Automatisierung

Industrielle Automatisierung: KI wird zum Treiber

Die industrielle Automatisierung steht laut Bain & Company vor einem grundlegenden Wandel: Bis 2030 könnte fast die Hälfte der Umsätze auf KI-basierten Angeboten beruhen.

KI und Robotik werden in der industriellen Automatisierung 2026 eine wichtige Rolle spielen.
Für die Studienautoren ist klar: Die Wertschöpfung verlagert sich von klassischer Steuerungstechnik hin zu Software, Daten, KI und intelligenten Feldgeräten.

Summary: Bain & Company beschreibt in einer am 13. April 2026 in München veröffentlichten Studie den Wandel der industriellen Automatisierung. Wertschöpfung und Gewinne verlagern sich in Richtung Software, Daten, KI und intelligente Feldgeräte. Zusätzliche Wachstumschancen entstehen vor allem durch KI-Anwendungen, vertikalisierte Lösungen und langfristige Lifecycle-Partnerschaften.

Die industrielle Automatisierung steht vor einem strukturellen Umbruch. Wie aus der Studie „Industrial Automation: From Control to Intelligence“ der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company hervorgeht, verschiebt sich die Branche von der klassischen Maschinensteuerung hin zur Orchestrierung intelligenter Systeme. Bis 2030 dürften nahezu 50 % der Umsätze im Bereich industrielle Automatisierung auf KI-basierten Angeboten beruhen. Damit verlagert sich die Wertschöpfung deutlich in Richtung Software, Daten und künstliche Intelligenz.

Wie verändert sich die Branchenstruktur? 

Mit diesem Wandel verändert sich laut Studie auch die Architektur der Branche. Die bisherige Pyramidenstruktur entwickelt sich zunehmend zu einer Sanduhr. Mehr als 80 % des Profit Pools sollen künftig an den beiden Enden dieser Struktur liegen. Mehr als die Hälfte der Gewinne entfällt demnach auf Software, Datenplattformen und KI-gestützte Ebenen. Weitere 25 bis 30 % werden bei intelligenten Feldgeräten verortet, also bei vernetzten Sensoren, Maschinen und Komponenten, die Daten erfassen, auswerten und in Echtzeit weitergeben.

Die traditionelle Steuerungsebene bleibt zwar relevant, steht aber wirtschaftlich zunehmend unter Druck. Sie ist weiterhin ein wesentlicher Bestandteil industrieller Automatisierung, bildet jedoch nicht länger den profitabelsten Kern. Unternehmen, die Daten, Software und intelligente Geräte in großem Maßstab orchestrieren, erzielen laut Bain bereits messbare Effekte: Die Produktivität steigt um 30 bis 50 %, Wartungskosten sinken um bis zu 35 % und die Lebensdauer von Anlagen verlängert sich.

KI wird zum zentralen Werttreiber 

Die Studie sieht künstliche Intelligenz als entscheidenden Hebel für zusätzliches Wachstum. Bis 2030 könnten KI-gestützte Lösungen weltweit ein zusätzliches Marktpotenzial von bis zu 70 Milliarden USD erschließen. Das entspräche einem Wachstum von mehr als 20 %. Besonders stark wirken dabei einige wenige Anwendungsfelder wie adaptive Robotik, vorausschauende Wartung und wissensbasierte Systeme.

„Was sich verändert, ist nicht nur die Technologie, sondern auch, wo im Markt wirtschaftlicher Wert geschaffen wird“, betont Adrien Bron, Bain-Partner und Co-Autor der Studie. „Mit der wachsenden Bedeutung von Software, Daten und intelligent vernetzten Geräten müssen in der industriellen Automatisierung tätige Unternehmen ihre Differenzierungsstrategien neu bewerten und weiterentwickeln. Gleichzeitig gilt es zu klären, wo sie Skaleneffekte und Führungspositionen erreichen und an welchen Stellen sie langfristig Wert schöpfen können.“

Ein Großteil dieser Wertschöpfung dürfte bereits in den kommenden ein bis fünf Jahren realisiert werden. In mehreren Anwendungsfeldern ist KI laut Studie damit nicht mehr nur ein Differenzierungsmerkmal, sondern bereits Voraussetzung für den Marktzugang.

Warum gewinnen vertikalisierte Lösungen an Bedeutung? 

Parallel dazu nimmt der Wettbewerbsdruck in der industriellen Automatisierung zu. Wie aus der Bain-Analyse hervorgeht, verlieren etablierte Wettbewerbsvorteile schneller an Bedeutung, als viele Anbieter erwarten. Der Druck kommt von beiden Enden der Wertschöpfungskette: Hyperscaler und KI-native Unternehmen dringen stärker in industrielle Software- und Datenplattformen vor, während aggressive Hardwareanbieter die Margen zentraler Automatisierungskomponenten belasten.

