DEKRA-Analyse

Fachkräfte: Diese Berufe haben beste Aussichten

Eine aktuelle Stellenmarktanalyse zeigt: Gewerblich-technische Fachkräfte bleiben trotz Konjunkturschwäche heiß begehrt – Ingenieurberufe erholen sich deutlich.

Fachkräfte sind gefragt. Eine DEKRA-Analyse zeigt starke Nachfrage in Elektro, Metall, Ingenieurwesen, IT und Pflege.
Fachkräfte sind gefragt. Eine DEKRA-Analyse zeigt starke Nachfrage in Elektro, Metall, Ingenieurwesen, IT und Pflege.

Summary: Die DEKRA Akademie hat 9.301 Stellenangebote ausgewertet und zeigt, welche Fachkräfte derzeit besonders gefragt sind. In Deutschland bleiben gewerblich-technische Berufe trotz Konjunkturschwäche stark, während Ingenieur- und IT-Berufe wieder zulegen. Auswirkungen zeigen sich vor allem für Maschinenbau, Produktion, Automatisierung und Personalentwicklung.

Der deutsche Arbeitsmarkt sendet widersprüchliche Signale. Während Schlagzeilen über Stellenabbau, Produktionsverlagerungen und Rezessionsängste dominieren, zeichnet eine aktuelle Analyse der DEKRA Akademie ein differenzierteres Bild: Auf Basis von 9.301 ausgewerteten Stellenangeboten wird deutlich, dass Fachkräfte in zentralen Bereichen des Maschinenbaus und der produzierenden Industrie weiterhin dringend gesucht werden. Für Ingenieure und IT-Fachkräfte hat sich die Lage sogar spürbar verbessert.

Elektro- und Metallberufe trotzen der Krise

An der Spitze der meistgesuchten Berufe stehen Elektronikerinnen und Elektroniker mit einem Anteil von 3,78 Prozent aller Stellenangebote. Diese Zahl mag auf den ersten Blick bescheiden wirken, doch angesichts der enormen Bandbreite an Berufsbildern im deutschen Arbeitsmarkt unterstreicht sie die zentrale Bedeutung elektrotechnischer Kompetenzen. Die Energiewende, der Ausbau dezentraler Energiesysteme und die fortschreitende Elektrifizierung industrieller Prozesse schaffen einen anhaltend hohen Bedarf an Fachkräften, die Schaltanlagen installieren, Steuerungen programmieren und komplexe elektrische Systeme warten können.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Metallberufen. Trotz der viel diskutierten Krise der deutschen Industrie verzeichnet dieser Tätigkeitsbereich einen der höchsten Stellenanteile seit Beginn der Erhebung im Jahr 2008. Schweißerinnen und Schweißer sind so gefragt wie nie zuvor und rangieren auf Platz 13 im Gesamtranking – eine Position, die sie in der gesamten Erhebungshistorie noch nicht erreicht hatten. Der Grund liegt auf der Hand: Die Fachkräftelücke in diesem Beruf hat sich 2025 weiter vergrößert, während gleichzeitig erfahrene Facharbeiter in den Ruhestand wechseln. Direkt dahinter folgen Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, deren Expertise angesichts der energetischen Gebäudesanierung und des Wärmepumpenhochlaufs unverzichtbar bleibt.

Auch Maschinen- und Anlagenführer haben ihre Position im Ranking verbessert und sind um zwei Plätze vorgerückt. Staplerfahrer und Transportgeräteführer etablieren sich zum vierten Mal in Folge unter den Top-10-Berufen, was die anhaltende Bedeutung innerbetrieblicher Logistik unterstreicht. Produktionshelfer komplettieren das Bild einer robusten Nachfrage nach praktischen Fertigkeiten in der Fertigung.

