Auf einem roten Tisch liegen eine Tastatur und davor ein Stift, eine kleine rote Uhr, eine Brille und ein gelber Post-it-Zettel auf dem "The office is quarantined. Work from home" steht.

Viele Mitarbeiter sind aufgrund der Coronavirus-Krise im Homeoffice. - Bild: Adobe Stock/bychykhin

| von Anja Ringel

Katastrophenfall in Bayern, Ausgangssperre in Spanien und viele weitere Maßnahmen: Die Ausbreitung des Coronavirus hat auch immer mehr Auswirkungen auf die Betriebsabläufe. Um die Ansteckungsgefahr zu mindern, haben viele Unternehmen ihre Beschäftigte ins Homeoffice geschickt.

Auch Mitarbeiter wünschen sich das zunehmend, was eine Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) unter mehr als 1.000 Angestellten zeigt. Fast 60 Prozent wollen in der aktuellen Situation von zu Hause aus arbeiten.

Umfrage: Würden Sie bei möglichen gesundheitsgefährdenden Situationen wie dem Coronavirus gerne Homeoffice machen?

 

Ein Diagramm mit den Ergebnissen zur Umfrage: Würden Sie bei möglichen gesundheitsgefährdenden Situationen wie dem Coronavirus gerne Homeoffice machen? des BVDW: 58 Prozent tendieren zu ja, knapp 25 Prozent zu nein und rund 17 Prozent sind unentschieden.
Die Umfrage des BVDW zeigt: Viele Beschäftigte wollen momentan lieber Homeoffice machen. - Quelle: BVDW, Grafik: Anja Ringel

Doch was gibt es für Unternehmen und Mitarbeiter beim Thema Homeoffice zu beachten? PRODUKTION beantwortet zusammen mit Rechtsanwältin und Coach Britta Redmann die wichtigsten Fragen.

Kann Homeoffice angeordnet werden?

„Homeoffice kann nicht einseitig vom Arbeitgeber angeordnet werden“, sagt Rechtsanwältin Redmann. Denn: Es betrifft den Privatbereich des Mitarbeiters. Unternehmen können ihren Beschäftigten jedoch empfehlen beziehungsweise anbieten, im Homeoffice zu arbeiten, wenn es die jeweilige Tätigkeit zulässt.

Auf der anderen Seite gibt es im Übrigen auch keinen gesetzlichen Anspruch, von zu Hause aus zu arbeiten, informiert das Arbeitsministerium. Die Möglichkeit könne sich jedoch aus einer Betriebsvereinbarung oder einem Tarifvertrag ergeben. 

Ändern sich die Arbeitsbedingungen durch Homeoffice?

Nein, sagt Redmann. Es ändert sich nur der Arbeitsort – Arbeitszeiten und Aufgaben dagegen nicht. Aber: Statt starren Arbeitszeitmodellen, könne es gerade momentan sinnvoll sein, über flexiblere Arbeitszeiten nachzudenken, meint Redmann. Dadurch könnten Eltern Arbeitszeit und Kinderbetreuung einfacher managen.

Wer von zu Hause arbeitet, bekommt weiter sein Gehalt. Aber wie sieht es aus, wenn ein Mitarbeiter in Quarantäne ist? Welche Regelungen gibt es da für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Wird ein Mitarbeiter in Quarantäne geschickt, obwohl er selber keine Anzeichen von Corona aufzeigt und daher nicht krankgeschrieben ist, wird das Gehalt – längstens für die Dauer von sechs Wochen  - vom Arbeitgeber weitergezahlt, erklärt die Rechtsanwältin.

Der Arbeitgeber hat die Möglichkeit, sich die Gehaltszahlung dann innerhalb  von drei Monaten nach dem Ende der Quarantäne bei der zuständigen Behörde erstatten lassen. Das regelt das Infektionsschutzgesetz. Darf ein Mitarbeiter jedoch aus dem Ausland nicht ausreisen und ist dort in Quarantäne, sind die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes nicht einschlägig und es gibt momentan noch keine eindeutigen Aussagen beziehungsweise Lösungen für diese Sachverhalte.

