Blick in eine leere Fabrik.

So leer wie in dieser Halle wird es bald in vielen Werken aussehen: Die Autobauer stoppen ihre Produktion in Europa. - Bild: Adobe Stock/NERYX

| von Anja Ringel
Aktualisiert am: 15. Apr. 2020

Tausende stehen täglich in den Werken. Schrauben, montieren und planen bis ein Auto fertig ist. Jetzt ist damit Schluss. Vorerst. Der Coronavirus stoppt die Autoproduktion in Europa. Die Unternehmen wollen dadurch helfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, wie VW-Chef Herbert Diess sagte. Die Autobauer reagieren damit aber auch auf die sinkende Nachfrage.

PRODUKTION gibt einen Überblick, welche Maßnahmen die Autobauer ergriffen haben und wann die Werke wieder öffnen.

Autoproduktion: Diese Werke werden geschlossen

Bei Audi werden die Werke in Europa und in Mexiko geschlossen. Wegen der „aktuell deutlich verschlechterten Absatzlage und der sich abzeichnenden Unsicherheit der Teileversorgung der Werke wird es an den meisten Standorten des Volkswagen-Konzerns zu Produktionsunterbrechungen kommen“, teilte der Autobauer mit. Mitte April hat der Autobauer mit der Produktion am Standort in Györ (Ungarn) wieder begonnen.  Nach aktuellem Stand will die VW-Tochter in Neckarsulm und Brüssel ab dem 20. April und in Ingolstadt ab dem 27. April stufenweise die Produktion wieder hochfahren. Dies sei aber alles noch im Fluss, so das Unternehmen. In Mexiko werde die Produktion einem Regierungsdekret entsprechend erst nach dem 30. April wieder beginnen, hieß es. In Deutschland arbeiten rund 60.000 Menschen in den Audi-Werken.

BMW-Chef Oliver Zispe erklärte auf der Jahrespressekonferenz die Maßnahmen: Der Autobauer werde seine europäischen Werke und das Werk in Rosslyn (Südafrika) schließen. „Wir alle befinden uns in einer außergewöhnlichen Situation, sagte Zispe. Wie bei vielen Gütern werde auch die Nachfrage nach Fahrzeugen deutlich sinken. Die Werke sollen voraussichtlich bis Ende April geschlossen bleiben.

Daimler stoppt einen Großteil seiner Produktion in Europa. Auch einige Verwaltungsbereiche werden geschlossen. Mit der Maßnahme verbunden „ist die Überprüfung der globalen Lieferketten, die derzeit nicht in vollem Umfang aufrechterhalten werden können, erklärt das Unternehmen in einer Pressemitteilung.Neben der Unterbrechung der Infektionskrise sollen die Werksschließungen auch dazu dienen, die Finanzkraft von Daimler zu sichern. Sollte sich die Lage entspannen, werde der Betrieb wieder aufgenommen. Aufsichtsrat Michael Brecht schreibt auf Twitter: „Ich bin überzeugt, dass wir diese Phase gemeinsam meistern werden."

Ab 20. April soll dann in einigen ausgewählten Werken die Produktion sukzessive wieder hochgefahren werden. Das betrifft laut Daimler zunächst die Pkw-Powertrain-Werke in Deutschland, gefolgt von den Mercedes-Benz Pkw-Werken Sindelfingen und Bremen sowie den Van-Werken. Während des gestaffelten Anlaufs werden diese Werke zunächst im 1-Schicht-Betrieb fertigen. Auch die Lkw- und Bus-Werke werden ab dem 20. April schrittweise ihre Produktion wiederaufnehmen. Zum Schutz der Mitarbeiter hat das Unternehmen Vorkehrungen zum Infektionsschutz getroffen und ein Maßnahmenpaket mit dem Betriebsrat vereinbart. Dazu gehören Hygiene- und Reinigungs-Standards, sowie Regelungen zum Verhalten am Arbeitsplatz.

Opel und Ford schließen Werke Mitte März

Fiat Chrysler hat seine Werke bereits seit Anfang März geschlossen. Von den Maßnahmen betroffen ist auch die Maserati-Produktion in Italien. Mehr dazu lesen Sie hier.

Ab 19. März stoppt die Produktion bei Ford in Europa. Die Schließung sei für „einige Wochen“ geplant, erklärte das Unternehmen zunächst. Stuart Rowley, Präsident von Ford Europa sagte, die Auswirkungen des Coronavirus seien in den Ford-Werken bisher begrenzt. Jedoch habe die Pandemie Auswirkungen auf die Mitarbeiter, Händler, Lieferanten und Kunden sowie die europäische Gesellschaft insgesamt. Davon betroffen sind auch die deutschen Standorte in Köln und Saarlouis. Anfang April beschloss Ford, dass die meisten europäischen Werke - darunter auch die deutschen -  bis mindestens 4. Mai geschlossen bleiben.