Die Top-10-Berufe 2026

RangBerufAnteil an Gesamtstellen [%]
1Elektroniker:in, Elektroinstallateur:in, Elektromonteur:in3,78
2Gesundheits- und Krankenpfleger:in, Pflegefachkraft2,92
3Wirtschaftswissenschaftler:in, Betriebswirt:in2,53
4Erzieher:in, Kinderbetreuer:in2,39
5Maschinen-/Anlagenführer:in, Maschinist:in2,17
6Staplerfahrer:in, Transportgeräteführer:in2,11
7Sales Manager:in, Verkaufsmanager:in, Produktmanager:in1,99
8Hauspflegekraft, Hauswirtschaftl. Betreuer:in1,98
9Produktionshelfer:in1,84
10Sozialarbeiter:in, Sozialpädagoge/-pädagogin1,81

Quelle: DEKRA Akademie 2026

Ingenieure und IT-Fachkräfte: Die Talsohle ist durchschritten

Für Ingenieure und IT-Spezialisten bringt die aktuelle Analyse ermutigende Nachrichten. Beide Tätigkeitsbereiche haben ihren Tiefststand vom Vorjahr überwunden und legen beim Stellenanteil deutlich zu. Der Bereich Ingenieure und Naturwissenschaftler wächst von 4,7 auf 6,4 Prozent, IT-Berufe steigern sich von 4,4 auf 6,0 Prozent.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Detailranking wider. Architektinnen und Architekten sowie Softwareentwickler teilen sich Platz 11 im Gesamtranking – im Vorjahr lagen sie noch auf den Plätzen 18 beziehungsweise 23. Elektroingenieure, die für den Maschinenbau von besonderer Relevanz sind, haben einen beachtlichen Sprung von Platz 33 auf Platz 19 vollzogen. Diese Erholung deutet darauf hin, dass Unternehmen trotz kurzfristiger Kosteneinsparungen an ihren Transformationsprojekten festhalten und weiterhin in Digitalisierung, Automatisierung und neue Produktentwicklungen investieren.

Der Bereich Anlagensteuerung und Automatisierung hält sich mit 3,9 Prozent Stellenanteil stabil und liegt damit weiterhin unter den zehn wichtigsten Tätigkeitsbereichen. Für Fachkräfte mit Kompetenzen in Steuerungstechnik, SPS-Programmierung und Prozessautomatisierung bleiben die Perspektiven entsprechend positiv.

Wirtschaftswissenschaftler kehren zurück

Eine der überraschendsten Entwicklungen betrifft einen Bereich, der auf den ersten Blick wenig mit dem Maschinenbau zu tun hat: Wirtschaftswissenschaftler und Betriebswirte befinden sich erstmals seit 2018 wieder unter den Top-10-Berufen. Für Industrieunternehmen ist diese Nachricht dennoch relevant, denn die Transformation erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch strategische Kompetenz.

Die gestiegene Bedeutung von Datenanalyse, die Notwendigkeit belastbarer Prognosen in unsicheren Zeiten und die Komplexität von Lieferketten- und Risikomanagement machen Betriebswirte zu gefragten Partnern der Technik. Wer Strategien entwickeln, Investitionsentscheidungen fundieren und Transformationsprozesse wirtschaftlich begleiten kann, wird in den kommenden Jahren gute Karrierechancen haben.

Die Top-10-Tätigkeitsbereiche 2026

RangTätigkeitsbereich2026 [%]2025 [%]Veränderung in Prozentpunkten
1Gesundheit, Pflege9,711,4-1,7
2Sachbearbeitung8,48,10,3
3Verkaufsberatung, Vertrieb7,16,70,4
4Gesundheits-, Sozial- und Rechtsberatung6,75,01,7
5Ingenieure, Naturwissenschaftler6,44,71,7
6IT-Berufe6,04,41,6
7Lager, Logistik5,56,3-0,8
8Metallberufe5,24,01,2
9Elektroberufe4,96,0-1,1
10Anlagensteuerung, Automatisierung3,94,2-0,3

Quelle: DEKRA Akademie 2026 / Darstellung der zehn Tätigkeitsbereiche mit dem höchsten Anteil (von insgesamt 28)

Soziale Berufe auf dem Vormarsch

Der demografische Wandel macht sich nicht nur im Fachkräftemangel der Industrie bemerkbar, sondern treibt auch die Nachfrage in sozialen und pflegerischen Berufen. Gesundheits- und Krankenpfleger belegen mit 2,92 Prozent Stellenanteil den zweiten Platz im Gesamtranking. Erzieherinnen und Erzieher sind auf Platz 4 vorgerückt, Hauspflegekräfte schaffen erstmals den Sprung in die Top 10.