Wie können Unternehmen den Workflow aufrechterhalten und den Betrieb weiter koordinieren?

Die entscheidende Basis sind dafür natürlich die technischen Voraussetzungen, sagt Redmann. Die Umfrage des BVDW zeigt: nur rund 55 Prozent der Arbeitgeber sind technisch in der Lage, Homeoffice anzubieten.

Umfrage: Ist Ihr Arbeitgeber technisch dazu in der Lage, Homeoffice anzubieten?

BVDW-Umfrage zum Thema: Ist Ihr Arbeitgeber technisch dazu in der Lage, Homeoffice anzubieten? Rund 54 Prozent der Befragten haben mit "ja" geantwortet.
Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter sagt, dass ihr Arbeitgeber technisch in der Lage ist, Homeoffice anzubieten. - Quelle: BVDW, Grafik: Anja Ringel

Daneben rät Redmann allen Betrieben, klare Absprachen zu treffen, wie miteinander gearbeitet werden soll.

Das betrifft unter anderem folgende Punkte:

  • Feste Erreichbarkeitszeiten (zum Beispiel Servicezeiten gegenüber Kunden)
  • Feste Telekonferenzen, Chats oder Videokonferenzen festlegen
  • Welche Meetings werden virtuell weiter aufrechterhalten?
  • Welche Termine sind zwingend notwendig, welche werden abgesagt?
  • Den Zugang zu Dokumenten und Informationen sicherstellen
  • Regeln, auf welchen Kanälen wer zu welchem Thema und welcher Zeit kommunizieren kann

Homeoffice und Datenschutz: Funktioniert das?

Auch wenn Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten, müssen die Unternehmen sicherstellen, dass die datenschutzrechtlichen Anforderungen eingehalten werden, sagt Redmann. „Insofern müssen auch hier erforderliche Maßnahmen getroffen werden, die Daten entsprechend zu schützen“, so die Rechtsanwältin. Dies könne durch Nachweispflichten – auch durch den Mitarbeiter – erfolgen.

Besonders Beschäftigte, die zum ersten Mal im Homeoffice sind, müssen sich einen Arbeitsplatz einrichten, an dem auch der Datenschutz gewahrt werden kann. Dazu zählt laut Redmann:

  • Keine Firmendaten offen herumliegen lassen
  • Bei Telefonaten die Möglichkeit haben, die „Tür hinter sich zu machen zu können“, damit nicht jeder mithören kann
  • Firmenunterlagen/Daten nach der Arbeit wegschließen. Ein Tipp von Redmann: Da viele momentan eher im „spontanen“ Homeoffice sind, kann auch auf ganz pragmatische Mittel zurückgegriffen werden – zum Beispiel die Firmenunterlagen in einem Koffer zu verschließen, wenn es keine abschließbare Schublade gibt

Im Homeoffice vermischen sich oft privates und berufliches. Wie können diese zwei Bereiche dennoch getrennt werden?

In einer Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung haben 51 Prozent der Befragten angegeben, dass im Homeoffice die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt.#

Redmann hat dafür folgende Tipps:

  • Wenn möglich, einen eigenen Arbeitsraum schaffen
  • Online sichtbar sein und aktiv kommunizieren. „Das gilt sowohl für die reinen Arbeitstätigkeiten als auch für die sozialen Kontakte“, sagt Redmann. Denn auch im Büro frage man ja, wie es den Kollegen geht
  • Sich verschiedene Arten von Arbeiten einteilen – zum Beispiel Mails lesen, Kundenkommunikation, Konzepte schreiben
  • Sich mentale Auszeiten reservieren
  • Herausfinden, wann die eigene Konzentration und Energie am höchsten ist und dann die wichtigsten Aufgaben entsprechend darauf abstimmen