Gasleitungen mit Ventil

Ein massiver Engpass bei der Gasversorgung im Zuge des Ukraine-Kriegs bedroht Deutschland - der Präsident des VDMA stellt den Vorrang von Privathaushalten bei der Belieferung in Frage. (Bild: Maksym Yemelyanov - stock.adobe.com)

VDMA-Präsident Karl Haeusgen hat in einem Statement den Vorrang bei der Versorgung mit Gas von Privathaushalten gegenüber der Industrie infrage gestellt. Damit ist er auf einer Wellellänge mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, der ähnliches verlautbaren ließ. "Der Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister stellt zu Recht die Frage, ob der Status des 'geschützten Verbrauchers' in einer Gas-Krise von bisher ungeahnter Dimension und Dauer noch richtig definiert ist", so Hausgen. "Der absolute Vorrang des Verbrauchers in einer Gas-Notlage wurde für Situationen konzipiert, in denen Gas regional und zeitlich beschränkt nicht zur Verfügung steht, etwa aufgrund einer Naturkatastrophe oder aufgrund von temporären technischen Problemen. Der Ukraine-Krieg mit all seinen Folgen sprengt dieses Szenario jedoch."

Im Fokus: Gasversorgung in der Industrie

Gaspipeline und Hilfsgeräte in der Gaspumpstation.
(Bild: 63ru78 - stock.adobe.com)

Was passiert, wenn Putin wirklich den Gashahn ganz zudreht? Wie aber soll die Industrie ohne russisches Gas über den Winter kommen? Welche Maßnahmen werden ergriffen? PRODUKTION hält Sie über alles Wichtige rund um die Gasversorgung auf dem Laufenden. Wir empfehlen Ihnen diese Artikel:

Der VDMA unterstütze die Diskussion, so Häusgen, "gerade, weil unsere Unternehmen auch eine Verantwortung für die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Privatkunden von jeglicher Einschränkung in der Gasversorgung auszunehmen, wie es momentan rechtlich vorgesehen ist, kann - wenn der Notfall eintritt - eine wirtschaftliche Krise deutlich beschleunigen und damit auch für Arbeitnehmer dramatische Folgen haben. Das muss verhindert werden."

Letztlich gehe es um eine möglichst faire und angemessene Verteilung zwischen den Verbrauchergruppen, die die Gesellschaft insgesamt im Blick hat. Dazu seien Flexibilität und die Berücksichtigung zahlreicher Parameter gefragt. "Das ist ohne Zweifel eine enorme Herausforderung für uns alle."

Karl Haeusgen, Präsident des VDMA
(Bild: VDMA)

„Wir unterstützen die Diskussion, gerade weil unsere Unternehmen auch eine Verantwortung für die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben." - Karl Haeusgen, Präsident des VDMA

Haeusgen bezog sich auf eine Äußerung aus dem Bundeswirtschaftsministerium, der zu Folge im Falle einer Gasmangellage alle Verbraucher Beiträge zum Energiesparen leisten müssten. Dies habe Minister Robert Habeck (Grüne) deutlich gemacht, sagte eine Sprecherin der dpa.

Eine europäische Verordnung, auf der der deutsche Notfallplan Gas basiert, definiere geschützte Kunden und diese Vorgabe gelte, so die Sprecherin. "Das heißt Kindergärten, Krankenhäuser, private Verbraucher sind geschützte Verbraucher und diese werden auch im Fall einer Gasmangellage weiter versorgt und beliefert und nicht abgeschaltet." Klar sei aber auch, "dass im Fall einer Gasmangellage alle Verbraucher einen Beitrag zum Energiesparen leisten müssen." Dafür brauche es dann auch Standards zum Energiesparen.

Habeck hatte zuvor deutlich gemacht, dass er auf europäischer Ebene Handlungsbedarf sieht. Die europäische Verordnung sehe den Schutz von kritischer Infrastruktur und Verbrauchern vor, aber nicht den von Wirtschaft und Industrie. Das mache nur Sinn bei einer kurzfristigen Störung, sagte Habeck. "Das ist aber nicht das Szenario, das wir jetzt haben." Es gelte, die Folgen einer langfristigen Unterbrechung von industrieller Produktion zu berücksichtigen. Es gehe darum, wie private Kunden einen Beitrag leisten könnten zur Einsparung von Gas.

Über das Energiesicherungsgesetz könnte die Bundesregierung Verordnungen zur Energieeinsparung erlassen. Dabei könnte es zum Beispiel darum gehen, Vorgaben zu Mindesttemperaturen beim Heizen abzusenken.

Mit Material von VDMA und dpa

MBG Logo
(Bild: Produktion)

Die Gas-Krise im Zuge des Krieges in der Ukraine und die damit verbundenen Liefer-Probleme für die Industrie werden auch beim diesjährigen Deutschen Maschinenbau-Gipfel von VDMA und der FACHZEITUNG PRODUKTION am 11. und 12. Oktober 2022 in Berlin eine große Rolle spielen. Dort werden die wichtigsten Player der Branche mit Experten das Thema Energieversorgung in allen Facetten beleuchten.

 

Seien Sie also dabei, diskutieren Sie mit und profitieren Sie vom Wissen und der Expertise vor Ort: Hier geht es zur Website mit den Informationen und der Anmeldemöglichkeit zum Maschinenbau-Gipfel in Berlin.

Sie möchten gerne weiterlesen?

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos:

Bleiben Sie stets zu allen wichtigen Themen und Trends informiert.
Das Passwort muss mindestens acht Zeichen lang sein.

Mit der Registrierung akzeptiere ich die Nutzungsbedingungen der Portale im Industrie-Medien-Netzwerks. Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen.

Sie sind bereits registriert?

dpa