Für Industrieunternehmen hat diese Entwicklung indirekte Konsequenzen: Der Wettbewerb um Arbeitskräfte verschärft sich branchenübergreifend. Junge Menschen, die sich zwischen einer Ausbildung im Handwerk und einem sozialen Beruf entscheiden müssen, haben in beiden Feldern exzellente Perspektiven. Umso wichtiger wird es für Maschinenbauer, ihre Arbeitgeberattraktivität zu stärken und die Vorzüge technischer Berufe überzeugend zu kommunizieren.

Künstliche Intelligenz: Viel Hype, wenig Anforderung

Kaum ein Thema dominiert die Fachpresse so sehr wie der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Produktion. Predictive Maintenance, KI-gestützte Qualitätskontrolle und intelligente Fertigungssteuerung sind in aller Munde. Umso erstaunlicher ist der Befund der DEKRA-Analyse: Nur 1,8 Prozent aller Stellenangebote erwähnen KI-Kenntnisse als Anforderung.

Lediglich in zwei Tätigkeitsbereichen spielen entsprechende Kompetenzen eine nennenswerte Rolle. In der IT enthalten 13,5 Prozent der Stellenanzeigen KI-Bezüge, im Bereich Information und Gestaltung sind es 11,1 Prozent. Alle anderen Branchen liegen weit dahinter.

Diese Diskrepanz zwischen öffentlicher Aufmerksamkeit und tatsächlichen Anforderungsprofilen sollte jedoch nicht zu dem Schluss verleiten, dass KI für die Industrie irrelevant ist. Katrin Haupt, Geschäftsführerin der DEKRA Akademie, ordnet den Befund ein: „Der geringe Stellenwert von KI in Anforderungsprofilen darf nicht darüber hinwegtäuschen: Unternehmen stehen mitten in der Transformation. Personalentwicklung muss KI als Veränderung von Arbeit verstehen – und Mitarbeitende befähigen, diese aktiv und verantwortungsvoll mitzugestalten."

Für Fachkräfte bedeutet das: Wer sich heute proaktiv mit KI-Anwendungen in seinem Fachgebiet auseinandersetzt, verschafft sich einen Vorsprung, der in den kommenden Jahren zunehmend wettbewerbsentscheidend werden dürfte.

Robuste Nachfrage trotz unsicherer Zeiten

Die Analyse des DEKRA Arbeitsmarktreports 2026 zeichnet ein Bild, das Mut macht. Trotz konjunktureller Schwäche, geopolitischer Verwerfungen und medialer Krisenstimmung bleibt die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften hoch – insbesondere in den für den Maschinenbau zentralen Bereichen Elektrotechnik, Metallverarbeitung, Anlagensteuerung und Ingenieurwesen.

Die Zahlen zeigen aber auch, dass der Wettbewerb um Arbeitskräfte härter wird. Soziale Berufe, Pflege und Erziehung konkurrieren mit der Industrie um dieselben demografischen Kohorten. Unternehmen, die langfristig erfolgreich rekrutieren wollen, müssen in Ausbildung investieren, attraktive Arbeitsbedingungen bieten und die Transformation als Chance kommunizieren.

Für Fachkräfte wiederum gilt: Wer praktische Fertigkeiten mit technischem Verständnis verbindet, wer komplexe Systeme steuern oder strategische Entscheidungen fundieren kann, hat auf dem deutschen Arbeitsmarkt auch in schwierigen Zeiten ausgezeichnete Perspektiven.

Mit Material der DEKRA Akademie