Deutsche Konjunktur: Nur moderate Erholung in Sicht
Die deutsche Konjunktur befindet sich laut Gemeinschaftsdiagnose in einer Erholungsphase, gewinnt 2026 und 2027 aber nur moderat an Dynamik.
Claus WilkClausWilkClaus WilkChefredakteur
Mittelfristig rechnen die Institute damit, dass das Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland von derzeit 0,2 % bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig zum Erliegen kommt.RVNW - stock.adobe.com
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Summary: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für Deutschland 2026 ein BIP-Wachstum von 0,6 % und für 2027 von 0,9 %. Belastet wird die deutsche Konjunktur durch gestiegene Energiekosten, Inflation und schwache Auslandsgeschäfte der Industrie. Gleichzeitig sorgt die expansive Fiskalpolitik für Impulse, erhöht aber Defizit und Schuldenstand deutlich.
Was die Institute für die deutsche Konjunktur erwarten
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sehen die deutsche Konjunktur nach einem mehrjährigen Abschwung zwar in einer Erholungsphase, erwarten aber für 2026 nur eine moderate Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 % und für 2027 von 0,9 %.
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„Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen“, sagt Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des ifo Instituts.
Wie aus der Mitteilung der Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose hervorgeht, wird die Inflationsrate nach Einschätzung der Institute im Jahr 2026 auf durchschnittlich 2,8 % ansteigen, im Jahr 2027 auf 2,9 %.
Während die gestiegene Inflation den privaten Konsum dämpft, sorgt die expansive Finanzpolitik für Impulse. Die kräftige Ausweitung der Neuverschuldung für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz stützt insbesondere Unternehmen der Verteidigungsindustrie und des Tiefbaus.
Insgesamt entwickelt sich die Industrie dennoch wenig dynamisch. Deren Auslandsgeschäfte nehmen angesichts weiter abnehmender Wettbewerbsfähigkeit, hoher geopolitischer Unsicherheit und fortbestehender handelspolitischer Belastungen kaum zu.
Die Gemeinschaftsdiagnose wird zweimal im Jahr im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie erstellt. Das Frühjahrsgutachten 2026 haben laut Mitteilung DIW in Berlin, ifo Institut in München, Kiel Institut, IWH in Halle und RWI in Essen erstellt.
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Wie sich Arbeitsmarkt und Produktionspotenzial entwickeln
Mittelfristig rechnen die Institute damit, dass das Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland von derzeit 0,2 % bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig zum Erliegen kommt. Neben dem demografiebedingten Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter trägt dazu nach Einschätzung der Institute die sinkende Arbeitszeit je Erwerbstätigen bei.
Dies liege vor allem daran, dass die Arbeitsleistung mehr und mehr von älteren Arbeitnehmern erbracht wird, die eine unterdurchschnittliche Wochenarbeitszeit haben. Diese strukturellen Veränderungen werden am Arbeitsmarkt durch konjunkturelle Faktoren überlagert.
Die Institute erwarten einen leichten Rückgang der Erwerbstätigkeit im Jahr 2026 um rund 100.000 Personen, gefolgt von einem Anstieg im Jahr 2027 um etwa 42.000 Personen. Die Arbeitslosenquote steigt im Jahr 2026 auf 6,4 %, bevor sie im Folgejahr auf 6,2 % zurückgeht.
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Fiskalpolitik wird zum zentralen Konjunkturtreiber
Die massive Neuverschuldung erhöht den Instituten zufolge das Defizit der öffentlichen Haushalte auf 3,7 % des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2026 und 4,2 % im Jahr 2027. Damit steigt der Bruttoschuldenstand auf 67,2 % des BIP.
Die Institute bewerten den fiskalischen Schub als wichtigen Konjunkturtreiber. Zugleich verweisen sie auf die langfristigen Risiken für die Stabilität der Staatsfinanzen und auf erhebliche Konsolidierungserfordernisse zum Ende des Jahrzehnts.
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Welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Institute fordern
Angesichts gestiegener Energiekosten sprechen sich die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gegen staatliche Eingriffe aus, die kurzfristig die Energiepreise senken. Nach ihrer Einschätzung würden damit wichtige Marktsignale außer Kraft gesetzt.
Stattdessen plädieren die Institute für zielgerichtete soziale Ausgleichsmaßnahmen. Nach Ansicht der Institute ist zudem eine Wachstumspolitik nötig, die regulatorisch bedingte Bremsen für private ökonomische Aktivität löst, um Potenzialreserven zu heben.
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Hierzu sollten sowohl die Arbeitsanreize gestärkt wie auch die Bedingungen für Investitionen und Innovationen verbessert werden.
mit Material von DIW, Ifo, Wifo, IWH, RWI und IHS
Die Konjunktur auf einen Blick
• Wie entwickelt sich die deutsche Konjunktur laut Gemeinschaftsdiagnose? – Die Institute erwarten 2026 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 % und 2027 von 0,9 %.
• Warum bleibt die deutsche Konjunktur schwach? – Belastend wirken gestiegene Energiekosten, höhere Inflation, sinkende Wettbewerbsfähigkeit, geopolitische Unsicherheit und handelspolitische Belastungen.
• Welche Rolle spielt die Industrie für die deutsche Konjunktur? – Die Industrie entwickelt sich insgesamt wenig dynamisch, weil die Auslandsgeschäfte kaum zunehmen.
• Wie beeinflusst die Fiskalpolitik die deutsche Konjunktur? – Die expansive Fiskalpolitik stützt die Binnenwirtschaft und gilt den Instituten als wichtiger Konjunkturtreiber.
• Was fordern die Institute für die deutsche Konjunktur? – Gefordert werden zielgerichtete soziale Ausgleichsmaßnahmen sowie bessere Bedingungen für Arbeitsanreize, Investitionen und Innovationen.