Noch bis 25. März ist die Fabrik in Sant’Agata Bolognese (Italien) des Autobauers Lamborghini geschlossen. Stefano Domenicali, Chairman and Chief Executive Officer sagte dazu: „Das ist eine Entscheidung, motiviert durch soziale Verantwortung und geprägt von hoher Sensibilität gegenüber unseren Mitarbeitern, in dieser außergewöhnlichen Situation, in der wir uns in Italien befinden und die sich auch im Ausland entwickelt.“

Auch bei Opel ruht die Produktion. Nachdem der französische Mutterkonzern PSA einen Produktionsstopp verhängte, wurde die Produktion in den Werken in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern am 17. März kontrolliert heruntergefahren, erklärte ein Unternehmenssprecher. Der Autobauer spricht momentan außerdem mit den Arbeitnehmern und der Arbeitsagentur über die Ausweitung von Kurzarbeit. Neben Deutschland werden auch PSA-Standorte in Spanien, Frankreich, Portugal, Großbritannien und der Slowakei geschlossen.

Mindestens bis Anfang April wird die Produktion bei Porsche stoppen. Das Stammwerk Zuffenhausen und der Produktionsstandort Leipzig bleiben ab Samstag (21.03.) geschlossen, teilte der Sportwagenhersteller mit. "Mit diesen Maßnahmen leistet unser Unternehmen seinen Beitrag, die Belegschaft zu schützen und die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Die tatsächlichen Folgen sind noch nicht absehbar. Für Prognosen ist es deshalb zu früh. Klar ist, dass 2020 ein sehr herausforderndes Jahr wird“, sagt Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG.

Coronavirus: Nicht nur in Deutschland werden Werke geschlossen

In Frankreich hat Renault am 16. März alle zwölf Werke geschlossen. Die Entscheidung gelte bis auf weiteres, so der Autobauer. Wann die Produktion wieder hochgefahren werden kann, hänge von den Entwicklungen ab. Rund 18.000 Mitarbeiter arbeiten in Frankreich bei Renault.

In Tschechien stehen die Werke bei Skoda ebenfalls still. Das hat Pressesprecher Tomas Kotera auf Twitter angekündigt. Die drei Werke in Mlada Boleslav, Kvasiny und Vrchlabi werden am Mittwoch (18.3.) heruntergefahren.  Am Mittwoch (8.4.) hat Skoda angekündigt, die Werksschließung bis 27. April zu verlängern. Zuvor ging der Autobauer noch davon aus, Anfang April wieder mit der Produktion starten zu können. Die Beschäftigten erhalten laut Dpa in der Zeit vom 30. März bis zum 14. April 75 Prozent ihres Durchschnittsverdiensts. In den drei Skoda-Fabriken arbeiten rund 37.000 Menschen. 

Der Elektroautobauer Tesla muss seine Produktion im Hauptwerk im kalifornischen Fremont bis Anfang Mai unterbrechen. Rund 10.000 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Auch e.GO Mobile schließt sein Werk in Aachen Rothe Erde. Die Unterbrechung beginnt ab dem 23. März und ist zunächst für vier Wochen geplant. Der Elektroautohersteller kommt mit dieser Maßnahme auch Produktionsengpässen zuvor, die durch die Produktionsstopps der großen Autohersteller in den nächsten Wochen in der Zulieferkette zu erwarten sind, teilt das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. 

Auch Volkswagen und Toyota stoppen Produktion

Der japanische Autobauer Toyota hat ebenfalls Konsequenzen aus der Coronakrise gezogen und ebenfalls seine Werke in Europa geschlossen. Das Unternehmen hat unter anderem Standorte in Polen, Frankreich und Tschechien. Die Maßnahme gelte bis auf weiteres, erklärte der Konzern.

Die Marke Volkswagen Pkw fährt am 19. März – mit dem Ende der Spätschicht – ihre Produktion zunächst für zwei Wochen herunter. Ende März gab der Autobauer bekannt, den Produktionsstopp bis 19. April zu verlängern. Insgesamt wird damit für rund 80.000 Mitarbeiter eine Verlängerung der Kurzarbeit beantragt. Betroffen sind die Werke in Dresden, Emden, Osnabrück, Wolfsburg, Zwickau und von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Hannover sowie die Werke der Volkswagen Konzern Komponente in Braunschweig, Kassel, Salzgitter, Chemnitz, Hannover Komponente und die deutschen Werke der SITECH. Ralf Brandstätter, Chief Operation Officer der Marke Volkswagen Pkw, sagte in einer Pressemitteilung: "Die Ausbreitung des Corona-Virus in Europa belastet die Nachfragesituation zunehmend. Zugleich wird die Versorgung unserer Werke mit Zulieferteilen immer schwieriger“ Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh sagte, es gebe keine Alternative als zum geordneten Ausstieg in der Fertigung. 

(mit Material von Dpa)