Zwei Männer und zwei Frauen diskutieren zusammen und schauen dabei auf ein Flipchart.

Große Unternehmen und Start-ups arbeiten inzwischen immer öfter zusammen. - Bild: Adobe Stock/oneinchpunch

| von Anja Ringel

Nicht erst seit der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ ist klar: Start-ups sind längst ein wichtiger Teil der Wirtschaft. „Mit ihren innovativen Ideen sorgen die Startups nicht nur für Wachstum, sie treiben auch die Digitalisierung in Deutschland voran und gestalten so den technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt“, sagt zum Beispiel Professor Dr. Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen, der den Deutschland Start-up Monitor 2019 geschrieben hat. Die Studie wird jährlich vom Bundesverband Deutsche Startups und der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC herausgebracht.

In der aktuellsten Veröffentlichung wird dabei auch deutlich, dass sich junge Unternehmen immer mehr etablieren und mit anderen Firmen zusammenarbeiten. „Zwei von drei Startups kooperieren bereits mit etablierten Unternehmen“, sagte Florian Nöll, der bei PwC die Startup-Initiative NextLevel leitet, bei der Vorstellung der Studie im vergangenen Jahr. Daraus entstehen laut Nöll große Chancen für die Start-ups.

Wie eine solche Zusammenarbeit mit größeren Unternehmen aussehen kann, zeigen die Beispiele Volkswagen und Deutsche Bahn. Beide Konzerne arbeiten bereits seit Jahren mit Start-ups zusammen.

Start-ups sind Teil der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen

Bei Volkswagen ist diese Woche das Start-up-Programm „Future Mobility Incubator“ in die fünften Runde gegangen. Fünf Start-ups werden nun ein halbes Jahr mit der Gläsernen Manufaktur und dem Volkswagen-Konzern zusammenarbeiten. Doch dieses Jahr ist aufgrund der Coronakrise alles etwas anders: Die jungen Unternehmen arbeiten normalerweise direkt in der Gläsernen Manufaktur, was momentan nicht möglich ist. Sechs Monate lang haben die Start-ups nun Zeit, ihre definierten Projektvorhaben zusammen mit den VW-Fachabteilungen voranzutreiben.

„Der Future Mobility Incubator ist ein wichtiges Projekt für Volkswagen, um frische und innovative Ideen im Konzern zu verankern. Wir fördern Innovationen damit auch in global herausfordernden Zeiten“, sagt Reinhard de Vries, Geschäftsführer Technik und Logistik bei Volkswagen Sachsen in einer Mitteilung. Ziel der Zusammenarbeit sei immer ein erfolgreicher „Proof of Concept“, sagt Marco Weiß gegenüber PRODUKTION. Er ist Head of New Mobility and Innovations bei Volkswagen Sachsen.

Um das Ziel zu erreichen, bekommen die Start-ups von Volkswagen Sachsen einen Zuschuss von bis zu 15.000 Euro. Unternehmensteile müssen sie dafür nicht abgeben, betont Weiß. Auch Mentoring sei vorgesehen. Volkswagen sehe seine Rolle als Lotse beziehungsweise Türöffner für Start-ups, erklärt Weiß.

Ein Tür in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen, auf der "Future Mobility Incubator" steht.
In der Gläsernen Manufaktur in Dresden arbeitet Volkswagen mit Start-ups an neuen Projekten. - Bild: Volkswagen

Dabei muss es aber nicht bleiben. Nach einer erfolgreichen ersten Kooperation sei die Zusammenarbeit durchaus auch längerfristig, so Weiß. Dabei gibt es bei VW unterschiedliche Ansätze: Das geht von einem Kunden-Lieferantenverhältnis über eine exklusive beziehungsweise strategische Partnerschaft bis zu einer Beteiligung an dem Start-up.

Mit diesen Start-ups hat VW schon zusammengearbeitet

Volkswagen arbeitet dabei mit den Start-ups an den unterschiedlichsten Bereichen zusammen. Vorwiegen seien es Themen wie neue Mobilitätslösungen, Smart Parking, Smart Charging und Automatisiertes Fahren, erklärt Weiß. Es werde aber auch an Lösungen für Produktion und Logistik, Robotik und zunehmend auch Nachhaltigkeitsthemen gearbeitet.

Für das aktuelle Programm haben sich 114 Start-ups beworben. Volkswagen spreche aber auch selbst junge Unternehmen auf Veranstaltungen an. „Ziel ist es, möglichst passende Startups für die Fachabteilungen zu finden, sodass beide Seiten in der Kooperation einen Zugewinn sehen“, sagt Weiß.

Bislang haben 22 Start-ups in der Gläsernen Manufaktur gearbeitet. Erfolgreiche Zusammenarbeiten gab es zum Beispiel mit einem Startup für Ladeinfrastruktur (ChargeX), einem Startups für Parksensoren (Smart City System) und einem Projekt für die Logistik (LiGenium).

Start-ups arbeiten 100 Tage mit der Bahn zusammen

Auch die Deutsche Bahn hat schon einige Projekte mit Start-ups durchgeführt. So hat das Münchner Jungunternehmen Viscopic im Rahmen des Startup-Förderprogramms in der DB Mindbox ein Augmenten-Reality-Training entwickelt, das nun deutschlandweit in den Netz-Schulungszentren eingesetzt wird. Den Innovationshub DB Mindbox gibt es seit viereinhalb Jahren.

Start-ups bekommen dabei genau wie bei VW eine Förderung, ohne Unternehmensanteile abgeben zu müssen – in diesem Fall sind es jeweils 25.000 Euro. Das erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn im Gespräch mit PRODUKTION. Ziel sei es, gemeinsam einen Prototypen oder eine DB-relevaten Lösung zu erarbeiten. Dafür haben die Jungunternehmer 100 Tage Zeit. Sie bekommen dabei auch einen Start-up-Manager zur Seite gestellt, erklärt der DB-Sprecher.

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Nach den 100 Tagen präsentieren die Start-ups ihre Lösungen dann vor einer Jury. Dann werde diskutiert, was dabei herauskommt und je nach Fall im Anschluss ein Kooperationsvertrag unterzeichnet. Dieser laufe zunächst ein Jahr. Der Konzern habe bereits mit 50 Start-ups Projekte durchgeführt, erklärt der Sprecher.

Deutsche Bahn sucht Start-ups zum Thema Robotik

Die Deutsche Bahn sucht in ihren Ausschreibungen für das Start-up-Programm immer nach Partnern für bestimmte Themen – zum Beispiel im Bereich Kundenservice und Bahnhöfe. Momentan werden junge Unternehmen mit den Schwerpunkten Robotik gesucht (zur Ausschreibung geht es hier). Roboter werden laut Unternehmen nicht nur in Zeiten von Corona immer gefragter. Sie sollen der Deutschen Bahn dabei helfen, Aufgaben durchzuführen, die gefährlich oder unangenehm. Parallel sollen Roboter dabei unterstützen, das Virus einzudämmen.

Der Fokus der Ausschreibung liege dabei auf early-stage Startups, so der Sprecher. Also Unternehmen, die in einer ersten Phase sind und noch keinen siebenstelligen Umsatz machen. Es gebe aber auch Ausnahmen.