„Für etablierte Automatisierungsunternehmen ergibt sich daraus ein wachsender Druck von mehreren Seiten“, erklärt Michael Schertler, Bain-Partner und Co-Autor der Studie. „Zugleich sinken die Wechselkosten, da sich Software zunehmend von der Hardware entkoppelt und die Interoperabilität steigt. Die größte Gefahr liegt dabei weniger in einer abrupten Disruption als vielmehr in einer schleichenden Marginalisierung.“

Bis 2030 sollen nahezu 60 % des zusätzlichen Wachstums aus vertikal spezialisierten Lösungen stammen, die auf einzelne Branchen zugeschnitten sind. Für Lebensmittel- und Getränkehersteller stehen Rückverfolgbarkeit und Hygiene im Mittelpunkt. Batterie- und Automobilhersteller priorisieren Fertigungseffizient, Durchsatz und flexible Produktionsumstellungen. Im Bereich Life Sciences rücken dagegen Validierung und regulatorische Compliance in den Vordergrund.

„Vor diesem Hintergrund verlagern sich Wachstum und Wertschöpfung zunehmend in Richtung vertikalisierter Lösungen, die Software, Daten und Hardware zu integrierten Gesamtsystemen verbinden“, so Schertler. „Wettbewerbsvorteile entstehen dabei immer stärker durch ein tiefes Verständnis der jeweiligen Branche – und nicht allein durch die Steuerung einzelner Maschinen.“

Geschäftsmodelle rücken näher an den Lebenszyklus 

Mit der breiteren Verfügbarkeit kontinuierlicher, datengetriebener Intelligenz verschiebt sich die Wertschöpfung zugleich von punktuellen Einzellösungen hin zu langfristigen, am Produktlebenszyklus orientierten Geschäftsmodellen. Unternehmen bevorzugen laut Studie verstärkt Partner, die über die Inbetriebnahme hinaus eingebunden bleiben und die Leistung in Anlaufphase, Betrieb und Optimierung kontinuierlich verbessern.

Davon profitieren insbesondere wiederkehrende Geschäftsmodelle sowie Anbieter, die langfristig Verantwortung für Ergebnisse übernehmen. Der Fokus verschiebt sich damit weg vom einmaligen Produktverkauf und stärker hin zu dauerhaften Lifecycle-Partnerschaften.

Was bedeutet das für die industrielle Automatisierung bis 2030? 

Die Studie von Bain & Company beschreibt einen Markt, in dem sich wirtschaftlicher Wert, technologische Differenzierung und Wachstumschancen neu ordnen. Software, Daten, KI und intelligente Feldgeräte gewinnen an Gewicht, während branchenspezifische Gesamtlösungen an Relevanz zulegen. Für Anbieter in der industriellen Automatisierung wird damit entscheidend, Systeme, Prozesse und Ökosysteme übergreifend zu orchestrieren.

„Im Zuge der Entwicklung hin zu autonomen Systemen wird der Wettbewerbsvorteil für Anbieter zunehmend davon abhängen, Software, Daten und intelligente Feldgeräte zu integrierten Gesamtlösungen zu verbinden“, bilanziert Bain-Experte Bron. „Unternehmen, die Intelligenz über Systeme, Prozesse und Ökosysteme hinweg erfolgreich orchestrieren, werden in der nächsten Phase der industriellen Automatisierung die größten Wertschöpfungspotenziale realisieren.“

mit Material von Bain

Die industrielle Automation im Fokus

• Welche Rolle spielt KI in der industriellen Automatisierung? – KI soll laut Bain & Company bis 2030 nahezu 50 % der Umsätze in der industriellen Automatisierung prägen und zusätzliche Marktpotenziale von bis zu 70 Milliarden USD erschließen.

• Warum verändert sich die industrielle Automatisierung strukturell? – Die Wertschöpfung verlagert sich von klassischer Steuerungstechnik hin zu Software, Daten, KI und intelligenten Feldgeräten.

• Welche Bereiche treiben die industrielle Automatisierung besonders stark? – Adaptive Robotik, vorausschauende Wartung, wissensbasierte Systeme und vertikalisierte, branchenspezifische Lösungen gelten als zentrale Wachstumstreiber.

• Was bedeutet vertikale Spezialisierung für die industrielle Automatisierung? – Lösungen werden stärker auf Anforderungen einzelner Branchen zugeschnitten und verbinden Software, Daten und Hardware zu integrierten Systemen.

• Wie verändern sich Geschäftsmodelle in der industriellen Automatisierung? – Der Fokus verschiebt sich hin zu langfristigen Lifecycle-Partnerschaften, wiederkehrenden Umsätzen und kontinuierlicher Leistungsoptimierung.