagegen aus China: Hier läuft an fast allen Standorten die Produktion wieder. Auch die Werke in Übersee laufen noch. Dort sei der Zustand noch nicht so kritisch, erklärte der VW-Chef.

VW sucht Lösungen für Renk und MAN Energy Solutions

Trotz Coronavirus will der Autobauer weiterhin seine Flexibiltät erhöhen und an „vielen Stellen die Strukturen im Unternehmen vereinfachen“, sagte Diess auf der Bilanzpressekonferenz. Konkret heißt das: Der Konzern will sich auf seine Kernkompetenzen wie Nutzfahrzeuge konzentrieren.

Man suche deshalb konsequent nach neuen Eigentümern für andere Sparten, erklärte der VW-Chef. So möchte das Unternehmen die Mehrheitsbeteiligung bei seiner Tochterfirma Renk verkaufen. Für MAN Energy Solutions sei man auf der Suche nach einer „sinnvollen industriellen Lösung“.

Geschäftsjahr 2019: Das sind die Zahlen der Volkswagen AG

Finanzvorstand Witter stellte außerdem noch die Zahlen des Geschäftsjahres 2019 vor. Das Umfeld sei nicht einfach gewesen, erklärte er und zählte unter anderem handelspolitische Spannungen und den technologischen Wandel als Herausforderungen auf. Insgesamt lagen die Umsatzerlöse des Konzerns mit rund 253 Milliarden Euro 7,1 Prozent über dem Vorjahr.

Als Gründe nannte Witter Mixeffekte, höhere Absatzvolumina und das Geschäftswachstum im Bereich Finanzdienstleistungen. Negativ wirkten sich dagegen die Wechselkurse aus.

Das sind die Ergebnisse der einzelnen Marken:

  • Volkswagen Pkw erzielte einen Umsatz von mehr als 88 Milliarden Euro. Das sind 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Absatz ging jedoch um ein Prozent zurück, sagte Witter.
  • Bei Audi ging der Umsatz stattdessen zurück: Von knapp 60 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf nun rund 56 Milliarden Euro.
  • Die Umsatzerlöse bei Skoda stiegen im vergangenen Jahr um 14,5 Prozent auf knapp 20 Milliarden Euro.
  • Einen Rekordwert erzielte Seat: Hier übertraf der Umsatz von 11,5 Milliarden Euro den Rekordwert des Vorjahres um 12,7 Prozent.
  • Bentley erreichte 2019 einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro – ein Plus von 35,1 Prozent.
  • Mit dem Umsatz von Porsche zeigte sich Witter ebenfalls zufrieden: Dieser stieg um rund zehn Prozent auf 26,1 Milliarden Euro.
  • Bei Volkswagen Nutzfahrzeuge lagen die Umsatzerlöse mit 11,5 Milliarden Euro annähernd auf Vorjahresniveau.
  • Scania Vehicles and Services erwirtschaftete einen Umsatz von knapp 14 Milliarden Euro – rund eine Milliarde mehr als 2018.
  • Knapp fünf Prozent höher als im Vorjahr waren die Umsatzerlöse von MAN Nutzfahrzeuge: 12,7 Milliarden Euro.
  • Ebenfalls ein Plus erreichten die Volkswagen Finanzdienstleistungen mit 38 Milliarden Euro. Das sind knapp 16 Prozent mehr als 2018.

Konzernchef Diess sagte, VW habe 2019 für alle relevanten Veränderungen wesentliche Weichenstellungen getätigt. 2020 sei ein sehr schwieriges Jahr für das Unternehmen. „Die Corona-Pandemie stellt uns vor große Herausforderungen“, erklärte er.

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