Kritische Rohstoffe

Kritische Rohstoffe: Unternehmen fürchten Produktionsstopps

Kritische Rohstoffe bleiben für viele Industrieunternehmen ein zentrales Risiko. Eine aktuelle IW-Umfrage zeigt, welche Folgen verschärfte Exportbeschränkungen aus China haben könnten.

Kritische Rohstoffe wie Seltene Erden, Lithium und Gallium sind für viele industrielle Produktionsprozesse unverzichtbar. Verschärfte Exportbeschränkungen könnten Lieferketten belasten und Produktionsausfälle verursachen.
Kritische Rohstoffe wie Seltene Erden, Lithium und Gallium sind für viele industrielle Produktionsprozesse unverzichtbar. Verschärfte Exportbeschränkungen könnten Lieferketten belasten und Produktionsausfälle verursachen.

Kritische Rohstoffe aus China: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Hohes Produktionsrisiko: Sechs von zehn Unternehmen (61 %), die kritische Rohstoffe direkt oder indirekt aus China beziehen, befürchten bei Lieferengpässen Produktionsverzögerungen oder -stillstände.

  • Kosten und Engpässe: Fast alle betroffenen Betriebe rechnen bei eingeschränkten Lieferungen mit höheren Beschaffungskosten (88 %) sowie mit spürbaren Lieferengpässen (71 %).

  • Gefahr von Kundenverlusten: Vier von zehn Firmen (39 %) droht durch Lieferausfälle der Verlust von Kunden.

  • Bereitschaft zu De-Risking: Die Unternehmen sind bereit, für mehr Sicherheit zu zahlen. 41 % würden Rohstoffe aus sicheren Quellen außerhalb Chinas selbst bei spürbaren Mehrkosten beziehen.

Sollte China seine Exportbeschränkungen für kritische Rohstoffe wie Seltene Erden, Lithium oder Gallium ausweiten, rechnen viele Unternehmen mit erheblichen Auswirkungen auf ihre Produktion. Das geht aus einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor.

Sechs von zehn Unternehmen, die kritische Rohstoffe direkt oder indirekt beziehen, befürchten Produktionsstopps oder Verzögerungen. 88 % erwarten steigende Beschaffungskosten, 71 % rechnen mit Lieferengpässen. Vier von zehn Unternehmen sehen zudem das Risiko, Kunden zu verlieren.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Wie aus der Mitteilung hervorgeht, trifft die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen insbesondere die Metall- und Elektroindustrie sowie den Fahrzeugbau. Im Verarbeitenden Gewerbe bezieht knapp jedes fünfte Unternehmen kritische Rohstoffe direkt oder indirekt. In der Metall- und Elektroindustrie ist es sogar mehr als jedes vierte Unternehmen.

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Wie reagieren die Unternehmen?

Frühere IW-Befragungen zeigen, dass bereits neun von zehn Industrieunternehmen Maßnahmen zur Risikobegrenzung ergriffen haben. Dazu zählen vor allem eine höhere Materialeffizienz, langfristige Lieferverträge sowie eine breitere Aufstellung bei den Lieferanten.

Viele Unternehmen wären zudem bereit, ihre Abhängigkeit weiter zu verringern. 41 % würden Rohstoffe aus sicheren Quellen außerhalb Chinas auch bei spürbaren Kostensteigerungen beziehen. Weitere 42 % wären dazu bereit, wenn die Mehrkosten gering ausfallen.

Warum sieht das IW politischen Handlungsbedarf?

Mit dem Critical Raw Materials Act verfolgt die Europäische Union das Ziel, kritische Rohstoffe stärker selbst zu fördern, zu verarbeiten und zu recyceln. Nach Angaben des IW schreitet die Umsetzung jedoch bislang nur langsam voran. Genehmigungsverfahren dauerten Jahre und alternative Bezugsquellen seien weiterhin begrenzt.

„China nutzt seine Rohstoffmacht strategisch. Vor allem die Metall-, Elektro- und Autoindustrie ist verwundbar: Lieferausfälle können schnell in Produktionsprobleme umschlagen oder die Existenz ganzer Betriebe gefährden“, sagt IW-Ökonomin Adriana Neligan.

Unternehmen seien bereit, sich durch Diversifizierung, Lagerhaltung, Substitution und Recycling abzusichern und dafür auch etwas zu zahlen. „Aber die Politik muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass eine bessere Absicherung überhaupt möglich wird“, so Neligan. Dazu zähle die Förderung des Bergbaus kritischer Metalle ebenso wie die Stärkung des Recyclings.

Mit Material des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Kritische Rohstoffe: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Warum sind kritische Rohstoffe für die Industrie so wichtig?

Viele Industrieunternehmen benötigen kritische Rohstoffe für ihre Produktion und sehen bei Lieferausfällen erhebliche Risiken.

Welche Folgen erwarten Unternehmen bei kritischen Rohstoffen aus China?

Genannt werden vor allem Produktionsstopps, Lieferengpässe, höhere Beschaffungskosten und mögliche Kundenverluste.

Welche Branchen sind von kritischen Rohstoffen besonders abhängig?

Besonders betroffen sind die Metall- und Elektroindustrie sowie der Fahrzeugbau.

Wie reagieren Unternehmen auf die Risiken bei kritischen Rohstoffen?

Sie setzen unter anderem auf Materialeffizienz, langfristige Lieferverträge, zusätzliche Lieferanten sowie Diversifizierung, Lagerhaltung, Substitution und Recycling.

Welche Rolle spielt der Critical Raw Materials Act?

Er soll die Förderung, Verarbeitung und das Recycling kritischer Rohstoffe in der Europäischen Union stärken, kommt laut IW bislang jedoch nur langsam voran.