Vier Menschen arbeiten zusammen an einem Tisch, an dem zwei Laptops stehen. Ein Mann hält ein Glas in der Hand.

Startups sind von der Coronakrise besonders betroffen. - Bild: Adobe Stock/Sfio Cracho

| von Anja Ringel

Am Ende kam es noch schlimmer als befürchtet: Bei der Umfrage zu den Auswirkungen des Coronavirus sei man durchaus davon ausgegangen, dass viele Startups betroffen seien, sagte Christian Miele, Präsident des Bundesverbandes Deutsche Startups. Er habe jedoch nicht damit gerechnet, dass neun von zehn Startups durch Corona in ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt sind. Er sei seit über zehn Jahren in der Startup-Branche aktiv, so Miele. Dabei sei die Szene noch nie so existenziell betroffen gewesen.

Sein Kollege Christoph Stresing, Geschäftsführer Politik des Bundesverbands, erklärte die Problematik: Startups sind oft kleine Unternehmen, die von privatem Kapital abhängig sind. Wenn das ausbleibt, haben sie ein Problem. Die momentane Krise trifft die Startups außerdem besonders hart, weil viele keine finanziellen Rücklagen haben, wie Jannis Gilde, Projektleiter Research des Bundesverbandes, erklärt.

Coronakrise: Staatshilfen nutzen nicht allen Startups

Für ihre Umfrage hat der Bundesverband über 1.000 deutsche Startups befragt. Das Ergebnis: Rund 91 Prozent der Unternehmen sind durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt. Mit nur sehr wenigen Ausnahmen wie der Bauindustrie sind dabei alle Branchen ähnlich häufig betroffen. Über 80 Prozent der Befragten sind aufgrund von Corona außerdem in ihrer Existenz gefährdet.

Eine weitere Erkenntnis der Studie: Die Gefährdung für Startups ist sowohl für große als auch kleinere Startups im kommenden halben Jahr akut. Vor allem Startups mit einer anstehenden Finanzierungsrunde sind betroffen. 

Zwar helfen einige Staatshilfen laut Miele wie Kurzarbeit auch Startups – jedoch nicht allen. Denn viele Startups werden als nicht „bankable“ eingestuft und können deswegen auch keinen Kredit beantragen. Dennoch planen zwei Drittel der Startups, staatliche Hilfsmaßnahmen zu nutzen.

Staatshilfen: Diese Maßnahme schlägt der Startup-Verband vor

Größere Unternehmen mit einer Kapitalisierung von 50 Millionen Euro werden laut Miele dabei wahrscheinlich Unterstützung aus dem geplanten Wirtschaftsstabilisierungsfonds erhalten. Der Bundesvorsitzende schätzt, dass rund 150 bis 200 Startups in diese Kategorie fallen. Kleinere Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern können auf Soforthilfen von Bund und Ländern zurückgreifen. So gibt es zum Beispiel 9.000 Euro für betroffene Betriebe mit unter fünf Mitarbeitern.

Mittelgroße Betriebe bleiben jedoch erst einmal auf der Strecke. Dabei brauchen die Startups der Studie zufolge in den nächsten Wochen Hilfe, um Insolvenzen zu vermeiden. Der Bundesverband hat deshalb einen Vier-Stufen-Plan ausgearbeitet um „das Desaster hoffentlich abwenden zu können“, wie Miele sagt.

Dazu zählen unter anderem sogenannte Matching Fonds, bei denen nicht nur der Staat, sondern auch private Investoren aushelfen – meist in einem Verhältnis 70 zu 30. Miele schätzt, dass die Startup-Szene einen einstelligen Milliardenbetrag benötigt, um alle gesunden Startups auffangen zu können. Er hoffe, dass der Bundesverband das mit der Politik gemeinsam schafft.

Diesen Stellenwert haben Startups für die Politik

Man arbeite daran, sagte Thomas Jarzombek. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist Beauftragter für Startups des Wirtschaftsministeriums. Wenn irgendwann das nächste Facebook aus Deutschland kommen soll, müsse man jetzt aktiv werden, so Jarzombek. Das Wirtschaftsministerium sei deshalb in intensivem Austausch mit dem Startup-Verband. Instrumente wie ein Matching Fonds seien durchaus realistisch, sagte der Politiker. Den einstelligen Milliardenbetrag wollte Jarzombek nicht bestätigen. Das Wirtschaftsministerium rechne immer noch einmal selber, höre sich aber auch die Schätzungen des Startup-Verbandes an.

Klar ist für deren Vorsitzenden Miele aber auch: Die Startup-Szene soll vorbildlich mit der Situation umgehen. Man werde keinen Missbrauch zulassen, um kaputte Startups durchzufinanzieren. „Wir wollen uns als Startupszene langfristig gut aufstellen“, sagte Miele. Deshalb müssten auch private Investoren Verantwortung zeigen und Startups unterstützen.

Wichtig sei nun, möglichst in Lichtgeschwindigkeit eine Lösung zu erarbeiten, damit der große Unterbau der Startup-Szene nicht wegfalle. „Wenn wir in den nächsten Wochen nicht an Geld kommen, werden viele Startups verschwinden“, warnte Miele.

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